Hepatitis Stille Infektion mit schwerwiegenden Folgen

Manche sind harmlos, andere unverstanden, einige können tödlich sein: Hepatitis-Viren unterscheiden sich stark voneinander und lösen verschiedene Erkrankungen aus. Es drohen Leberzirrhose und Leberkrebs.

Hepatitis-B-Viren: Alle Hepatitis-Arten greifen die Leberzellen an
DPA/ somersault18:24

Hepatitis-B-Viren: Alle Hepatitis-Arten greifen die Leberzellen an


Es gibt fünf Hepatitis-Virustypen. Gemeinsam ist allen das Angriffsziel: die Leberzellen, die sie für die eigene Vermehrung nutzen. Das Immunsystem kann die Viren nur bekämpfen, indem es infizierte Zellen zerstört. Es kommt zur Leberentzündung, der Hepatitis. Während Hepatitis A und E als weniger gefährlich gelten, sind Infektionen mit den Virustypen B, C und D kritisch.

Hepatitis A

Gegen das Hepatitis-A-Virus kann man sich impfen lassen. Das ist ratsam bei Reisen in die Türkei, nach Tunesien, Marokko, Süditalien sowie Ägypten und Länder in Süd- und Mittelamerika sowie Asien. Das Hepatitis A-Virus scheiden infizierte Menschen mit dem Stuhl aus. Über ungewaschene Hände oder verunreinigtes Trinkwasser und Nahrung wird das Virus übertragen. Auch das Schwimmen in verschmutzten Gewässern ist riskant. Krankheitssymptome treten etwa 15 bis 50 Tage nach dem Viruskontakt auf. Unspezifische Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme, Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Ekel vor fetten Speisen und Übelkeit erschweren die Diagnose. Nur etwa die Hälfte der Infizierten entwickelt die charakteristische Gelbsucht. Die vergrößerte Leber führt zu Druckschmerz im rechten Oberbauch. Es gibt keine spezielle Therapie. Wichtig ist, dass die Leber geschont wird. Ein Klinikaufenthalt ist in der Regel nur bei einem starken Anstieg der Leberwerte nötig. Normalerweise heilt die Erkrankung aus und hinterlässt keine Schäden. Vor allem bei älteren Menschen kann die Infektion tödlich verlaufen.

Hepatitis E

Das Hepatitis E-Virus ist in Südostasien, China, Afrika sowie Mittel- und Südamerika verbreitet. Verunreinigtes Trinkwasser oder Nahrungsmittel sind die Infektionsquelle. In den letzten Jahren haben die Fälle von Hepatitis E in Deutschland zugenommen. Wild, vor allem Wildschein, Innereien und Fisch gelten als risikoreich. Zwischen Viruskontakt und Krankheitsausbruch vergehen in der Regel 20 bis 50 Tage. Das Krankheitsbild ähnelt im Allgemeinen dem von Hepatitis-A-Viren ausgelösten. Für Schwangere und abwehrgeschwächte Menschen kann eine Hepatitis-E-Infektion jedoch lebensgefährlich werden. Spezielle Medikamente gibt es auch gegen die Hepatitis-E-Viren nicht.

Hepatitis B

Das Hepatitis-B-Virus ist sehr ansteckend. Es wird ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragen, durch Blut, Speichel und Vaginalsekret. Bei der Geburt können infizierte Mütter ihre Neugeborenen anstecken. Zwischen Infektion und Krankheitsausbruch vergehen ein bis sechs Monate. Grippeähnliche Symptome sind häufig, die typische Gelbsucht hat nur ein Drittel der Patienten. Bei Erwachsenen heilt die Krankheit in bis zu 95 Prozent der Fälle innerhalb von drei Monaten von alleine aus. Nur in schweren Fällen ist eine medikamentöse Behandlung sinnvoll. Von einer chronischen Virushepatitis spricht man, wenn die Infektion nach sechs Monaten noch nicht ausgeheilt ist. Welchen Verlauf die chronische Leberentzündung nimmt, ist schwer vorherzusagen. In 20 bis 30 Prozent der Fälle entwickelt sich eine Leberzirrhose, die eine medikamentöse Behandlung nötig macht. Lebenslang müssen dann Medikamente eingenommen werden, weil das genetische Material des Virus in das der Leberzellen eingebaut wird. Gegen das Hepatitis-B-Virus gibt es eine vorbeugende Impfung, die bis zu 95 Prozent der Geimpften für rund zehn Jahre schützt.

Hepatitis C

Das Hepatitis-C-Virus wird vor allem durch Blut und Blutprodukte übertragen. Bei fünf Prozent der neu infizierten Menschen treten zwei Wochen bis sechs Monate nach der Ansteckung Gelbsucht, Übelkeit, Bauch- oder Gliederschmerzen auf, dazu kommen häufig Müdigkeit und Konzentrationsmangel. 95 Prozent der Infizierten haben dagegen keine Beschwerden. Es gibt keine direkte Beziehung zwischen Infektion und erhöhten Leberwerten. In vier von fünf Fällen kann die Virusinfektion durch eine frühzeitige Therapie geheilt werden. Die Hepatitis-C-Viren können im Gegensatz zu den B-Viren auch wieder vollständig aus dem Körper entfernt werden, allerdings ist das Risiko einer chronischen Infektion wesentlich größer. 50 bis 80 Prozent der Infizierten entwickeln eine chronische Leberentzündung, bei der die Leber über Jahrzehnte vernarbt bis zur Zirrhose. Das Risiko für Leberzellkrebs beträgt etwa vier Prozent.

Hepatitis D

Nur mit Hepatitis-B-Virus infizierte Patienten können sich auch mit dem Hepatitis-D-Virus anstecken. Eine kombinierte Infektion verläuft meist schwerer als eine alleinige Hepatitis-B-Infektion, das Risiko für Leberzirrhose und Leberkrebs steigen. Zwischen Ansteckung und dem Auftreten von Symptomen vergehen etwa ein bis sechs Monate. Die ersten Anzeichen einer Infektion sind häufig Müdigkeit, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Fieber, Gewichtsverlust sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden. Typische Symptome einer Gelbsucht, wie Gelbfärbung von Haut und Augenweiß, lehmfarbener Stuhl und dunkler Urin, sind möglich. Die Therapiemöglichkeiten sind eingeschränkt, Medikamente schlagen nur bei etwa einem Viertel der Patienten an.

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