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17. September 2012, 18:18 Uhr

Hantavirus-Infektionen

Behörden untersuchen deutsche Yosemite-Touristen

Die Gesundheitsbehörden kämpfen gegen den Hantavirus-Ausbruch in den USA: 200 deutsche Gäste des Yosemite-Nationalparks werden jetzt auf eine mögliche Infektion mit den lebensbedrohlichen Erregern untersucht.

Berlin - Es ist ein Erreger, gegen den es keinen Impfstoff gibt - und der in manchen Fällen tödlich sein kann: In den USA sorgt derzeit ein besonders aggressiver Typ des Hantavirus für Alarm bei den Gesundheitsbehörden. 230.000 Besucher des kalifornischen Yosemite-Parks könnten sich mit dem Sin Nombre-Virus infiziert haben - in Deutschland könnten 200 Heimkehrer betroffen sein.

Diese werden nun auf eine mögliche Infektion mit den lebensbedrohlichen Hantaviren untersucht. Wie eine Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI) am Montag in Berlin mitteilte, waren sie in dem Nationalpark auf einem Campingplatz gewesen, seit das Virus dort im Juli das erste Mal aufgetaucht war.

"Natürlich können auch Deutsche betroffen sein", sagte die Institutssprecherin. Die Touristen werden nun von den zuständigen Gesundheitsämtern untersucht. Bisher sei jedoch keine Infektion bekannt geworden. Die Ansteckungsgefahr sei zwar sehr gering, doch die Infektion könne potentiell lebensbedrohlich sein, sagte die Sprecherin. Drei US-Amerikaner sind seit Ende August an dem Erreger gestorben.

Die amerikanische Behörde zur Bekämpfung von Krankheiten Centers for Disease Control and Prevention (CDC) erweiterte eine Warnung auf das gesamte Parkgebiet, nachdem ein erster Infektionsfall außerhalb des Campingplatzes bekannt geworden war. Wie viele Deutsche seit dem ersten Todesfall Ende August insgesamt im Nationalpark unterwegs waren, ist laut RKI unklar.

Gefährlicherer Virustyp

Der Virustyp aus dem Yosemite-Park ist wesentlich lebensbedrohlicher als die Hantaviren, die in Deutschland vorkommen. Das Hantavirus wird über den Kot von Nagetieren, vor allem von Mäusen, verbreitet. Der Mensch nimmt den Erreger über die Atemluft auf. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist allerdings so gut wie ausgeschlossen. Experten zufolge ist nicht zu befürchten, dass sich das kalifornische Virus angesichts der Scharen an Yosemite-Besuchern aus aller Welt über den Globus verbreiten wird.

Betroffene, die sich mit dem Sin Nombre-Virus infiziert haben, entwickeln häufig das sogenannte Hantavirus-induzierte pulmonale Syndrom (HPS). Die Symptome treten in der Regel zwischen ein und sieben Wochen nach der Infektion auf. Als frühe Symptome liegen Müdigkeit, Fieber und Muskelschmerzen fast immer vor. Darüber hinaus kann es zu Kopfschmerzen, Schwindel, Schüttelfrost und Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen kommen. Vier bis zehn Tage nach der ersten Phase der Krankheit können die Symptome des HPS auftreten. Hierzu gehören Husten, Kurzatmigkeit und zunehmende Atembeschwerden. HPS verläuft rasant und kann tödlich sein.

Dem RKI zufolge wurden zwischen 1993 und 2009 in den USA insgesamt 510 HPS-Patienten registriert, 35 Prozent von ihnen starben. Die Fallzahlen schwanken demnach zwischen 11 und 48 pro Jahr.

cib/dpa

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