Deutschland Hantavirus-Infektionen nehmen drastisch zu

Die Zahl der Hantavirus-Fälle ist in den letzten Monaten stark angestiegen. Alleine im Juni und Juli infizierten sich mehr als 1000 Menschen an dem hauptsächlich von Rötelmäusen übertragenen Virus - betroffen ist vor allem Baden-Württemberg. Gefahr droht unter anderem beim Waldspaziergang.
Rötelmaus: Nager können das Hantavirus auf den Menschen übertragen

Rötelmaus: Nager können das Hantavirus auf den Menschen übertragen

Foto: Corbis

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Hantavirus ist in diesem Jahr stark angestiegen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin hat sich die Zahl der Fälle in den Monaten Juni und Juli mehr als verdoppelt. Die Techniker Krankenkasse führt diesen drastischen Anstieg auf milde Temperaturen und ein Überangebot an Nahrung für Rötelmäuse zurück, die das Virus übertragen.

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres waren bundesweit etwa 965 Erkrankungen gemeldet worden, bis Ende Juli stieg die Zahl auf 1985 gemeldete Infektionen an. Mittlerweile sind 2070 Fälle des Hantavirus bekannt, bestätigte eine Sprecherin des Robert Koch-Instituts. Am stärksten betroffen sind Baden-Württemberg mit 1348 gemeldeten Fällen, gefolgt von Bayern mit 282 und Nordrhein-Westfalen mit 142 gemeldeten Fällen.

Hantavirus-Infektionen sind in Deutschland seit Mitte der achtziger Jahre bekannt. Seit 2001 existiert eine Meldepflicht für die Infektionen. Seitdem wurden jährlich im Durchschnitt etwa 500 Fälle gemeldet. Europaweite Statistiken zeigen, dass im Abstand von zwei bis drei Jahren stets mit einem Anstieg der Fälle zu rechnen ist - so auch in Deutschland: Im Jahr 2007 wurden 1688 Fälle, im Jahr 2010 dann 2017 Fälle gemeldet. Im gesamten vergangenen Jahr hingegen waren es nur 305.

Aufpassen beim Waldspaziergang und beim Putz der Gartenlaube

Das Virus wird über den Kot und den Urin wildlebender Nagetiere wie der Rötelmaus, aber auch von Feldmäusen und Brandmäusen übertragen. Um sich vor einer Ansteckung zu schützen , sollte man den Kontakt zu Nagern und deren Ausscheidungen meiden, bei Waldspaziergängen in den betroffenen Regionen nicht durchs Unterholz laufen und auch beim Putzen der Garage oder der Gartenlaube achtsam sein, da sich die Viren im aufgewirbelten Staub befinden können und dann eingeatmet werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet wahrscheinlich nicht statt.

Typische Anzeichen für die Erkrankung sind Rückenschmerzen, stark ansteigendes Fieber oder Blut im Urin. Oft treten auch Sehstörungen auf. Die Erkrankung verläuft meist mild, in Einzelfällen kann es jedoch zu schweren Komplikation mit Nierenversagen kommen. Dann ist eine Behandlung mit Dialyse notwendig. Ist die kritische Phase überstanden, heilt die Krankheit meist ohne weitere Folgen aus.

Um in Zukunft besser vor einem Ausbruch des Hantavirus warnen zu können, arbeiten Forscher des Julius Kühn-Instituts (JKI) momentan an einem Monitoringprogramm, mit dem sich die natürlichen Vorkommen größerer Rötelmaus-Gruppen erfassen lassen. Es ist wahrscheinlich, dass die Zahl der Infektionen beim Menschen mit der Größe der Nagetier-Populationen und ihrer Durchseuchung zusammenhängt. Im letzten Jahr etwa hatten Buchen und Eichen besonders viele Früchte getragen, die Tiere hatten größere Chancen, den Winter zu überleben.

irb/dapd