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Mundspülungen Gurgeln gegen Corona – bringt das was?

Gesundheitsminister Spahn hat Mundspülungen gegen Corona ins Spiel gebracht. Was können die Lösungen bewirken? Und was sagen Hygieniker und Virologen dazu?
Von Heike Le Ker

Das Coronavirus Sars-CoV-2 vermehrt sich vor allem im Nasen- und Rachenraum und gelangt von dort beim Atmen und Sprechen über die Luft zum Gegenüber. Warum also nicht versuchen, das Virus an Ort und Stelle unschädlich zu machen? Seine Konzentration etwa mit Mundspülungen zum Gurgeln so stark zu verringern, dass das Übertragungsrisiko sinkt?

Davon sprach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch in der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. »Wissenschaftlich belegt ist das noch nicht. Aber die Idee dahinter ist, dass Gurgeln mit Mundspülungen aus in Alkohol gelösten ätherischen Ölen oder sogar Kochsalz die Viruslast im Mund-und-Rachen-Raum senken soll«, so Spahn.

Tatsächlich empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene in einer Stellungnahme  vom 2. Dezember das sogenannte viruzide Gurgeln: »So wie mit Beginn der Covid-19-Pandemie soziale Abstandswahrung, Mund-Nasen-Schutz, Händedesinfektion und Belüftung von Innenräumen einen neuen Stellenwert in der Prävention innerhalb der Bevölkerung bekommen haben, sollte auch diese einfach handhabbare Möglichkeit der Prävention verstärkt genutzt werden«, heißt es dort. Auch der Krankenhaushygieniker Klaus-Dieter Zastrow hatte bereits im September im ZDF  dafür geworben: »Eine Mundspülung in regelmäßigen Abständen vernichtet die Viren. In Krankenhäusern machen wir das schon seit April.«

Dass der lokale Ansatz aus unterschiedlichen Gründen im Kampf gegen die Pandemie wichtig ist, zeigen etwa die Gurgel-Testverfahren für den Nachweis von Sars-CoV-2, wie sie zum Beispiel in Österreich eingesetzt wurden.

Ob und wie gut eine Mundspülung tatsächlich die Viruslast reduziert, untersucht unter anderem ein Wissenschaftlerteam mehrerer deutscher Universitäten, das bereits im Juli dieses Jahres eine Zellkultur-Studie zum Thema veröffentlicht  hat. Für ihre Untersuchungen hatten die Forscher um Juniorprofessorin Stephanie Pfänder acht verschiedene kommerziell erhältliche Mundspüllösungen mit Viruspartikeln und einer Art Kunstspeichel vermengt und 30 Sekunden lang geschüttelt, um ein Gurgeln zu simulieren. Das Ergebnis: Drei der Spüllösungen waren so effektiv gegen Sars-CoV-2 wirksam, dass sich nach 30 Sekunden keine Viren mehr nachweisen ließen.

»Die Ergebnisse lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen«, sagte Erstautorin Toni Meister von der Abteilung für molekulare und medizinische Virologie an der Ruhr-Universität Bochum dem SPIEGEL. »Aber wir haben versucht, mit unseren Experimenten so nah wie möglich an der Realität zu sein.«

Wann vermehren sich die Viren wieder?

Angelegt sind Mundspüllösungen häufig als antibakteriell, sie sollen Bakterien im Mundraum abtöten, Zahnbelag und einen schlechten Atem bekämpfen. »Wie genau der Mechanismus bei den verschiedenen Substanzen aussieht, der die Viren abtötet, untersuchen wir gerade«, sagt Meister. Derzeit laufen der Forscherin zufolge bereits Folgestudien, in denen die Wirkung der Lösungen bei Sars-CoV-2-Infizierten untersucht werden. »Wir wollen natürlich auch wissen, wie lange die Wirkung anhält und wie lange es dauert, bis sich die Viren wieder vermehrt haben«, so Meister.

Denn selbst wenn sich die Konzentration von Sars-CoV-2 durch Mundspüllösungen im menschlichen Körper lokal reduzieren lässt, bleiben zwei wichtige Punkte zu bedenken: Zum einen können die Mittel nur lokal, also im Mund- und Rachenraum wirken. Viren in der Nasenschleimhaut oder in den Bronchien können sie nicht bekämpfen.

Zum anderen können sich im Körper verbleibende Viren vermehren und ausbreiten, sodass sie nach einer gewissen Zeit vermutlich auch im Mund- und Rachenraum wieder auftreten – und von dort aus mit der Atemluft oder beim Husten und Niesen auch wieder in die Umgebung gelangen können. »Eine Spüllösung kann natürlich in keiner Weise eine Therapie sein, sie kann nur vermutlich für eine Weile die Viruslast des Nutzers senken«, erklärt Meister.

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Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene führt in ihrer Stellungnahme, an der auch der Abteilungsleiter der Virologie an der Ruhr-Universität Bochum, Eike Steinmann, mitgewirkt hat, Gurgel-Empfehlungen aus anderen Ländern auf, so etwa aus Japan, Belgien und Portugal und von der Weltgesundheitsorganisation WHO. Auch in Deutschland wird empfohlen, generell vor einer zahnärztlichen Behandlung, vor einer Intubation oder einer Bronchoskopie die Mundhöhle mit 1,25-prozentiger wässriger PVP-Jod-Lösung zu spülen. Für die allgemeine Bevölkerung in Deutschland sei zum Beispiel zu empfehlen, mit einem Mundwasser (mit oder ohne Alkohol) zu gurgeln, das ätherische Öle enthält.