Weniger Kondome Experten befürchten Rückschläge beim Kampf gegen Aids

Gefährdet Leichtsinn die Erfolge im Kampf gegen Aids? In vielen afrikanischen Ländern steigt die Zahl der Menschen mit mehreren Sexpartnern, während die Kondomnutzung sinkt, warnen Experten der Vereinten Nationen. Noch infizieren sich immer weniger Menschen mit dem Virus.
Kondome: Wirksamer Schutz vor einer Infektion mit HI-Viren

Kondome: Wirksamer Schutz vor einer Infektion mit HI-Viren

Foto: Corbis

Genf - Mehr Partner, weniger Kondome: Experten der Vereinten Nationen (UN) warnen vor wachsendem Leichtsinn im Umgang mit Aids. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen und der an Aids Gestorbenen sei in den vergangenen Jahren zwar ständig gesunken. Dieser Fortschritt sei jedoch gefährdet, heißt es im Jahresbericht des Programms der Vereinten Nationen zu HIV/Aids (UNAids), der in Genf vorgestellt wurde.

In vielen afrikanischen Ländern steige die Zahl der Menschen mit mehreren Sexpartnern. Gleichzeitig werden in den Staaten Elfenbeinküste, Niger, Senegal und Uganda seltener Kondome genutzt. Es gebe zwar Erfolge bei der Therapie, aber keinen Grund, den Schutz vor den Viren zu vernachlässigen, so die Experten. Ansonsten gab es allerdings viel Positives zu berichten.

Die Zahl der weltweiten HIV-Infektionen ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Dies trifft vor allem auf Kinder zu: Im Vergleich zu 2001 seien 2012 nur halb so viele Minderjährige mit dem tödlichen Virus infiziert worden, heißt es in dem Jahresbericht. Insgesamt sei die Zahl der Infektionen in dem Zeitraum um ein Drittel gesunken.

Immer mehr Krankheitsfälle in Osteuropa

Während sich 2011 noch 2,5 Millionen Menschen weltweit neu mit dem HI-Virus ansteckten, waren es 2012 nur noch 2,3 Millionen. Bei den Kindern zählten die Wissenschaftler im letzten Jahr 260.000 neue Fälle. Dies führt der Bericht auf weltweite Anstrengungen in der Prävention zurück - unter anderem durch antiretrovirale Medikamente für schwangere Frauen, die HIV-infiziert sind. Die Medikamente bewahren sie davor, das Virus an ihr Kind weiterzugeben.

Von den Menschen, die sich im vergangenen Jahr mit HIV ansteckten, infizierten sich 70 Prozent in Ländern südlich der Sahara. Allerdings steigen dem Bericht zufolge die Infektionszahlen in Osteuropa, Zentralasien, Nahost und Nordafrika.

Ende 2012 erhielten dem UNAids-Report zufolge rund 9,7 Millionen Menschen in Ländern mit mittlerem oder geringem Einkommen eine moderne HIV-Therapie - ein Anstieg von fast 20 Prozent innerhalb eines Jahres. Bis zum Jahr 2015 sollen nach dem Ziel der Vereinten Nationen 15 Millionen Menschen eine Therapie bekommen.

Insgesamt lebten im vergangenen Jahr 35,3 Millionen Menschen mit dem Aidserreger im Blut. Mit 1,6 Millionen Menschen starben 2012 weltweit ebenfalls rund 30 Prozent weniger Infizierte als noch vor elf Jahren. Etwa 36 Millionen Menschen seien seit Beginn der Epidemie vor über drei Jahrzehnten an Aids oder damit zusammenhängenden Krankheiten gestorben, heißt es in dem Bericht.

irb/dpa
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