Abfall-Problem Wohin mit abgelaufenen Medikamenten?

Viele Deutsche entsorgen abgelaufene Medikamente falsch. Viel zu oft landen die Arzneien in der Toilette - mit dramatischen Folgen für die Umwelt. Experten erklären, wie man es richtig macht.
Kapseln und Tabletten: Viele Wirkstoffe werden in Kläranlagen nicht vollständig abgebaut

Kapseln und Tabletten: Viele Wirkstoffe werden in Kläranlagen nicht vollständig abgebaut

Foto: Corbis

Im Medikamentenschrank kann sich mit der Zeit einiges ansammeln - und diverse Arzneien laufen ab, ehe sie aufgebraucht sind. Wie entsorgt man diese richtig? Die meisten kommen in den Restmüll, auf keinen Fall sollen Tropfen, Tabletten oder Pflaster in der Toilette landen.

Dass viele Deutsche das nicht genau wissen, zeigte zuletzt eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Umfrage, die das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) durchgeführt hat.

"Knapp der Hälfte der 2000 vom ISOE befragten Deutschen ist überhaupt nicht bekannt, dass allein schon durch die Einnahme von Medikamenten Spurenstoffe in den Wasserkreislauf gelangen", sagt ISOE-Forscher Konrad Götz. Der Körper baut die meisten Wirkstoffe nicht vollständig ab. Über den Urin werden sie direkt oder als Abbauprodukt ausgeschieden und gelangen in Kläranlagen, wo viele Stoffe nicht abgebaut werden können, wie das ISOE berichtet . Diese wandern also weiter in Flüsse und Seen. Über die Klärschlammverwertung in der Landwirtschaft werden die Wirkstoffe auch in die Böden eingebracht.

Fast jeder Zweite kippt Tropfen in Spüle oder Toilette

Aber nicht nur die eingenommenen Medikamente sind problematisch. 47 Prozent der Deutschen entsorgen laut der ISOE-Umfrage flüssige Medikamentenreste, wie man es definitiv nicht tun sollte, nämlich über Spüle oder Toilette. "Damit gehen die Wirkstoffe denselben Weg wie verstoffwechselte Medikamenteninhaltstoffe. Sie gelangen über die Kläranlage in die Flüsse", sagt der Pharmazeut Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) in Nürnberg.

Mehr als 150 Wirkstoffe werden in nahezu allen Gewässern nachgewiesen, ein Großteil davon stammt aus Privathaushalten. "Die falsche Medikamentenentsorgung kann also ein richtiges Umweltproblem verursachen und belastet zunehmend unser Grund- und sogar Trinkwasser", sagt Sörgel. Zwar seien die Wirkstoffmengen für den menschlichen Organismus nicht unbedingt problematisch, aber die Substanzen können der Tier- und Pflanzenwelt gefährlich werden.

Hormonreste der Antibabypille können nachweislich zur Verweiblichung männlicher Fische beitragen. Auch nicht abbaubare Röntgenkontrastmittel und über Jahre stabile Antibiotika wie Chinolone sind im Wasser zu finden. Die Wirkstoffe können sich dort und im Boden im Laufe der Zeit anreichern. Irgendwann ist das Puffersystem des jeweiligen Ökosystems erschöpft.

"Wir müssen da auch an künftige Generationen denken", warnt Sörgel. Richtig machen es laut ISOE nur 15 Prozent der Verbraucher: Sie entsorgen ihre Medikamente über den Restmüll. Dieser wird seit dem 1. Juni 2005 erst verbrannt, bevor die Reste - wenn überhaupt - auf Deponien gelagert werden.

Vor allem starke Wirkstoffe sind problematisch

Bei in der Schmerztherapie eingesetzten Betäubungsmitteln, insbesondere dem starken Opioid Fentanyl, das mitunter in Schmerzpflastern enthalten ist, ist besondere Vorsicht bei der Entsorgung geboten. Laut Europäischer Arzneimittel-Agentur und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind mehrere Kinder ums Leben gekommen, unter anderem, weil Pflaster falsch entsorgt wurden. Im Rote-Hand-Brief  der Herstellerfirmen heißt es, dass gebrauchte Pflaster unbedingt so zusammengefaltet werden sollten, dass die Klebeflächen aufeinander haften. Danach müssten die Pflaster sicher entsorgt werden.

Was bedeutet das in diesem Fall? BfArM-Pressesprecher Maik Pommer: "So schnell wie möglich über den Hausmüll, das heißt, den Restmüll, entsorgen, damit Kinder nicht damit in Berührung kommen können."

Nicht in die Restmülltonne gehören zudem Krebsmedikamente (Zytostatika) sowie bestimmte Hormonpräparate und Virustatika (virushemmende Medikamente).

Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt  sollten Verbraucher Apotheker oder Ärzte um Rat fragen, wie diese Mittel zu entsorgen sind, falls es nicht auf dem Beipackzettel vermerkt ist.

In vielen Städten und Gemeinden gibt es für die Entsorgung von Medikamenten auch "Medi"-Tonnen, Schadstoffsammelstellen und Schadstoffmobile. Apotheken sind rechtlich nicht mehr zur Rücknahme alter Medikamente verpflichtet.

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