Herzinfarkt Viele Frauen holen zu spät Hilfe

Nur noch schnell was erledigen: Viele Frauen lassen sich erst spät helfen, wenn sie einen Herzinfarkt erleiden. Das liegt auch daran, dass die Beschwerden bei ihnen oft anders ausfallen als bei Männern.

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Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt rufen Frauen zwar für ihren Partner schnell einen Notarzt - bei eigenen Herzproblemen aber sind sie deutlich zögerlicher. Zu diesem Ergebnis kommen polnische Forscher, die zwei Studien zu dem Thema auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Málaga vorgestellt haben.

Vor allem junge Frauen würden trotz Beschwerden oft Verpflichtungen voranstellen. "Wir hören immer wieder, dass diese Verantwortlichkeiten Frauen davon abhalten, rechtzeitig einen Krankenwagen zu rufen", sagte Marius Gasior vom Polnischen Register für Akute Koronarsyndrom laut einer ESC-Mitteilung. In die Analysen flossen Werte von 7582 Patienten mit einer besonders schweren Herzinfarkt-Form ein.

Die Deutsche Herzstiftung kann dieses Problem bestätigen, allerdings bezogen auf eine andere Altersgruppe. Ihren Erkenntnissen zufolge dauert es vor allem bei älteren Frauen im Schnitt länger, bis sie nach einem Herzinfarkt in der Notaufnahme sind. So vergingen bei über 65-jährigen Frauen bis zu viereinhalb Stunden, bei über 65-jährigen Männern seien es rund dreieinhalb Stunden, heißt es mit Verweis auf eine ältere Untersuchung.

Andere Beschwerden als bei Männern

Die verzögerte Betreuung sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass ältere Frauen oft alleine leben und im Notfall niemanden haben, der Hilfe holt, berichtet die Deutsche Herzstiftung. Außerdem erkennen betroffene Frauen wegen nicht eindeutiger Symptome häufig nicht, dass sie einen Herzinfarkt haben.

Starke Schmerzen im Brustkorb und im linken Arm gelten als bekannteste Anzeichen eines Herzinfarkts. Bei Älteren und vor allem bei Frauen kann es allerdings passieren, dass dieser sogenannte Vernichtungsschmerz nicht mehr oder nur stark reduziert auftritt. Sie empfinden eher ein Druck- oder Engegefühl in der Brust verbunden mit Schmerzen im Bauch, oft kombiniert mit Übelkeit und Erbrechen.

Gerade Frauen sollten deshalb auch bei solchen unspezifischen Symptomen die 112 wählen, rät die Deutsche Herzstiftung. Die untypischen Beschwerden führen zudem dazu, dass Ärzte die Ursache mitunter fehldeuten. Statt auf Herzprobleme tippen sie irrtümlich auf Rücken-, Magen- oder Gallenprobleme. Patientinnen kommen deshalb oft später auf die Intensivstation, wertvolle Zeit bis zum Beginn der Therapie vergeht.

Auch der polnischen Studie zufolge trug das medizinische Personal zu Verzögerungen bei. "EKG-Ergebnisse für jüngere Frauen wurden seltener an das Herzinfarktzentrum geschickt, was zur Beschleunigung der Behandlung empfohlen wird", sagte Gasior.

irb/dpa



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