Metastudie Hilft Cannabis bei Depression, ADHS oder Angst?

Cannabis kann seit 2017 in Deutschland auf Rezept ausgegeben werden. Doch noch ist bei vielen Krankheiten unklar, ob es überhaupt hilft - ein Studienüberblick zieht eine eher ernüchternde Bilanz.

Cannabis-Plantage: Hilft es gegen Depressionen, ADHS oder Angststörungen?
Ian Philip Miller/ Getty Images

Cannabis-Plantage: Hilft es gegen Depressionen, ADHS oder Angststörungen?


Seit zweieinhalb Jahren können Schwerkranke in Deutschland auf ärztliche Verschreibung cannabishaltige Medikamente oder Cannabisblüten erhalten. Rund 95.000 Rezepte lösten die Apotheken im Jahr 2018 ein. Gründe für ein solches Rezept sind neben chronischen Schmerzen, Multipler Sklerose und Epilepsie auch Angststörungen, das Tourette-Syndrom und ADHS, wie etwa die Techniker Krankenkasse schreibt.

Welchen medizinischen Nutzen Cannabis hat, ist für viele Krankheiten noch nicht ausreichend erforscht. Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat nun in einer sogenannten Meta-Analyse zumindest die Studien für sechs verschiedene Erkrankungen zusammengefasst - und zwar: Depression, Angststörung, ADHS, Psychose, Posttraumatischer Belastungsstörung und Tourette-Syndrom. Sie werteten insgesamt 83 Studien mit rund 3000 Teilnehmern aus.

Das Fazit der Gruppe um Louisa Degenhardt vom australischen National Drug and Alcohol Research Centre in Sydney:

  • Medikamente mit dem Cannabiswirkstoff THC können vermutlich die Symptome bei Patienten mit Angststörungen lindern.
  • Laut einer einzelnen Studie können THC-haltige Medikamente bei Patienten mit einer Psychose diese weiter verschlimmern.
  • Abgesehen davon lässt sich aus den vorliegenden Studien nicht ableiten, dass cannabishaltige Mittel eine über den Placeboeffekt hinausgehende positive Wirkung bei den genannten Krankheiten haben.
  • Allerdings gab es bei der Einnahme von cannabishaltigen Medikamenten häufiger unerwünschte Nebenwirkungen. Deshalb brachen auch mehr Menschen die Studien vorzeitig ab, die statt eines wirkstofffreien Placebos ein cannabishaltiges Medikament erhielten.

Konsum nicht empfehlenswert

Degenhardt und ihr Team bemängeln in ihrer Veröffentlichung im Fachblatt "The Lancet Psychiatry" , dass größere, hochwertige Studien zur Wirkung von Cannabis bei den aufgezählten Krankheiten fehlen. In den meisten der von ihnen ausgewerteten Studien litten die Teilnehmer etwa unter Multipler Sklerose oder starken Schmerzen und zusätzlich unter einer Angststörung oder Depression.

Sie schreiben deshalb, dass der Einsatz cannabishaltiger Mittel bei den genannten sechs Krankheiten aufgrund der dünnen Datenlage und bekannter Risiken des Konsums nicht empfehlenswert ist. Sollten sich Ärzte und Patienten im Einzelfall trotzdem dafür entscheiden, sei es nötig, positive oder negative Effekte sehr genau zu beobachten.

Die Gruppe hält aufgrund des allgemeinen Interesses an medizinischem Cannabis größere Studien für dringend notwendig, um etwa zu klären, wie hilfreich oder riskant eine Einnahme im Vergleich zu den bereits vorhandenen Therapien ist.

wbr



insgesamt 79 Beiträge
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tutuban 29.10.2019
1. Thcv
Interessant zu dem Thema vielleicht eine Studie zu Tetrahydrocannabivarin(THCV) zur Bekämpfung von Diabetes Typ 2. THCV ist ein seltern in den Pflanzen produzierter Wirkstoff im Bereich von 0,5-3 %. Erst kürzlich wurden in Afrika entsprechende Strains entdeckt, die den Wirkstoff in höheren Dosen produzieren. "It dose-dependently reduced glucose intolerance in ob/ob mice and improved glucose tolerance and increased insulin sensitivity in DIO mice, without consistently affecting plasma lipids. THCV also restored insulin signalling in insulin-resistant hepatocytes and myotubes." https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3671751/
conductor 29.10.2019
2. Schlechter fehlerhafter Artikel
... was sich gleich zu Beginn zeigt: Cannabis kann in Deutschland seit zweieinhalb Jahren verschrieben werden.
jana45 29.10.2019
3. es hilft bei viel mehr Dingen
Zum Beispiel bei Übelkeit, Schlafstörungen, fibrigen Erkrankungen - und bei mir auch wirklich bei Depressionen - wobei es auch glaubhaft erscheint, dass es nicht immer einen positiven Effekt bei psychischen Krankheiten hat. Allerdings ist Hanf eine traditionelle Heilpflanze, es sollte nicht zwanghaft industriell vermarktet und kommerzialisiert werden, sondern allgemein als Hausmittel akzeptiert werden (so wie zB. Kamillenblütentee).
paule82 29.10.2019
4. Irreführende Überschrift
Hier wird ein Studienüberblick gegeben. Ja, aber nur über einen Bruchteil der Erkrankungungen und damit Studien. "Ist Cannabis eine wirksame Medizin?" Antwort: Ganz eindeutig ja, kommt aber auf die Erkrankung an. Wer hier versucht Cannabis entweder als gut oder schlecht darzustellen, ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Es ist ein weites Feld und nicht so einfach wie manche Leute es gerne hätten. Es handelt sich nicht um einen allgemeinen Überblick. Bei psychischen Erkrankungen, sollte man tatsächlich vorsichtig sein. Bei anderen Erkrankungen ist die Studienlage eindeutig - und zwar sehr positiv.
Kasob 29.10.2019
5. Und was ist mit CDB?
Der Wirkstoff CDB ist ja eher für die beruhigende Wirkung verantwortlich. Gibt es ja auch in allen möglichen Varianten.
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