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27. März 2019, 17:31 Uhr

Gravierende Behandlungsfehler

Zahnarzt wegen Körperverletzung schuldig gesprochen

Einer Patientin zog er 15 Zähne - darunter zehn gesunde: Wegen radikalen, zum Teil unnötigen Eingriffen hat das Hamburger Amtsgericht einen Arzt zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Das Amtsgericht Hamburg hat einen Zahnarzt zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, dem 55-Jährigen werden gravierende Behandlungsfehler vorgeworfen. Er habe sich in vier Fällen der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht, sagte Richterin Jessica Oeser am Mittwoch.

Den vier Patienten, die fast zehn Jahre nach den Behandlungen noch immer an den Folgen leiden, muss der Angeklagte ein Schmerzensgeld von jeweils 9000 Euro zahlen.

Der Mediziner hatte bei den drei Frauen und einem Mann zwischen März 2009 und November 2010 radikale Eingriffe vorgenommen. Einer heute 58-Jährigen, die an Heiligabend wegen Schmerzen in seine Praxis gekommen war, hatte er gleich am ersten Weihnachtstag unter Vollnarkose 15 Zähne gezogen, darunter zehn gesunde.

Der Zahnarzt soll für den achtstündigen Eingriff in Vollnarkose 18.000 Euro in bar kassiert haben. Die sieben übrigen Zähne entfernte der Mediziner bei einer zweiten OP. Auch bei den drei weiteren Patienten zog er Zähne oder schliff diese ab. Alle Patienten waren laut "NDR" nur wegen Schmerzen zu dem Mann gekommen. Als Behandlungs-Ergebnis versprach der Arzt ihm demnach ein Hollywood-Lächeln.

Nachdem die Vorwürfe bekannt wurden, hatte die Hamburger Zahnärztekammer dem Mediziner die Approbation vorläufig entzogen.

Nicht oder nur unzureichend über die riskanten Eingriffe aufgeklärt

Der Zahnarzt habe die Patienten vor der Behandlung nicht oder nur unzureichend über die riskanten Eingriffe aufgeklärt, sagte der Staatsanwalt. Damit habe er seine besondere Vertrauensstellung als Arzt missbraucht. Die Patienten hätten gravierende Folgen und erhebliche Schmerzen erlitten, auch durch weitere medizinische Fehler.

Eine frühere Assistentin des Angeklagten hatte als Zeugin ausgesagt, die Patientinnen hätten die radikalen Behandlungen unbedingt gewollt, sich aber nicht an Auflagen wie ein Rauchverbot gehalten oder auch Termine zur Nachbehandlung nicht wahrgenommen. Der Staatsanwalt erklärte zu dieser Aussage, die Zahnarzthelferin habe selbst eine fragwürdige Rolle gespielt und lediglich ihr Tun und das ihres früheren Chefs in einem günstigen Licht darstellen wollen.

Mit der Strafe blieb das Gericht nur knapp unter der Forderung des Staatsanwalts, der ein Jahr und acht Monate auf Bewährung beantragt hatte. Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

irb/dpa

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