Hautkrebsvorsorge Hosen runter!

Ist der Leberfleck noch normal oder schon Hautkrebs? Kolumnist Frederik Jötten erlebt bei der Vorsorgeuntersuchung eine Überraschung: Er muss dem weiblichen Praxispersonal seine Genitalien präsentieren.

Hautkrebsvorsorge: Regelmäßige Vorsorge kann Schlimmeres verhindern
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Hautkrebsvorsorge: Regelmäßige Vorsorge kann Schlimmeres verhindern


Meine Unterhose hängt in meinen Kniekehlen, ich sitze auf einer Liege - und eine Frau hält mir eine Pistole in den Schritt. Eine Minute vorher hat sie dort mit einem wasserfesten Stift rumgemalt. "Warum tun Sie mir das an? Ich habe mich Frauen gegenüber immer korrekt verhalten!", müsste ich jetzt eigentlich schreien. Aber wie viele Menschen bleibe ich im Angesicht des Schreckens stumm.

Zugegeben, ich werde in diesem Moment nicht Opfer eines feministischen Anschlags, ich bin nicht in einem Alptraum, sondern: bei der Hautkrebsvorsorge! Ich war so leichtsinnig, dem zuzustimmen. Ich hatte noch gefragt: "Auch die Unterhose ausziehen? Ich meine, der Bereich bekommt nicht so viel Sonne ab…" Doch die Hautärztin kannte kein Pardon. "Überall, wo Melanocyten sind, kann der schwarze Hautkrebs entstehen", sagte sie. Das klang nach Tod und Verderben, ich zog sofort auch die Unterhose runter.

"Bitte ein wenig hoch halten"

Die Ärztin richtet eine Lupe auf meinen Schritt - sehr lustig, was? Neben ihr steht die Sprechstundenhilfe mit dieser Kamera, die die Form einer Pistole hat. "Hier bitte etwaige Muttermale markieren, nummerieren, dann fotografieren", sagt die Ärztin, und schon hat die Arzthelferin meine Hoden im Visier. Ich blicke geradeaus, dort hängt ein schönes Foto von Menschen in einer Fußgängerzone, die das tun, was ich auch gerne tun würde - weggehen von hier.

Zum mir sagt die Ärztin: "Bitte ein wenig hoch halten, damit wir die Stelle gut drauf haben." Wie die Damen um mich rumwuseln, während ich meine Genitalien so präsentiere, dass den beiden auch ja kein Millimeter entgeht, muss ich grinsen. An eine absurdere Situation kann ich mich nicht erinnern. Kurz überlege ich, ob ich die Ärztin jetzt anschauen soll - ich entscheide mich dagegen. Von einem Typ angelächelt zu werden, der gerade seine Hoden in der Hand hält, das wünscht sich wirklich niemand. Ich grinse also in Richtung Ecke und hoffe, dass niemand mein Lächeln bemerkt und auch noch denkt, ich hätte Spaß.

Der nächste Termin kommt bestimmt

In der Ecke steht der Monitor, auf dem in Großaufnahme so etwas wie die Oberfläche eines fernen Planeten zu sehen ist - nein, da ist ein schwarzer Kreis, krakelig gezogen mit Filzstift, das muss ein Stück Hodenhaut sein! In der Mitte befindet sich ein brauner Fleck. Das sieht nicht gut aus, nach meinem Empfinden zumindest. Die Arzthelferin schaut recht missmutig auf den Monitor. Wie ich gerade gucke, möchte ich lieber nicht wissen. Ich tippe auf eine Mischung aus zu Tode erschreckt und Todesangst (Hautkrebs!). Die Ärztin sagt dann aber zum Glück nicht: "Da müssen wir mit dem Skalpell ran!" Sondern: "Da muss nichts gemacht werden." Puh, bin ich erleichtert.

Dann entschuldigt sich die Ärztin. "Moment, bin gleich wieder da." Sie reißt die Tür auf - und zwar ganz! Ich hoffe, sehr, dass niemand aus dem Wartezimmer am Ende des Ganges gerade einen Blick in diesen Raum werfen konnte. Fünf Minuten später ist die Ärztin wieder im Raum, ich bin wieder angezogen. Sie betrachtet noch mal die Fotos auf dem Bildschirm. "Kein Grund zur Sorge, kommen Sie in einem Jahr wieder zur Kontrolle", sagt sie. Dieser Termin macht mir jetzt schon Sorgen.

insgesamt 59 Beiträge
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two-wheels 11.09.2013
1. ich dachte..
es geht nicht schlimmer, als das was ich erlebt habe. Meine damalige Hautärztin hat bei einer derartigen Untersuchung auch den Verdacht aufkommen lassen die Vorlesungen übers Patient-Artzt Verhältniss beim Studium geschwänzt zu haben.
DonCabron 11.09.2013
2. Déjà-vu
Witzig, hatte erst vor wenigen Wochen fast dieselbe Situation. Bei mir kam noch hinzu, dass ich mich bücken musste und die Hautärztin mich aufforderte, die Po-Falte zu heben. Geistesabwesend spreizte ich daraufhin die Backen... Es dauerte ein paar Sekunden, bis mir dämmerte, was ich gerade getan hatte.
Na Sigoreng 11.09.2013
3. Sie hatten Glück !
Mich hat ein bekannter Neusser Hautarzt aus der Praxis geworfen, weil er die Hautkrebsvorsorge nicht als Kassenleistung durführen wollte. Als ich ihn darauf hingewiesen habe, daß er das gesetzlich machen müsse, meinte er, daß es ihm egal sei, was seine Kollegen machen würden, er würde das nicht machen. Ich solle mich bitteschön bei der Kassenärztlichen Vereinigung darüber beschweren, ich wäre nicht der erste und das würde sowieso nichts bringen. Daraufhin habe ich mich an die Barmer GEK gewandt, den Fall geschildert und die meinten ich müsse alles schriftlich formulieren, damit man sich an die Kassenärztliche Vereinigung wenden könne. Das habe ich alles gemacht - das Resultat war, wie es der Arzt gesagt hat: keines ! Insofern zeige ich gerne jeder Frau meine Genitalien, für eine Hautkrebsvorsorge ! ;-)
meinmein 11.09.2013
4.
Zitat von sysopDPAIst der Leberfleck noch normal oder schon Hautkrebs? Kolumnist Frederik Jötten erlebt bei der Vorsorgeuntersuchung eine Überraschung: Er muss dem weiblichen Praxispersonal seine Genitalien präsentieren. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/hautkrebsvorsorge-beim-arzt-habe-ich-auffaellige-leberflecken-a-921522.html
Als Mann sollte man sich sowieso überlegen, ob eine Ärztin richtig für einen ist, nicht nur in den Bereichen Derma- und Urologie. Oftmals haben weibliche Ärzte Schwierigkeiten, bei männlichen Patienten Empathie zu zeigen. Und es gibt mehr Frauen, die alle Männer hassen, als man denkt.
Sotho 11.09.2013
5. Peinlich?
Was ist daran peinlich oder unangenehm, wenn eine Ärztin einen im Intimbereich so genau untersucht. Selbst wenn die Sprechstundenhilfe daneben steht. Lächeln brauchte ich dabei auch nicht. Meine Hausärztin hat schon jedes Körperteil berührt. Es stört mich nicht, wenn eine sehr junge Arzthelferin dabei ist. Normal ist das aber nicht. Bei jeder sehr intimen Untersuchung mussten die jungen Frauen den Raum verlassen. Ich finde es aber überhaupt nicht peinlich. Wenn die Mädels ein Problem damit haben, dann haben sie den falschen Beruf gewählt
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