Offener Brief an Bundesärztekammer Mediziner fordern strengere Richtlinien für Hirntoddiagnose

Nachdem Fehler bei Hirntoddiagnosen bekannt geworden sind, fordern Ärzte und Fachgesellschaften jetzt strengere Richtlinien von der Bundesärztekammer. Wichtigster Punkt: Nur Mediziner mit Zusatzqualifikation sollen zukünftig den Hirntod feststellen dürfen. 
Arzt beurteilt Schichtaufnahmen des Gehirns: Mediziner sollen über Zusatzqualifikation verfügen

Arzt beurteilt Schichtaufnahmen des Gehirns: Mediziner sollen über Zusatzqualifikation verfügen

Foto: DSO/ Johannes Rey

Fünf Ärzte haben einen offenen Brief an die Bundesärztekammer (BÄK) geschrieben und darin strengere Kriterien für die Feststellung des Hirntods gefordert. Anlass sind Fehler und Unregelmäßigkeiten bei der Hirntoddiagnostik, die zuletzt von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), in der "Süddeutschen Zeitung"  und auf SPIEGEL ONLINE problematisiert wurden. Dabei handelt es sich um acht Fälle in den Jahren 2011 bis 2013, in denen nicht alle Kriterien für die Feststellung des Hirntods korrekt eingehalten wurden.

Wie Ärzte die Diagnose Hirntod zu stellen haben, steht in den Richtlinien der Bundesärztekammer . Aus ihnen geht hervor, dass zwei auf dem Gebiet der Intensivmedizin erfahrene Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod feststellen müssen, indem sie verschiedene körperliche und apparative Untersuchungen durchführen.

Nicht in jedem Krankenhaus müssen Ärzte allerdings mehrmals im Jahr eine Hirntoddiagnostik durchführen, der Erfahrungsspielraum ist daher mitunter begrenzt. Auch verfügt nicht jede Klinik über mehrere Experten auf dem Gebiet. Solche Einrichtungen können ärztliche Unterstützung von der DSO anfordern. Die DSO-Mediziner wiederum hatten in mehreren Fällen die Fehler entdeckt, die ihren Kollegen in den Krankenhäusern unterlaufen waren. Die betreffenden Fälle wurden im Nachhinein von der DSO in Zusammenarbeit mit einem Neurologen besprochen. "Anhand der Beispiele zeigt sich, wie gut unser Kontrollsystem funktioniert", sagte der Geschäftsführende Arzt der DSO in Bayern, Thomas Breidenbach, im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

Dennoch verunsichern die Fehler vor allem jene, die sich möglicherweise für eine Organspende bereit erklären wollen. Die Neurologen Hermann Deutschmann, Elisabeth Rehkopf und Robert Schumann sowie der Neurochirurg Christoph Goetz und der Transplantationschirurg Gundolf Gubernatis fordern daher jetzt in ihrem Brief an die BÄK "die Einführung einer Zusatzbezeichnung 'Hirntoddiagnostik' in die Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer. Nur Ärzte, die über die Zusatzbezeichnung verfügen, sollen den Hirntod feststellen dürfen." Außerdem sollen die Richtlinien dahingehend überarbeitet werden, dass toxikologische Untersuchen gemacht werden müssen, um Medikamente im Blut des Patienten auszuschließen.

Die Ärzte haben eine breite Unterstützung. Zuvor hatten bereits die Deutsche Gesellschaft für Neurologie, die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie und die Deutsche Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin eine bessere Qualifikation der Untersucher gefordert. Auch Rainer Hess, Vorstand der DSO hatte in einem offiziellen Statement gesagt, es sei "im Interesse der DSO, die Anforderungen an die Qualifikation der Ärzte für eine Hirntoddiagnostik zu verschärfen."

Nun ist die Bundesärztekammer am Zug, eine offizielle Reaktion gibt es allerdings noch nicht.

hei
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