Hamburg Klinik verschickt mehrfach Patientendaten an falsche Person

Elf Arztbriefe bekam eine Hamburger Psychotherapeutin von der Asklepios-Klinik in Altona. Sie enthielten Daten von Patienten, die sie gar nicht kannte. Trotz Meldung der Panne hörten die Zustellungen nicht auf.

Asklepios-Klinik in Hamburg-Altona: "Wir bedauern den Vorfall"
Christian Charisius/ DPA

Asklepios-Klinik in Hamburg-Altona: "Wir bedauern den Vorfall"


Die Asklepios-Klinik in Hamburg-Altona hat offenbar wiederholt Patientendaten an eine falsche Empfängerin verschickt - trotz Hinweisen auf die Panne. Wie Recherchen des NDR ergaben, erhielt die Psychotherapeutin Daniela Rath über einen Zeitraum von insgesamt sechs Jahren Arztbriefe von Patienten, die sie gar nicht kannte.

Dem NDR zufolge bekam Rath den ersten Brief vor rund sechs Jahren zugeschickt. Sie habe die Klinik informiert, dass sie noch nie von dem Patienten gehört habe. Trotzdem sei noch einmal ein identischer Brief an sie geschickt worden, woraufhin sie den Fehler erneut der Klinik meldete. Drei Wochen später: Erneut derselbe Brief.

Trotz vehementer Anrufe seien in den folgenden Wochen immer wieder Arztbriefe bei der Psychotherapeutin gelandet, die nicht für sie bestimmt waren - vor allem Entlassungsbriefe nach Behandlungen und Operationen - insgesamt elf Stück. "Man kann eigentlich machen, was man will. Es interessiert die überhaupt gar nicht", wird Rath, die sich an den NDR und den Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar wandte, zitiert. Er lasse den Fall jetzt prüfen.

Menschliches Versagen beim Versenden der Briefe

Der Konzern Asklepios äußerte sein Bedauern. Auf Anfrage des SPIEGEL nannte die Klinik menschliches Versagen als Grund für die falsche Versendung der Briefe: "Nach bisher vorliegenden Erkenntnissen wurde wiederholt versehentlich die falsche Therapeutin aus dem Klinikverzeichnis ausgewählt", teile Asklepios schriftlich mit. Dabei habe es wohl zum Beispiel Verwechslungen aufgrund von Namensähnlichkeiten und Namensgleichheiten gegeben, hieß es weiter. "Es handelt sich hierbei um eine Verwechslung und menschliches Versagen." Eine Rechtsanwaltskanzlei und die Datenschutzbeauftragten der Klinik untersuchten derzeit den Vorfall.

Das Geschilderte scheint kein Einzelfall zu sein. In den vergangenen eineinhalb Jahren meldete Asklepios in Hamburg dem Bericht zufolge 20 Fehlversendungen. Der Konzern nimmt nach Angaben der Datenschutzbehörde jedoch die Meldepflicht solcher Irrtümer sehr ernst, andere Kliniken melden demnach gar nichts.

Asklepios teilte dazu weiter mit: "Der Schutz der Daten unserer Patienten ist uns ein Kernanliegen." Die Therapeutin sei im Klinikverzeichnis gesperrt worden.

Seit Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung im Mai 2018 registrierten Behörden bundesweit rund 850 Datenpannen durch Fehlversendungen von Patientenunterlagen. Sechs Bundesländer konnten demnach keine Zahlen nennen. Die Pannen kommen den Angaben zufolge hauptsächlich durch menschliches Versagen zustande.

kry



insgesamt 24 Beiträge
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flytogether 03.12.2019
1. Im Suchen und Finden von
dämlichen Ausreden ist die Klinik erfolgreich. Das war's dann aber auch schon. Ich würde dieser Institution nicht meine Gesundheit anvertrauen.
Leonia Bavariensis 03.12.2019
2. Falsche Reaktion
Nicht die Therapeutin hätte gesperrt werden sollen, sondern die Bearbeiter bzw. Versender der Patientenbriefe.
c.bartling 03.12.2019
3. Sind über 800 Fälle in anderthalb Jahren viel?
Sicherlich sind es 800 Fälle zu viel und natürlich ist die Dunkelziffer sehr viel höher; sagen wir, um den Faktor 1000. Aber: In dem Zeitraum gab es ca. 33 Millionen stationäre (Krankenhaus und Reha) und über 800 Millionen (sic!) ambulante Behandlungsfälle. Vielleicht ist die Dimension dieses Problems doch nicht so groß, wie die Berichterstattung vermuten lässt.
nebeljacob 03.12.2019
4. Kirche im Dorf lassen..
Das ist doch wirklich eine lächerlich geringe Zahl von Fehlversendungen. Natürlich ist jeder doof und sollte vermieden werden, aber zig Millionen stationär behandelten Patienten welche oft mehrere Briefe mit noch ausstehenden Befunden bekommen....und viele Menschen wissen nicht wie ihre Hausärzte geschrieben werden bzw. deren Adressen...Ich finde es erstaunlich wenig. Da werden sicherlich mehr Briefe falsch zugestellt bei richtiger Anschrift im selben Zeitraum...
tafka2937981 03.12.2019
5. Von Kanonen und Spatzen...
Klar, wenn ich innerhalb von 6 Jahren (!) 11 (!) fehladressierte Briefe erhalte (wohlgemerkt: als Arzt Briefe erhalte, die für einen (anderen) Arzt bestimmt sind), dann wende ich mich nicht nachdrücklich an die Klinikleitung, sondern renne zu NDR und Datenschutzbeauftragtem... ja-nee-isklar
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