Herzmuskelentzündung Hauptsache entspannt bleiben

Bloß keinen Sport treiben, sich schonen, es ganz langsam angehen lassen - das empfehlen Ärzte selten. Bei einer Herzmuskelentzündung ist dies jedoch der wichtigste Rat. Sonst drohen dauerhafte Schäden.
Keine Sorge, Sie dürfen auch auf Ihrem Sofa zu Hause entspannen

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Foto: A2800 epa Everett Kennedy Brown/ dpa

Eine Magen-Darm-Grippe oder eine Erkältung ist für viele lästig, wird aber letztendlich als banal abgetan. Im Prinzip stimmt das auch- mit einer Einschränkung: Der Infekt muss vollständig ausheilen, ehe man sich wieder körperlich stark belastet. Sonst besteht die Gefahr, dass die Erreger auf das Herz übergreifen und eine Herzmuskelentzündung auslösen, auch Myokarditis genannt.

"Besonders gefährdet sind Sportler, die ihr Training wieder aufnehmen, obwohl der Infekt noch nicht richtig auskuriert ist", sagt Volker Schächinger. Er ist Direktor der Medizinischen Klinik I für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Herz-Thorax-Zentrum des Klinikums Fulda. Durch einen Infekt ist das Herz empfänglich für eine Ausweitung der Krankheitserreger von den Atemwegen oder vom Darm auf die Herzmuskelzellen. Wird das Herz in dieser empfindlichen Phase mit körperlichen Aktivitäten belastet, droht eine Entzündung des Herzmuskels.

Meist sind Viren die Auslöser

"In den westlichen Industrieländern wird die Herzmuskelentzündung meist durch Viren verursacht", sagt Ingrid Kindermann. Sie ist Kardiologin am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar. In selteneren Fällen kann sie aber auch durch Bakterien, Parasiten, Medikamente oder Drogen wie etwa Kokain ausgelöst werden.

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Ist der Herzmuskel entzündet, schränkt das seine Pumpkraft ein, die Folge ist eine Herzschwäche. Der Blutfluss durch den Körper verlangsamt sich, die Organe werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. "Schlimmstenfalls kann das zu Herzversagen durch Kammerflimmern und damit zum Tod führen", sagt Stefan-Martin Brand. Er ist Direktor des Instituts für Sportmedizin am Universitätsklinikum Münster.

Die Herzmuskelerkrankung kann auch chronisch werden. Das heißt, die Entzündung besteht weiter, das Herz verliert massiv an Pumpkraft, obwohl die Viren längst nicht mehr im Körper sind. Das kann unbehandelt auf kurz oder lang ebenfalls zur Herzschwäche oder gar zum plötzlichen Herztod führen.

Keine auffälligen Symptome

Das Tückische an der Entzündung: Es gibt keine spezifischen Beschwerden einer Myokarditis. "Betroffene haben in aller Regel die gleichen Symptome, die auch bei Infekten vorkommen", sagt Schächinger, der auch Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung ist. Das sind etwa Abgeschlagenheit oder Gliederschmerzen.

"Insofern ist die Gefahr groß, dass ein Betroffener erst gar nicht zum Kardiologen geht und die Herzmuskelentzündung somit unerkannt bleibt", fügt Brand hinzu. Alle Alarmglocken sollten schrillen, wenn jemand neben Grippesymptomen zusätzlich über Atemnot, Brustschmerzen oder Herzrhythmusstörungen klagt. In solchen Fällen besteht Verdacht auf Myokarditis. An einem Arztbesuch führt dann kein Weg vorbei.

Um Hinweise auf eine Herzmuskelentzündung zu finden oder sie auszuschließen, machen Ärzte bei dem Patienten ein Elektrokardiogramm (EKG). Zeigen sich Veränderungen in der Herzkurve oder viele Extra-Herzschläge, können das Hinweise auf die Erkrankung sein.

Neben dem EKG erfolgen weitere Untersuchungen. Dazu gehört eine Blutuntersuchung, bei der neben allgemeinen Entzündungswerten auch spezielle Laborparameter beachtet werden, die auf eine Schädigung des Herzmuskels deuten. Per Herzultraschall, der sogenannten Echokardiographie, lässt sich zudem feststellen, ob das Herz bereits eine Pumpschwäche zeigt.

Verordnete Trainingspause

"Stellt der Arzt schließlich die Diagnose einer virusbedingten Herzmuskelentzündung, ist für den Patienten in erster Linie körperliche Schonung angesagt", sagt Kindermann. Ansonsten besteht die Gefahr von lebenslangen Schäden am Herzmuskel, aber auch an den Herzklappen.

Im Gegensatz zu einer durch Bakterien verursachten Myokarditis werden bei einer virusbedingten Herzmuskelentzündung keine Medikamente verabreicht. "Sportler dürfen etwa sechs Monate lang nicht trainieren", erklärt Schächinger. Ihr volles Tagesprogramm sollten Betroffene erst nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt wieder aufnehmen.

In seltenen Fällen ist das Herz durch Myokarditis derart geschwächt, dass es kaum noch seine Funktion wahrnehmen kann. "Dann kann es zu einer Herztransplantation kommen", berichtet Brand.

Alkohol sollten Patienten mit einer Myokarditis meiden, da er den Herzmuskel schädigen kann. Wird die Myokarditis rechtzeitig erkannt und hält sich der Betroffene an die ärztlichen Anweisungen, bestehen gute Aussichten, dass die Erkrankung ohne Folgen ausheilt. "Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass ein Patient, der einmal eine Herzmuskelentzündung hatte, ein erhöhtes Risiko hat, erneut daran zu erkranken", sagt Schächinger.

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wbr/Sabine Meuter, dpa
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