Sonnenschutz Erst ist es schön warm - dann kommt der Hautkrebs

In Laken gehüllt und hinter Steine gekauert verbrachte Kolumnist Frederik Jötten seine Urlaube am Strand, um sich vor Hautkrebs zu schützen. Jetzt zeigt sich: Er hat damit sein Risiko für andere Krebsarten erhöht.
Sonnenbad: Sonne ist wichtig für den Körper

Sonnenbad: Sonne ist wichtig für den Körper

Foto: Tobias Hase/ picture alliance / dpa

Jahrelang habe ich reflexartig reagiert, wenn die Sonne raus kam: Kragen hoch, Ärmel runter, Sonnenhut auf - und natürlich Sonnencreme ins Gesicht, möglichst hoher Lichtschutzfaktor. Wegen der Hautkrebsgefahr, vor der die Dermatologen immer warnten. Ich tat wirklich alles, um sie zu minimieren. Am Strand kauerte ich hinter Steinen oder übergewichtigen Freunden - Schatten. Wenn die Sonne am höchsten stand, suchte ich Sonnenschutz in Höhlen. Zugegeben, einmal lief in Italien eine Ratte über meinen Fuß, nicht schön. Ein Bettlaken warf ich mir zur Sicherheit ohnehin über. Ich konnte für mich in Anspruch nehmen, den Beduinenlook nach Europa gebracht zu haben.

Vielleicht könnte es manchmal auch wie eine Art Talar gewirkt haben, denn ich predigte meinen Freunden ständig, dass sie sich vor der Sonne hüten und den Schatten suchen sollten. Wenn sich jemand ungeschützt in die Sonne legte, bereitete mir schon der Anblick Schmerzen. Besonders schlimm war es bei Julia, mit der ich zusammen war. Sie knallte sich bei jeder Gelegenheit mit möglichst wenig Kleidung in die Sonne. Ich wollte sie vor dem Hautkrebs bewahren - schließlich möchte man doch alles böse abhalten von den Menschen, die einem am Herzen liegen, oder? Es gab Diskussionen.

Schließlich ging ich dazu über, Sonnenschutz-Sprays zu benutzen - für mich, aber ich setze mich dicht neben sie und sprühte den Sonnenschutz gegen den Wind. So wurde sie auch benetzt, zumindest ein bisschen. "Oh Mann, was soll das?", fragte sie, mit genervtem Unterton. "Verdammt, ich kann nicht mit ansehen, wie du dich hier am Badesee umbringst." - "Hey, das ist nur die Sonne, halb so schlimm…" - "Ja, erst ist es schön warm und später kommen dann heller und schwarzer Hautkrebs!"

"Du bist paranoid", sagte sie, schloss die Augen und drehte ihr Gesicht in die Sonne.

Vitamin D ist eben auch wichtig

Jahrelang dachte ich, ich sei der Einzige, der die Gefahr richtig einschätzte. Mein Gefühl war auf meiner Seite. Ich mag Wärme und sogar Hitze - aber nicht, wenn die Sonne direkt auf meine Haut knallt. Ich fühle mich dann, als ob ich brenne. Kann natürlich auch sein, dass das an der seit Jahrzehnten eingebläuten Anti-Sonne-Propaganda liegt. Die Wahrheit ist wohl: Ich habe mich gut geschützt vor Hautkrebs - und gleichzeitig erhöhte ich mein Risiko für andere Krebsarten! Ich hatte keine Ahnung, dass ich mir mit der perfekten UV-Abschirmung einen Vitamin-D-Mangel beschere und damit etwa ein höheres Risiko für ein Dickdarmkarzinom.

Jetzt wird es Sommer und ich muss mich entscheiden: Das Risiko für Hautkrebs oder für anderen Krebs erhöhen? Jeden Tag fragte ich mich, was ich machen soll. Sonnencreme oder Sonnenbad? Ich habe mich jetzt entschieden. Bei einem kurzen Spaziergang trage ich keinen Schutz auf. Aber wenn ich lange und stark exponiert bin, wie beim Paddeln oder am Strand, schmiere ich mir Creme mit Lichtschutzfaktor Faktor 20 auf die Haut. Ich weiß nicht, ob Julia mich noch erkennen würde - mein Gesicht ist mittlerweile leicht gebräunt.

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