Gefahr durch Augeninfektion Ärzte warnen vor Duschen mit Kontaktlinsen

Weil eine Britin ihre Kontaktlinsen auch beim Baden und Duschen nicht herausnahm, wäre sie auf einem Auge fast erblindet. Im Wasser hatte sich ein winziger Parasit in ihrem Auge eingenistet.

In Deutschland infizieren sich pro Jahr etwa 200 Menschen mit Akanthamöben, die sich durch die Hornhaut fressen können
Daniel Reinhardt/dpa

In Deutschland infizieren sich pro Jahr etwa 200 Menschen mit Akanthamöben, die sich durch die Hornhaut fressen können


Eine 41-jährige Britin hätte fast ihr Sehvermögen auf dem linken Auge eingebüßt, weil sie auch beim Duschen und Baden ihre Kontaktlinsen nicht herausnahm und sich dadurch mit einem Parasiten infizierte, berichten die behandelnden Ärzte im Fachblatt "The England Journal of Medicine".

Die Frau hatte über zwei Monate hinweg Schmerzen im linken Auge, sah nur noch verschwommen und reagierte empfindlich auf Licht. Ein Augentest ergab, dass sie auf dem linken Auge kaum noch sehen konnte. Außerdem entdeckten die Ärzte Kratzer auf der Hornhaut, die deutlich getrübt war. Proben aus dem Auge ergaben, dass sich die Frau mit Akanthamöben infiziert hatte - vermutlich über kontaminiertes Bade- oder Duschwasser. Das rechte Auge war nicht betroffen.

Akanthamöben werden oft zu spät erkannt

Die mikroskopisch kleinen Parasiten kommen in der Erde, in Wasser und in Klimaanlagen vor. Dringen die Erreger in die Hornhaut ein, zeigt sich zuerst eine Trübung. Im weiteren Verlauf können die Parasiten ein Loch in die Hornhaut fressen. Schon nach den ersten zwei bis drei Wochen büßen die Betroffenen an Sehkraft ein, im weiteren Verlauf kann es zur Erblindung kommen. Deshalb muss die Infektion möglichst schnell richtig diagnostiziert und behandelt werden.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene ist das Risiko, sich mit den Amöben durch kontaminiertes Wasser zu infizieren, bei Kontaktlinsenträgern bis zu 400 Mal höher, weil sich die Parasiten hinter der Linse ansammeln können.

Die Frau aus Großbritannien bekam Medikamente gegen die Entzündung, die vollständig ausheilte. Ihre volle Sehkraft bekam sie jedoch nicht zurück. Durch eine Hornhauttransplantation kann sie auf dem Auge zwar etwas besser sehen und auch die Schmerzen verschwanden, sie gilt aber weiterhin als sehbehindert.

In Deutschland infizieren sich pro Jahr etwa 200 Menschen mit Akanthamöben, schätzt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Klingt nach wenig, doch wie der Fall aus Großbritannien zeigt, kann die Infektion schwerwiegende Folgen haben, besonders wenn sie zu spät erkannt und behandelt wird. Augenärzte empfehlen deshalb, Kontaktlinsen zum Duschen und Baden herauszunehmen. Zudem sollten Kontaktlinsen regelmäßig gereinigt und nur mit sauberen Händen eingesetzt werden.

Besonders Träger von weichen Kontaktlinsen sind gefährdet. Die weichen Linsen sind zwar oft angenehmer zu tragen als harte, sind aber anfällig für Bakterien und Keime.

koe



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.