Bundesweiter Bericht Deutschlands kranke Herzen

Herzleiden zählen zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Ein aktueller Bericht verrät, in welchem Bundesland die meisten Menschen an den Krankheiten sterben - und wo die wenigsten.

Fast jeder vierte Todesfall in Deutschland geht auf ein krankes Herz zurück. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Bericht der Deutschen Herzstiftung . An Herzerkrankungen starben 2014 demnach etwas 208.000 Bürger, die meisten von ihnen waren Frauen. koronare Herzkrankheiten, Herzklappenkrankheiten, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und angeborene Fehlbildungen kosteten den Daten zufolge 97.000 Männern und 111.000 Frauen das Leben.

Der Wert liegt mit 0,3 Prozentpunkten leicht unter der Todesrate von 2013. Besonders deutlich abgenommen hat die Zahl der Toten in Folge von koronaren Herzkrankheiten, zu denen auch Herzinfarkte zählen. Dabei beeinträchtigen Ablagerungen in den Gefäßen die Sauerstoffversorgung des Herzens. Die Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in den Industriestaaten - auch in Deutschland.

2014 starben 121.000 Bundesbürger an koronaren Herzkrankheiten, 7000 weniger als 2013. Entscheidend hat dazu beigetragen, dass es weniger Herzinfarkttote gab. Von 2013 auf 2014 sankt die Zahl von gut 52.000 auf gut 48.000. Wie viele Menschen in Ihrem Bundesland an einem Herzinfarkt erkranken - und wie viele sterben, zeigt die Karte. Wie Sie einen Herzinfarkt erkennen können, lesen Sie hier .

In Berlin gibt's die wenigsten Herztoten, in Sachsen-Anhalt die meisten

Auch, wenn man die anderen untersuchten Herzerkrankungen einbezieht, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. In den Stadtstaaten Berlin und Hamburg sterben die wenigsten Menschen an koronaren Herzkrankheiten, Herzinsuffizienz (auch bekannt als Herzschwäche), Herzrhythmusstörungen und Herzklappenkrankheiten. In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ist der Wert am höchsten.

Zudem bekommen in Sachsen-Anhalt und Thüringen auch überdurchschnittlich viele Menschen Herzkrankheiten. Die wenigsten müssen in Bremen und Baden-Württemberg wegen der Leiden im Krankenhaus behandelt werden.

"In den Bundesländern, wo Herzkrankheiten verbreitet sind, haben auch mehr Menschen Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes", sagt Hugo Katus von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Wahrscheinlich seien also die Lebensgewohnheiten, etwa der Ernährungsstil, und ein unterschiedlich stark ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein für die Unterschiede mitverantwortlich.

Denkbar sei zudem, dass die Krankenhausdichte die Überlebenschancen erhöht. Das passt zur Statistik: Während in den Großstädten mit niedriger Todesrate wie Hamburg und Berlin medizinische Hilfe in der Regel schnell zur Stelle ist, dauert es in ländlichen oder strukturell schwächeren Regionen mitunter länger. Gerade bei akuten Herzbeschwerden ist schnelles Handeln jedoch entscheidend.

Frauen sterben häufiger an Herzleiden

Das Risiko an einem Herzleiden zu sterben unterscheidet sich jedoch nicht nur von Bundesland zu Bundesland - es ist auch eine Geschlechterfrage. Frauen sind dabei im Nachteil.

Zwar werden sie deutlich seltener wegen Herzerkrankungen behandelt: 2015 waren es durchschnittlich 1694 unter 100.000, die Quote bei den Männern lag bei 2397. Das ist in dem Fall aber kein gutes Zeichen, wie die Todesstatistik verrät. Es sterben mehr Frauen an Herzleiden als Männer.

"Eine schlüssige Erklärung für die Unterschiede gibt es nicht", sagt Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Laut Statistik sterben Frauen vor allem häufiger an Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und Herzklappenerkrankungen.

Dabei könnten anatomische Unterschiede eine Rolle spielen. Frauen hätten etwa kleiner Gefäße, so Meinertz. Das allein reiche aber als Erklärung nicht aus. Auffällig ist etwa, dass im Fall der Herzschwäche sogar ungefähr gleich viele Männer und Frauen im Krankenhaus behandelt werden. Die Todesrate ist bei den Frauen trotzdem deutlich höher.

"Frauen haben in diesem Fall offensichtlich eine ungünstigere Prognose als männliche Patienten", so Meinertz. Es müsse geklärt werden, ob es Engpässe in der medizinischen Versorgung von Herzpatientinnen gibt.

Mehr Herzschwäche-Fälle werden im Krankenhaus behandelt

Immerhin: 2015 hat die Zahl der Menschen, die mit Herzschwäche im Krankenhaus behandelt wurden, zugenommen. Ob insgesamt mehr Menschen erkrankten als 2014 oder auch mehr Frauen behandelt wurden, geht aus dem Bericht allerdings nicht hervor.

Gestiegen ist auch die Zahl der Behandelten mit Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und Herzklappenkrankheiten. Seltener dokumentieren Krankenhäuser dagegen Fälle mit koronaren Herzkrankheiten und angeborenen Fehlbildungen.

Der Deutsche Herzbericht 2016 wird von der Deutschen Herzstiftung in Zusammenarbeit mit den ärztlichen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), Herzchirurgie (DGTHG) und Kinderkardiologie (DGPK) herausgegeben.

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