Versuch mit Studenten Hitze lässt uns langsamer denken

Gerade schwächelt der Sommer etwas, aber am Wochenende wird es wieder mehr als 30 Grad heiß. Dann sollten wir uns lieber keine Denkaufgaben vornehmen - das gilt sogar für junge Studenten.
Wieder nichts mit Lernen

Wieder nichts mit Lernen

Foto: Nick Daly/ Getty Images

Hohe Temperaturen im Schlafzimmer vermindern das Denkvermögen. Das geht aus einer US-Studie hervor, die die Reaktionsschnelligkeit von Studenten während einer Hitzewelle in Boston untersuchte. Umweltmediziner der Harvard Chan School verglichen dazu zwölf Tage lang die Leistungen von 44 Studenten vor, während und nach einer Hitzeperiode.

24 der gesunden, jungen Teilnehmer lebten in einem Studentenwohnheim mit Klimaanlage. Dort wurde es im Durchschnitt 21,4 Grad warm, die Spannweite reichte von 17,5 bis 25 Grad. Die 20 anderen wohnten in einem Gebäude ohne Kühlung. Dort lag die Durchschnittstemperatur bei 26,3 Grad - und reichte von 19,6 bis 30,4 Grad.

Neben den Temperaturen berücksichtigten die Forscher während der zwölf Tage auch die Lärm- und Feuchtigkeitsbelastung in den Räumen sowie die Schlaf-, Trink- und Aktivitätsmuster der Studenten. Diese mussten jeden Morgen nach dem Aufwachen auf ihren Smartphones zwei kurze Tests machen: Die Farbe von Wörtern möglichst schnell erkennen und einfache Rechenaufgaben lösen.

Nach Hitze-Nacht: 13 Prozent langsamer

Während der Hitzewelle stieg die Reaktionszeit der Studenten ohne Klimaanlage deutlich an. In der Zeit brauchten sie gut 13 Prozent länger für den Wörtertest als ihre Mitstudenten, die kühlere Nächte hinter sich hatten. Auch beim Rechnen verschlechterte sich ihre Punkteausbeute um 13 Prozent, berichten die Autoren im Journal "Plos Medicine" . Da nur morgens Tests durchgeführt wurden, lässt die Studie allerdings keine Aussagen zur Denkfähigkeit später am Tag zu.

"Die meiste Forschung zu Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit wurde bisher an Risikogruppen, etwa Älteren, gemacht. So entstand der Eindruck, dass die Allgemeinbevölkerung durch Hitzewellen nicht beeinträchtigt wird", sagt Forscher Jose Guillermo Cedeno Laurent von der Harvard Chan School. Diesen blinden Punkt habe man mit der Studie angehen wollen.

Ergebnisse sind auf Deutschland übertragbar

Die Ergebnisse seien durchaus auf Deutschland übertragbar, glaubt Alexandra Schneider, Epidemiologin am Helmholtz Zentrum in München. "Das Design der Studie ist insgesamt gut, aber die Ergebnisse sind nicht wirklich überraschend." Dass man bei hohen Temperaturen und vor allem nach einer Hitze-Nacht nicht so leistungsfähig ist, findet sie logisch.

Weitere Studien müssten jetzt prüfen, ob sich durch die reduzierte Aufmerksamkeit etwa das Risiko für Unfälle erhöhe, fordern Philip Lewis und Thomas Erren von der Universität Köln. "Schlafmangel, das Unterbrechen der inneren Uhr und die höhere Wahrscheinlichkeit, dass man nicht genug Wasser getrunken hat, trägt alles zur Verringerung der kognitiven Leistung bei", erklären sie die Ergebnisse.

Um während Hitzewellen leistungsfähig zu bleiben, empfehlen die Experten: Ausreichend trinken, auf schwere Mahlzeiten verzichten und die Arbeitsphasen, wenn irgendmöglich, in die kühleren Stunden des Tages legen.

irb/dpa
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