Hautkrebs durch Solarien Riskante Sonnenbäder

Wie schädlich sind Solariumbesuche wirklich? Einer neuen Studie zufolge erhöhen Sonnenbänke das Risiko für schwarzen Hautkrebs um 20 Prozent. Ärzte warnen, die Gefahr durch Sonnenstudios sei noch höher, als bisher befürchtet.
Model im Solarium: Bei Menschen, die vor 35 ins Solarium gehen, steigt das Risiko noch stärker an

Model im Solarium: Bei Menschen, die vor 35 ins Solarium gehen, steigt das Risiko noch stärker an

Foto: Roberto Pfeil/ ASSOCIATED PRESS

Vielfach stärker als die Mittagssonne am Mittelmeer brennen die Kraftstrotze unter den modernen Sonnenbänken auf die Körper der Bräunungswilligen, die sich im Solarium auf den Sommerurlaub vorbereiten. Mit einer einzigen Zehnminuten-Sitzung ist es dabei häufig nicht getan, schließlich will niemand mit käseweißen Oberschenkeln unangenehm auffallen am Badestrand. Evolutionär gesehen, ist für den menschlichen Körper die Erfahrung des wiederholten Röstens etwas ganz Neues. Unsere Vorfahren mögen sich einen Sonnenbrand geholt haben, sie dürften es aber kaum auf dauerhaft verbrannte Haut angelegt haben.

Wie schädlich das künstliche Sonnenbaden sein kann, belegen neue Berechnungen europäischer Wissenschaftler: Gegenüber Menschen, die in ihrem Leben nie eine Sonnenbank benutzen, erhöht sich das Melanom-Risiko von Solariumsbesuchern um 20 Prozent. Noch drastischer ist demnach der Effekt bei Menschen, die sich vor dem 35. Geburtstag im Solarium bräunen: Für diese Gruppe berechneten die Forscher um Mathieu Boniol vom Lyoner International Research Prevention Institute ein gar um 87 Prozent gesteigertes Risiko. Die Wissenschaftler analysierten für ihre Übersichtsarbeit im "British Medical Journal"  die verfügbaren Forschungsdaten für 18 westeuropäische Staaten, darunter Deutschland.

Die Angaben für das durch Solariumsbesuche steigende Melanom-Risiko beruhen auf berechneten Schätzungen. Die Forscher stützten sich auf Beobachtungsstudien, nicht auf den direkten Vergleich von Sonnenbanknutzern und Menschen, die nie ins Solarium gehen. Allerdings stützen die Ergebnisse von Boniol und seinen Kollegen frühere Studien, die ähnliche Ergebnisse lieferten.

Die Studie im Detail

In absoluten Zahlen ausgedrückt, erscheint das Melanom-Risiko zunächst niedrig: Nach den Berechnungen der Forscher sind von jährlich knapp 64.000 neuen Melanom-Fällen in den untersuchten Staaten knapp 3500 auf den Gebrauch von Sonnenbänken zurückzuführen. Das würde bedeuten, so das Fazit der Forscher, dass jedes Jahr etwa 700 Menschen in diesen Ländern an den Folgen eines Melanoms sterben, weil sie Sonnenstudios nutzten.

Zwar geht es damit nicht - wie etwa beim Brustkrebs - um jährlich Zehntausende Krebstote allein in Deutschland. Doch die nach den Berechnungen durch Solarien verursachten Todesfälle wären nach Meinung der Forscher vermeidbar.

Schlechtes Zeugnis für die Solarienbetreiber

Den Betreibern von Sonnenbänken stellen Boniol und seine Kollegen ein schlechtes Zeugnis aus. Die Industrie tendiere dazu, Informationen zu verbreiten, die keine wissenschaftliche Basis hätten und in der Lage seien, Verbraucher in die Irre zu führen. Die Unternehmen würden behaupten , korrekt betriebenes Bräunen im Sonnenstudio sei sicher, es könne sogar gesundheitliche Vorteile haben. So raten manche Betreiber zum Besuch von Solarien, um einen möglichen Vitamin-D-Mangel dadurch auszugleichen.

Davor aber warnt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ausdrücklich: Die Behörde sieht es nicht als stichhaltig an, dass ein derartiger Mangel, hervorgerufen durch zu wenig Sonne insbesondere im Winter, durch Solarien behoben werden könne. "Die gesundheitlichen Risiken einer Solariennutzung überwiegen", sagt eine Sprecherin des BfS. Sollte ein Patient von seinem Arzt tatsächlich einen Vitamin-D-Mangel attestiert bekommen, helfen nach BfS-Angaben eine ausgeglichene Ernährung und eventuell Vitaminpräparate. Ansonsten reicht außer in den Wintermonaten auch täglich eine Viertelstunde im Freien, am besten mit unbekleideten Armen und Beinen.

Wegen der möglichen Gefahren, die von den in den Solarien auf die Haut einwirkenden UV-Strahlen ausgehen, ist in Deutschland bereits seit 2009 ein Verbot in Kraft, nach dem Kinder und Jugendliche die Sonnenbänke nicht benutzen dürfen. Dagegen hatte eine Minderjährige gemeinsam mit ihren Eltern und einem Solariumsbetreiber geklagt. Doch das Bundesverfassungsgericht wies die Klage 2011 ab . Die Richter verwiesen unter anderem auf das erhöhte Hautkrebsrisiko bei jugendlichen Sonnenbanknutzern, das auch von der aktuellen Studie bestätigt wird.

Zudem gelten seit Anfang 2012 strengere Vorschriften für Solariumsbetreiber, die unter anderem ihr Personal besser schulen müssen und ihre Kunden deutlich über Risiken aufklären sollen. Wobei es aus Sicht des Bundesamts für Strahlenschutz keinen Weg gibt, Sonnenstudios risikolos zu nutzen. Der Rat der Behörde, die sich ansonsten mit Themen wie der Sicherheit von Kernkraftwerken beschäftigt, ist eindeutig: "Von einer Nutzung von Solarien rät das BfS ab."

Auch die Wissenschaftler um Mathieu Boniol wünschen sich eine härtere Gangart gegenüber Solarienbetreibern auf internationaler Ebene. Das Sonnenbaden unter 18 Jahren sollte, so wie es in Deutschland heute bereits gilt, verboten werden.

Für Menschen, die trotz aller Warnungen nicht auf den Besuch im Sonnenstudio verzichten wollen, hat das BfS einen Ratgeber zusammengestellt. Der "Solarium-Check"  nennt die wichtigsten Punkte, die vom Personal über die Kabine bis zu technischen Details am Bräunungsgerät erfüllt sein sollten, damit das Risiko nicht noch weiter steigt.

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