Alternativmedizin bei Plasberg Von Impfgegnern und Geistheilern

Der Plasberg-Talk über Impfgegner und alternative Heilmethoden war zwar unterhaltsam, aber wenig konstruktiv. Weil Kritik an Impfungen pauschal als Esoterik abgetan wurde, blieben wichtige Fragen offen.
Talk-Runde bei Plasberg: "Das kann hier im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht so stehen bleiben"

Talk-Runde bei Plasberg: "Das kann hier im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht so stehen bleiben"

Foto: WDR/Dirk Borm

Fast schon ein kleiner Themenabend wurde ARD-Zuschauern am Montag geboten: In der Doku "Ich mach dich gesund! Scharlatane und falsche Heiler" von Reinhold Beckmann ging es unter anderem um Therapeuten, die ihren Patienten gefährliche Kombinationen illegaler Drogen verabreichen. Der Moderator hatte auch selbst in Wallraff-Manier ermittelt: Mit versteckter Kamera ließ er sich dabei filmen, wie ihm eine Heilerin ohne Ausbildung den Knöchel verrenkte.

So richtig schockierend war das nicht, aber allemal lustig. Unter dem Motto: "Von Impfgegnern bis zu Geistheilern - alles nur Aberglaube?" wurde anschließend in Frank Plasbergs Talk "Hart aber fair" diskutiert. Von vornherein flog so in denselben Themen-Topf, was dort nur bedingt hineingehört. Das sollte sich auch im Laufe der Sendung nicht ändern.

Dass die Plasberg-Runde zumindest unterhaltsam war, lag vor allem am Mediziner und Unterhaltungstalent Eckart von Hirschhausen. In einer kleinen Showeinlage forderte er das Publikum auf, sich durch gegenseitiges Anfassen fiktiv mit Masern zu infizieren, um anschließend die Funktion der Herdenimmunität zu demonstrieren.

"Bullshit hoch zehn"

Aussagen der geladenen Heilpraktikerin Elisabeth von Wedel waren für ihn "bullshit hoch zehn" und er war kurz davor, in Rage zu geraten. "Das kann hier im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht so stehen bleiben", regte sich Hirschhausen auf. Plasberg musste ihn bitten, "mit Argumenten zu überzeugen", was auch einigermaßen gelang: Was die Masernimpfung betrifft, bot die Sendung einige wichtige Informationen.

Allerdings wurde nicht auch nur ansatzweise geklärt, warum oft gerade solche Eltern Impfungen ablehnen, die gut gebildet und noch dazu besonders um das Wohl ihrer Kinder besorgt sind. Misslingen musste das schon wegen der ungünstigen Vermengung der Themen. So präsentierte der Mediziner und Stern-Journalist Bernhard Albrecht im zweiten Teil der Sendung seine Recherchen zu abstrusen alternativen Krebsheilverfahren.

Und das Lager der Impfkritiker wurde neben besagter Heilpraktikerin mit der Ärztin Cornelia Bajic besetzt: Auch sie bot homöopathische Heilverfahren an, deren Unwissenschaftlichkeit ein Einspieler noch einmal ziemlich deutlich machte. Als weitere Homöopathie-Befürworterin war die ARD-Wettermoderatorin Claudia Kleinert geladen.

Das Problem: Durch die Wahl der Gäste, durch den zweiten Teil der Sendung und im Grunde schon durch den Titel war Impfkritik bereits pauschal in die Nähe der Unwissenschaftlichkeit und des gefährlichen Unsinns gerückt. Nur: Längst nicht jeder, der einzelne Impfungen hinterfragt, ist ein Idiot, der auch glaubt, dass sich mit geschütteltem Wasser Krebs heilen lässt.

Verzerrt wurde die Diskussion zudem dadurch, dass so stark auf die Masernimpfung abgehoben wurde. Deren Nutzen-Risiko-Profil ist tatsächlich sehr überzeugend: Auf Hunderttausende Impfungen kommen einzelne Fälle schwerer Impfschäden, während schwere Verläufe mit lebensgefährlichen Komplikationen deutlich häufiger sind.

Bei Windpocken hingegen sind auch gefährliche Krankheitsverläufe bei Kindern so selten, dass sich ein weniger eindeutiges Verhältnis ergibt. Trotzdem wird die Impfung seit einigen Jahren für Babys empfohlen, daran gab es auch seitens von Medizinern Kritik. Im Einzelfall abzuwägen, muss hier erlaubt sein, aber wie kann es Eltern richtig gelingen? Für ausführliche Beratungsgespräche fehlt Ärzten die Zeit - ein wichtiger Punkt, der in der Sendung nur kurz angerissen wurde.

Begründete Impfkritik sollte ernster genommen werden

Und vielleicht haben die Mediziner auch keine Geduld mit Eltern, die zu viele Fragen stellen. Wer sich aber von seinem Hausarzt mit Bedenken nicht ernst genommen fühlt, wird so vielleicht tatsächlich in die Hände von Esoterikern getrieben, die jede noch so sinnvolle Impfung ablehnen.

In der Runde saß auch Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Was wohl Eltern davon abhalten könne, ihre Kinder zu impfen, wollte Plasberg von ihm gerne wissen. Ihm falle schlichtweg kein Grund dafür ein, sagte Hartmann. Schließlich könne sich doch jeder heutzutage gut informieren.

Doch erst im vergangenen Jahr war Hartmann zwei Krankenkassen in einer Stellungnahme unsachlich angegangen: In einer von unabhängigen Experten erstellten Broschüre hatten sie kritisch über die HPV-Impfung aufklären wollen, die vor Gebärmutterhalskrebs schützen soll. Auch Hartmann wusste um offene Fragen zum Thema, war aber der Meinung, dass die Diskussion "in Fachkreise" gehöre. Eltern, so Hartmann damals, würden dadurch doch bloß verunsichert werden.

Das könnte ein Denkfehler sein: Weniger verunsichert wären viele Eltern dann, wenn auch begründete Kritik an Impfungen in Zukunft ein wenig ernster genommen würde.

Zur Autorin
Foto: Hanna Lenz

Irene Habich studierte Tiermedizin und Journalistik. Sie arbeitet als freie Wissenschaftjournalistin in Berlin und Hamburg.

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