Kassenleistung So schützen Medikamente vor HIV

Seit Anfang September bezahlen die Krankenkassen für Medikamente, die eine HIV-Infektion verhindern. Für wen eignet sich die Therapie und wie funktioniert sie? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Blister mit Prophylaxe-Arznei: Medikament zur Vorbeugung einer HIV-Infektion
Britta Pedersen/ ZB/ DPA

Blister mit Prophylaxe-Arznei: Medikament zur Vorbeugung einer HIV-Infektion


Die Krankenkassen erstatten seit Anfang September die Kosten für Medikamente, die vor einer Ansteckung mit HIV schützen. Wer sollte sie einnehmen? Und welche Risiken bergen sie? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie funktioniert die sogenannte Prä-Expositionsprophylaxe (Prep)?

Bei der Behandlung schlucken HIV-negative Menschen Medikamente, die das HI-Virus daran hindern, sich zu vermehren. Kommt ein Mensch dann mit dem Erreger in Kontakt, schützt das Mittel vor einer Ansteckung. Empfohlen wird in der Regel, die Medikamente täglich einzunehmen. Es ist aber auch möglich, sie in Absprache mit dem Arzt gezielt um einen bestimmten Zeitraum zu schlucken - etwa rund um einen Urlaub.

Wie gut schützen die Mittel vor einer Infektion?

Die HIV-Prophylaxe mit Medikamenten ist seit 2016 in der EU zugelassen und gut untersucht. Konsequent eingenommen schützen die Medikamente der Deutschen Aidshilfe zufolge so gut vor einer Ansteckung wie ein Kondom. Im Gegensatz zum Gummi haben die Tabletten allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie bewahren ihre Nutzer nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten.

Wer bekommt die Kosten für die Medikamente erstattet?

Die Medikamente machen nur für Menschen Sinn, die ein besonders hohes Infektionsrisiko haben. Sie sind es auch, die die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet bekommen. Dafür muss ein Arzt das Medikament verschreiben, der sich mit der Behandlung von HIV-Patienten und der Prä-Expositionsprophylaxe auskennt.

Er ermittelt in einem Beratungsgespräch, wie hoch das Risiko seines Patienten ist, sich mit HIV zu infizieren. Den deutsch-österreichischen Leitlinien zufolge ist die medikamentöse HIV-Prophylaxe sinnvoll für:

  • Homosexuelle Männer oder Transgender-Personen, die innerhalb der vergangenen Monate analen Sex ohne Kondom hatten und/oder voraussichtlich in den nächsten Monaten Analsex ohne Kondom haben werden.
  • Homosexuelle Männer oder Transgender-Personen, die sich im vergangenen Jahr mit einer sexuell übertragbaren Krankheit infiziert haben.
  • Menschen, deren Partner HIV-positiv ist und bei dem die Menge der Viren im Blut nicht über Monate extrem gesenkt werden konnte. Bei einer erfolgreichen HIV-Therapie sind die Viren nicht mehr nachweisbar, die Betroffenen sind dann nicht mehr ansteckend.
  • Menschen, die ohne Kondom Sex mit einem Partner haben, bei dem eine nicht diagnostizierte HIV-Infektion wahrscheinlich ist.
  • Personen, die sich Drogen injizieren und keine sterilen Spritzbestecke verwenden.

Verschreibt der Arzt die Mittel, müssen Patienten nur die übliche Rezeptgebühr bezahlen.

Gilt das so auch für Versicherte bei den privaten Krankenkassen?

Nein, das gilt so nur für gesetzliche Krankenversicherte. Die privaten Versicherungen haben eigene Regelungen. Es ist ratsam, dort nachzufragen.

Kann man sich die Mittel auch selbst besorgen?

Ja. Falls der Arzt die Mittel nicht auf Kosten der Kassen verschreiben kann, kann er auch ein Privatrezept ausstellen. Die Kosten liegen um die 1,60 Euro pro Tablette, also pro Tag. "Wichtig sind auf jeden Fall eine gute ärztliche Beratung, Vorbereitung und Begleitung der Prep", schreibt die Deutsche Aidshilfe. Von Selbstversuchen, etwa mit Mitteln aus dem Ausland, sei dringend abzuraten.

So ist vor Beginn der Therapie zum Beispiel wichtig auszuschließen, dass die Person mit HIV infiziert ist. Bei einer Infektion reicht die Menge der Wirkstoffe nicht aus, um die Viren komplett zurückzudrängen. Dann besteht die Gefahr, dass die verbleibenden Erreger Resistenzen gegen die Medikamente entwickeln. Wichtig ist auch auszuschließen, dass eine Hepatitis-B-Infektion vorliegt. Diese kann sich verschlimmern, wenn die Medikamente abgesetzt werden.

Welche Nebenwirkungen kann die Therapie haben?

Die Medikamente gelten als gut verträglich, bei manchen kann es jedoch anfangs zu Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall, Kopf-, Bauch- oder Gelenkschmerzen kommen. Außerdem kann das Mittel die Knochendichte leicht senken und die Leistung der Nieren verringern. Aus diesem Grund sollten vor der Einnahme die Nierenwerte untersucht werden.

Welche Kontrollen sind während der Therapie vorgesehen?

Wer eine Prep verschrieben bekommt, muss alle drei Monate zu Checks, bei denen er ein neues Rezept erhält. Parallel wird unter anderem auf HIV und andere Geschlechtskrankheiten getestet sowie die Nierenfunktion untersucht.

irb

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