Uno-Bericht 18 Millionen HIV-Infizierte erhalten antiretrovirale Therapie

Weltweit bekommen immer mehr HIV-Infizierte Medikamente, die den Erreger eindämmen. Überstanden ist die Epidemie damit aber nicht. 2,1 Millionen Menschen stecken sich jedes Jahr neu mit dem Virus an.

Info-Material zum Thema Aids und HIV
DPA

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Im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids melden die Vereinten Nationen deutliche Fortschritte. Inzwischen hätten 18,2 Millionen Menschen mit HIV Zugang zu antiretroviralen Therapien, die den Erreger eindämmen, berichtet das Anti-Aids-Programm der Vereinten Nationen (Unaids) bei einer Präsentation in der namibischen Hauptstadt Windhuk. Das sind rund drei Millionen Menschen mehr als vor zwei Jahren.

Allein zwischen Januar bis Juni 2016 seien eine Million Menschen zusätzlich in Therapieprogramme gekommen, erklärte Unaids-Exekutivdirektor Michel Sidibé bei der Vorstellung des Jahresberichts seiner Organisation. Die antiretrovirale Therapie kann die Infektion nicht heilen, aber die Ausbreitung des Virus im Körper verlangsamen.

5,8 Millionen Infizierte älter als 50 Jahre

Weltweit lebten 2015 laut Uno-Bericht 36,7 Millionen Menschen mit HIV. Das waren etwa so viele wie im Jahr zuvor, wobei jedoch mehr Menschen denn je mit lebensverlängernden Medikamenten behandelt wurden. Heute sei es grundsätzlich möglich, Menschen mit HIV abhängig von ihren konkreten Lebensumständen und ihrem Lebensalter zielgerichtet zu helfen, erklärte Sidibé.

Michel Sidibé (Archivbild)
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Michel Sidibé (Archivbild)

Dem Bericht zufolge sorgt die Ausweitung der Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten dafür, dass immer mehr Infizierte ein höheres Lebensalter erreichen. 2015 seien 5,8 Millionen Infizierte älter als 50 Jahre gewesen. Es bestünden gute Aussichten, dass es bis 2020 rund 8,5 Millionen sein könnten.

Junge Frauen infizieren sich bei älteren Männern mit HIV

"Die Möglichkeiten zur Verhinderung und zur Behandlung von HIV waren niemals größer als heute", betonte Sidibé im Vorwort des Berichtes, der kurz vor dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember erschien. Wenn alle bisherigen Anstrengungen fortgesetzt werden, könne das Ziel erreicht werden, bis 2020 rund 30 Millionen Infizierten eine geeignete Therapie zu ermöglichen.

Allerdings gebe es auch erhebliche neue Risiken. So könnten sich Resistenzen gegen bestimmte Wirkstoffe entwickeln, die zur Behandlung von oft mit Aids einhergehenden Krankheiten verwendet werden - darunter Tuberkulose.

Ziel der Uno ist es, die Aids-Epidemie bis 2030 weltweit zu beenden. Dazu seien jedoch weiterhin größere Anstrengungen zur Vorbeugung von HIV-Infektionen nötig, heißt es im Unaids-Jahresbericht. Dies gelte insbesondere für junge Frauen in Afrika südlich der Sahara. So würden neuere Daten aus Südafrika zeigen, dass sich dort viele junge Frauen bei älteren Männern mit HIV infizieren, während sich betroffene Männer erst später im Leben anstecken.

Mutter-Kind-Übertragung häufig

Zudem werde es auch immer wichtiger, geeignete Therapien für die vielen Kinder anzuwenden, die mit HIV geboren wurden, und nun Erwachsene werden. Studien in 25 Ländern zeigten, dass 2015 rund 40 Prozent aller HIV-Infizierten zwischen 15 und 19 Jahren durch Mutter-Kind-Übertragung angesteckt worden waren. Das habe zu einem hohen Anteil von Aids-Todesfällen unter Jugendlichen geführt.

Umso wichtiger werde die HIV-Prävention in dieser "Schlüssel-Bevölkerungsgruppe", ebenso wie verstärkte HIV-Tests und die sofortige Bereitstellung von antiretroviralen Therapien im Falle einer Infektion, heißt es in dem Bericht. Im Schnitt infizieren sich jedes Jahr immer noch 2,1 Millionen Menschen neu mit HIV, 150.000 sind Kinder unter 15 Jahren.

Auch in Deutschland stecken sich laut Robert Koch-Institut (RKI) jährlich immer noch ungefähr 3200 Menschen mit dem Virus an. Ende 2015 lebten hierzulande Schätzungen zufolge rund 84.700 Menschen mit HIV, davon 12.600 ohne es zu wissen.

jme/dpa



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