Europaweite Studie Frauen sterben häufiger an Herzkrankheiten als Männer

In Europa sterben immer weniger Menschen an den Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen - dennoch bleiben die Krankheiten die häufigste Todesursache. Besonders oft betroffen sind Frauen und Osteuropäer.
EKG-Zeichen eines Infarktes: Die Gefahr, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, ist in Europa höchst ungleich verteilt

EKG-Zeichen eines Infarktes: Die Gefahr, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, ist in Europa höchst ungleich verteilt

Foto: Corbis

Herzinfarkt und Schlaganfall gehören zu den häufigsten Todesursachen in Europa. Allerdings ist das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, in Europa sehr ungleich verteilt, zeigt eine im "European Heart Journal"  veröffentlichte Studie.

Nicholas Townsend, der ein Forschungsprogramm der britischen Herzstiftung an der Universität Oxford leitet, hat gemeinsam mit Kollegen offizielle Daten aus 53 Ländern ausgewertet, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur europäischen Region zählt. Darunter sind auch einige asiatische Länder.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen kosten in dieser Region demnach mehr als vier Millionen Menschen pro Jahr das Leben und sind mit 45 Prozent die häufigste Todesursache überhaupt. Alte Menschen trifft es öfter als jüngere. Dennoch sterben pro Jahr auch 700.000 Menschen unter 65 Jahren an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Besonders viele Menschen sterben in osteuropäischen Ländern etwa an Herzinfarkten und Schlaganfällen. In diesen Ländern ist auch deshalb die Lebenserwartung insgesamt niedriger, schreiben die Autoren um Townsend.

Frauen besonders häufig betroffen

"Statistisch gesehen sterben mehr Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Männer, allerdings eher in höherem Alter", erklärte Townsend. Laut Studie sind es in dem untersuchten Gebiet 1,8 Millionen Männer und 2,2 Millionen Frauen pro Jahr. Der Deutsche Herzbericht 2014  war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen: Demnach sterben - mit Ausnahme von Herzinfarkten - in Deutschland deutlich mehr Frauen als Männer an Herzleiden wie etwa Vorhofflimmern.

Es könne sein, dass Frauen zu spät zum Arzt gingen, erläuterte damals Thomas Meinertz von der Deutschen Herzstiftung. Experten verwiesen auch auf die feineren Gefäße von Frauen, die Operationen und die Medikamentendosierung erschwerten. Denn Studien würden hauptsächlich an Männern gemacht.

Schere zwischen Ost und West

Besonders gut sind die Quoten für Frauen in acht Ländern, wo auf 100.000 Frauen weniger als 250 Todesfälle kommen: Frankreich, Spanien, Dänemark, die Niederlande, Norwegen, die Schweiz, Großbritannien und Israel. Deutschland steht mit 362 Fällen auf 100.000 Frauen im Vergleich auch recht gut da.

In sechs Ländern sterben dagegen mehr als 1000 von 100.000 Frauen an Herz-Kreislauf-Problemen: Mazedonien, die Ukraine, Moldawien, Kirgistan, Usbekistan und Turkmenistan - allerdings lagen den Wissenschaftlern aus den letzten beiden Ländern nur Daten aus den Jahren 2005 beziehungsweise 1998 vor.

Bei den Männern sieht es ähnlich aus. In Israel, Frankreich und Spanien kommen auf 100.000 Männer weniger als 300 Todesfälle, in der Ukraine und in Turkmenistan sind es mehr als 1500. In Deutschland sind es 477,2 Fälle. Auch bei diesen Zahlen räumten die Wissenschaftler allerdings Probleme mit der Vergleichbarkeit der Daten ein, da zum Beispiel die Daten für Israel aus dem Jahr 2012 stammen, die für Frankreich aus 2011 und für Deutschland aus 2013.

In Europa nehme die Sterblichkeit insgesamt wegen der besseren Behandlungsmethoden beständig ab, erklärt Townsend. Die Zunahme von Risikofaktoren wie Übergewicht und Diabetes könne dieser Verbesserung aber entgegenwirken. Der Trend zu einer höheren Lebenserwartung wurde bei der Auswertung berücksichtigt.

"Das wichtigste Problem mit der alternden Bevölkerung wird wohl sein, dass wir mehr Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen am Leben halten und das eine größere Belastung für die Gesundheitssysteme bedeutet", so Townsend.

jme/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.