Umstrittene Mittel Das Geschäft mit Homöopathie wächst

Globuli versprechen sanfte Heilung, dabei ist ihre Wirksamkeit über einen Placeboeffekt hinaus nicht wissenschaftlich bewiesen. Für Apotheken sind homöopathische Mittel dennoch ein Millionengeschäft.
Homöopathische Mittel (Symbolbild)

Homöopathische Mittel (Symbolbild)

Foto: Getty Images/fStop

Die Apotheken in Deutschland haben im vergangenen Jahr erneut mehr Umsatz mit homöopathischen Mitteln gemacht, berichtet der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Demnach wurden im Jahr 2018 etwa 670 Millionen Euro mit homöopathischen Mitteln umgesetzt - ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Etwa 570 Millionen Euro entfielen auf verschreibungsfreie Mittel. Der Gesamterlös mit rezeptfreier Arznei in Deutschland lag bei 9,1 Milliarden Euro.

Obwohl der Umsatz mit homöopathischen Mitteln gestiegen ist, wurden im Schnitt weniger Packungen verkauft. 2018 erwarben Verbraucher in Apotheken und im Versandhandel 54,5 Millionen Packungen homöopathischer Mittel. Im Jahr zuvor waren es laut dem Marktforschungsinstitut IQVIA zwar etwas weniger, nämlich gut 53 Millionen Packungen. Allerdings wurde die Datenbasis für die aktuelle Untersuchung erweitert, was einen direkten Vergleich erschwert. Werden die neuen Daten herausgerechnet, sind 2018 etwas weniger homöopathische Mittel verkauft worden als in den Vorjahren.

Fehlende Belege für Wirksamkeit

Trotz zahlreicher Studien fehlt bis heute ein klarer Beleg dafür, dass homöopathische Globuli eine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus entfalten. Ein EU-weiter Wissenschaftsrat warnte davor, dass Homöopathie sogar schaden kann, wenn eine notwendige medizinische Behandlung dadurch verzögert wird.

In fast neun von zehn Fällen (87 Prozent) trugen 2018 die Verbraucher selbst die Kosten für homöopathische Mittel. In den übrigen Fällen verordneten Ärzte die Therapie auf Rezept, bei denen die Krankenkassen teils die Kosten übernehmen.

Dass die gesetzlichen Kassen unter bestimmten Voraussetzungen homöopathische Behandlungen bezahlen, ist umstritten. Eigentlich dürfen sie nur anerkannt wirksame Therapien erstatten, doch für Homöopathie, Anthroposophie und Pflanzenheilkunde hat der Gesetzgeber Sonderregeln geschaffen. Diese Verfahren müssen nicht in aufwendigen Studien ihre Wirksamkeit unter Beweis stellen. Da homöopathische Therapien so beliebt sind, versprechen sich viele Krankenkassen durch die Kostenübernahme einen Wettbewerbsvorteil.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Textes hieß es, die Zahl verkaufter Packungen homöopathischer Mittel sei 2018 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Tatsächlich sind die Verkaufszahlen nicht vergleichbar, weil sich die Datengrundlage verändert hat. Wir haben den Fehler korrigiert.

koe/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.