Hodenkrebs Gute Aussicht auf Heilung

Hodenkrebs ist gut behandelbar. Doch die Nebenwirkungen der Therapie können schwerwiegend sein, besonders, wenn ein Tumor erst spät entdeckt wird. Mediziner raten deshalb zum regelmäßigen Abtasten der Hoden.

Krebszellen: Regelmäßiges Abtasten hilft bei der Früherkennung
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Krebszellen: Regelmäßiges Abtasten hilft bei der Früherkennung


Pro Jahr erkranken in Deutschland circa 4000 Männer an Hodenkrebs, ungefähr 150 sterben daran. Er gehört zwar insgesamt zu den selteneren Krebsarten, bei den 25- bis 45-Jährigen ist er aber der häufigste bösartige Krebs. Während über alle Altersgruppen etwa zehn Erkrankungsfälle auf 100.000 Männer pro Jahr auftreten, sind es im Alter von 25 bis 39 Jahre etwa 22 Erkrankungsfälle auf 100.000 Männer pro Jahr.

Es werden zwei Formen unterschieden: Seminome und Nichtseminome. Während die Seminome nach den spermienbildenden Keimzellen des Hodens benannt sind, werden alle anderen Tumoren des Hodens Nichtseminome genannt.

Die stärker zur Metastasierung neigenden Nichtseminome treten früher auf, nämlich bei einem Altersgipfel von 27 Jahren. Die weniger bösartigen Seminome dagegen haben ihren Altersgipfel bei etwa 37 Jahren.

Nach Angaben des RKI im Jahr 2013 hat sich die Erkrankungszahl seit 1980 verdoppelt. Experten gehen davon aus, dass es sich um einen echten Anstieg handelt, der auch international seit einigen Jahrzehnten zu beobachten ist, sich derzeit allerdings nicht weiter fortzusetzen scheint.

Heilungsrate

Bei früh entdeckten Tumoren genügt eine OP mit anschließender Überwachung. Bei später entdeckten Tumoren können zusätzlich Chemo- und/oder Strahlentherapie notwendig sein.

Die Heilungschancen sind selbst bei dem aggressiveren Hodenkrebs mit circa 95 Prozent immer noch sehr gut. Allerdings ist bei fortgeschrittenen Karzinomen eine intensive kombinierte Behandlung von Chemotherapie und ausgedehnten Operationen notwendig, die nicht nur zu einer höheren Rate von akuten Nebenwirkungen führt, sondern auch die Gefahr von Langzeittoxizitäten 20 bis 30 Jahre nach Abschluss der Therapie signifikant steigert. Zu letzteren zählen Unfruchtbarkeit, lebenslänglicher Bedarf nach Testosteronersatz sowie ein erhöhtes Risiko, weitere Tumoren zu entwickeln.

Ideal sind die möglichst frühe Entdeckung und der rasche Therapiebeginn, da dann auch eine "einfache" Operation, manchmal sogar mit Erhalt des betroffenen Hodens, zur Heilung ausreicht.

Die Heilungsrate bei den weniger aggressiven Seminomen liegt bei 95 bis 100 Prozent.

Risikogruppen

  • Das Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, kann sich durch einen Hodenhochstand (Kryptorchismus), der bis nach dem zweiten Lebensjahr anhielt, um das Zwei- bis Vierfache erhöhen.
  • Auch nach einer Beseitigung des Hodenhochstandes verbleibt ein bis zu 30 Prozent erhöhtes Risiko für Hodenkrebs.
  • Das Risiko für einen Hodentumor verzehnfacht sich, wenn ein naher Familienangehöriger, etwa der Bruder, an Hodenkrebs erkrankt ist.
  • Der Hodentumor eines Hodens bedeutet ein mindestens zehnfaches Risiko für den zweiten Hoden, ebenfalls Krebs zu entwickeln.
  • Seltene genetisch bedingte Störungen der Geschlechtsentwicklung, wie das Klinefelter-Syndrom, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Hodenkrebs zu erkranken.
  • Eine eingeschränkte Fruchtbarkeit gilt als Risikofaktor, weshalb Fertilitätsmediziner ihre unfruchtbaren Patienten auch auf Hodenkrebs untersuchen.
  • Einen überraschenden möglichen Risikofaktor für Hodenkrebs hat eine kanadische Studie ans Licht gebracht: Ein hohes Maß an körperlicher Belastung soll danach bei Jungen und jungen Männern das Hodenkrebsrisiko fast verdoppeln. Die Forscher vermuten eine durch Sport verursachte Verspätung der Pubertät als Ursache.
  • Laut einigen Studien scheint starker Cannabis-Konsum im Zusammenhang mit Hodenkrebs zu stehen.

Die beiden letztgenannten Risikofaktoren gelten derzeit als wissenschaftlich nicht gesichert. Die relativ neuen Studienergebnisse müssen erst durch weitere Untersuchungen bestätigt werden.

Abtasten der Hoden

Die Hoden sollten regelmäßig einmal im Monat nach einem heißen Bad oder einer heißen Dusche - wenn der Hodensack entspannt ist - nacheinander vorsichtig mit den Fingern abgetastet werden:

  • Die Hoden sollten glatt und oval sein und sich wie ein hart gekochtes Ei ohne Schale anfühlen.
  • Unter leichtem Druck tasten Sie nach Schwellungen des Hodens, harten Stellen oder Knoten, die sich anders anfühlen als das umgebende Gewebe. Doch keine Panik: Bei der Erhöhung hinter jedem Hoden handelt es sich um die Nebenhoden.
  • Veränderungen und eventuell schmerzlose Verhärtungen des Hodensackes oder eines Hodens können - müssen aber nicht - deutliche Hinweise auf Hodenkrebs sein.
  • In seltenen Fällen kommt es bei Hodenkrebs zu einer Vergrößerung der Brüste und dem Verlust von Bauch- und Schamhaaren.

Übrigens: Männer, denen aufgrund von Hodenkrebs die Unfruchtbarkeit droht, müssen die Kosten für eine Spermakonservierung zur Umsetzung eines späteren Kinderwunsches selbst tragen, da gesetzliche Krankenversicherungen es nicht tun.



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