Nach Ansteckung in der Familie Masern-Infizierter in Niedersachsen gestorben

In Niedersachsen ist ein Erwachsener gestorben, der an Masern erkrankt war. Ärzte untersuchen jetzt, warum die Krankheit so schnell und schwer verlief.

Das Masernvirus
Cynthia Goldsmith/ Centers for Disease Control and Prevention/ DPA

Das Masernvirus


Ein an Masern erkrankter Erwachsener ist in Niedersachsen gestorben. Die Infektion habe maßgeblich zum Tod beigetragen. Ob sie aber tatsächlich die Ursache gewesen sei, werde erst in einigen Wochen feststehen, sagte eine Sprecherin des Kreises Hildesheim am Dienstag. Weder zum genauen Alter noch zum Geschlecht des Toten machte die Sprecherin Angaben.

In der Familie des Todesopfers habe es vorher einen Masernfall gegeben, hieß es vom Kreis. Weil die Person nicht geimpft war, habe sie sich acht Tage vor ihrem Tod immunisieren lassen. Die Impfung habe die Erkrankung allerdings nicht mehr verhindern können. "Warum es bei dieser Person zu einem derartig schnellen und schweren Verlauf der Krankheit kam, ist noch nicht abschließend geklärt", heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises Hildesheim.

Zu wenig Geimpfte

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es in Deutschland 2016 zwei erfasste Masern-Todesfälle, bei einem handelte es sich um ein sechsjähriges Mädchen. Es war an der chronischen Masern-Gehirnentzündung SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis)erkrankt; die Krankheit ist eine mögliche Spätfolge einer Maserninfektion und verläuft immer tödlich. 2015 seien drei Menschen gestorben, in dem Jahr hatte es einen großen Masernausbruch in Berlin gegeben.

In der Hauptstadt zeigte sich, wie schnell und punktuell sich Maserninfektionen ausbreiten können. Die Krankheitszahl lag Mitte März 2015 bereits bei 699 - es war der größte deutschlandweite Ausbruch der vergangenen zehn Jahre. Im März dieses Jahres hatten Ärzte in Berlin nur sieben Masernfälle dokumentiert.

Eigentlich hatte sich Deutschland in Absprache mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ziel gesetzt, die Masern bis 2015 auszurotten. Dafür müssten mindestens 95 Prozent der Menschen zweimal gegen den Erreger geimpft sein. Bei den Kindern, die 2016 in Deutschland eingeschult wurden, hatten zwar 97,1 Prozent die erste Impfung erhalten. Die zweite Spritze konnten jedoch nur 92,9 Prozent vorweisen.

Aufgrund des zu geringen Impfschutzes in der Bevölkerung hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Gesetzesvorschlag eingebracht, eine Impfpflicht gegen Masern einzuführen.

hei/dpa

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