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H7N9: China ringt mit der Vogelgrippe

Foto: ALY SONG/ REUTERS

H7N9-Virus China ringt mit der Vogelgrippe - weitere Infizierte

Das bisher kaum bekannte Vogelgrippevirus H7N9 hält China weiter in Atem: Geflügelmärkte wurden geschlossen, Tiere getötet. Dennoch infizierten sich drei weitere Menschen mit dem Erreger. Laut Experten ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Virus auch Deutschland erreicht.

Peking - Es beginnt mit Husten und Fieber und endet mit einer schweren Lungenentzündung: Nach sechs Todesfällen und immer neuen Infektionen mit dem Vogelgrippevirus H7N9 versucht China weiter, den Erreger unter Kontrolle zu bringen. Die Behörden der Städte Hangzhou und Nanjing begannen mit der Tötung von Geflügel und ordneten ein vollständiges Verbot des Handels an, wie chinesische Medien berichteten.

Geflügelmärkte wurden geschlossen, der Weitertransport von Vögeln in Städte untersagt. In Shanghai waren bereits rund 20.000 Hühner, Enten, Gänse und Tauben vorsorglich gekeult worden. Die Behörden hatten das kaum bekannte Vogelgrippevirus zuvor bei Tauben auf einem Markt entdeckt. Die Tiere waren zum Verzehr bestimmt.

Trotz der Vorsichtsmaßnahmen meldeten die Behörden am Sonntag zwei neue Infektionen in Shanghai und einen in der östlichen Provinz Anhui, wie die Nachrichtenagentur Xinhua mitteilte. Damit stieg die Zahl der infizierten Patienten auf insgesamt 21. Alle Fälle traten in Shanghai und nahe gelegenen Provinzen im Osten des Landes auf.

Experten: Virus wird vermutlich auch Deutschland erreichen

Für Experten ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Virus auch Deutschland erreicht. "Die chinesischen Behörden haben uns in der Vergangenheit nicht überzeugen können, dass sie so etwas in Schach halten und regional begrenzen können", sagte Alexander Kekulé, Virologe der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Nach den Erfahrungen der vergangenen Vogelgrippe gebe es in Deutschland nun jedoch viel bessere Kontrollen.

Die chinesischen Behörden versuchen derweil, Panikmache zu vermeiden. Es handle sich um "isolierte Fälle", teilte das Gesundheitsministerium mit. Experten hätten bisher keine Hinweise auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch gefunden. Noch ist allerdings auch unklar, wie sich die Menschen mit dem Virus infiziert haben. Zuvor galt H7N9 als Krankheitserreger, der nur Tiere infiziert.

Erste Untersuchungen des Erbguts zeigten allerdings, dass sich das Virus vermutlich an den Menschen angepasst hat. Der Erreger könne durch Mutationen wahrscheinlich an die Zellen von Säugetieren andocken, teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO mit. Außerdem vermehre er sich bei der normalen Körpertemperatur von Säugetieren, während Vögel zumindest tagsüber eine etwas höhere Temperatur haben. Die USA und die WHO haben vorsorglich bereits mit der Entwicklung eines Impfstoffs begonnen.

Tückisch: Infizierte Vögel wirken mitunter gesund

Die chinesischen Gesundheitsbehörden wiesen Krankenhäuser an, sich auf mögliche weitere Infektionen vorzubereiten. Warnungen ergingen an Risikogruppen wie Geflügelzüchter, Händler, Fleischer und Arbeiter in der fleischverarbeitenden Industrie.

Experten appellieren außerdem an die chinesischen Gesundheitsbehörden, weiter Geflügel zu testen. Das tückische des H7N9-Virus ist, dass infizierte Tiere mitunter keine Krankheitssymptome zeigen. "In der Vergangenheit hat man Hühner sterben sehen, bevor es irgendwelche Infektionen bei Menschen gab, aber diesmal stellen wir fest, dass viele Geflügelarten keine Beschwerden haben. Das macht es schwierig, weil die natürlichen Warnsignale wegfallen", sagte der Infektionsexperte David Hui von der Chinese University in Hongkong.

Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt, von denen es jeweils verschiedene Strukturen gibt. Die sogenannte aviäre Influenza befällt vor allem Vögel, manche Formen können aber auch dem Menschen gefährlich werden: Der Erreger H5N1 infizierte nach Angaben der WHO seit 2003 weltweit mehr als 600 Menschen, 371 Menschen starben.

irb/AP/dpa
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