Großbritannien Ungewöhnliche Häufung von Hepatitis-Fällen bei Kindern

Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörde erkranken dort derzeit ungewöhnlich viele Kinder an einer Entzündung der Leber. Bei einigen wurden Adenoviren, bei anderen das Coronavirus nachgewiesen – keines der Kinder war geimpft.
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In Großbritannien beobachten Fachleute derzeit eine ungewöhnliche Häufung von akuten Hepatitis-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahre. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörde werden 74 Fälle seit Januar untersucht, bei denen eine Entzündung der Leber festgestellt wurde, aber keine Hepatitis-Viren gefunden wurden, die diese Erkrankung typischerweise verursachen. Auch die europäische Gesundheitsbehörde ECDC informierte  über die Entwicklung und rief Ärztinnen und Ärzte in der EU auf, ähnliche Fälle an die Gesundheitsämter zu melden.

Symptome können unter anderem Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen, eine Gelbfärbung der Haut und Fieber sein. Häufig wird eine akute Hepatitis durch die Hepatitis-Viren A, B, C, D oder E verursacht, aber auch Infektionen mit anderen Viren können zu der Erkrankung führen. Auch Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch können die Ursache sein. Bei Kindern ist eine akute Hepatitis nach Angaben von Experten eher selten.

Ursache unklar

Einige der in Großbritannien erkrankten Kinder entwickelten nach Angaben der ECDC ein akutes Leberversagen und mussten in speziellen Abteilungen für leberkranke Kinder behandelt werden. Bei einer kleinen Anzahl sei eine Lebertransplantation durchgeführt worden.

Die Ursache für die Erkrankungen sei derweil noch unklar. Bei manchen Kindern sei das Coronavirus nachgewiesen worden, bei anderen Adenoviren. Es gebe derzeit jedoch keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen den Hepatitis-Fällen und den Infektionen. Gegen das Coronavirus war nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörde keines der Kinder geimpft.

Meera Chand von der britischen Gesundheitsbehörde  sagte, derzeit würden einige mögliche Ursachen für die Hepatitis-Erkrankungen der Kinder untersucht, darunter auch Infektionen mit Adenoviren. Diese Viren können verschiedene Symptome hervorrufen, unter anderem auch typische Erkältungszeichen. Eine Entzündung der Leber ist dabei eine bekannte, aber seltene Komplikation.

Zusammenhang mit Corona nicht sehr plausibel

Der Kindergastroenterologe und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin , Burkhard Rodeck, hält einen Zusammenhang mit dem Coronavirus zwar für theoretisch denkbar, aber nicht für sehr plausibel. Die bei den Kindern durchgeführten Coronatests hätten dann überzufällig häufig positiv ausfallen müssen. »Wir sind nun seit einiger Zeit in dieser Pandemie, derartige Hepatitis-Fälle wären früher schon einmal aufgefallen«, sagt er. Wahrscheinlicher sei, dass mit den Lockerungen in Großbritannien Kinder und Jugendliche auf einmal vielen Keimen ausgesetzt seien, mit denen sie zuvor aufgrund diverser Schutzmaßnahmen nicht in dieser Fülle in Kontakt gekommen waren und die Hepatitis-Fälle auf solche Infektionen zurückgehen. Die Fallzahlen aus Großbritannien würden ihn nicht unbedingt beunruhigen, aber aufmerksam werden lassen. »Entsprechende Beobachtungen in Deutschland sind bislang noch nicht bekannt, aber wir untersuchen das weiter. Das müssen wir ernst nehmen«, sagt Rodeck.

mar
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