Forderung von Karl Lauterbach Krankenkassen sollen nicht mehr für Homöopathie zahlen

"Im Sinne der Vernunft und Aufklärung": SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach will Krankenkassen verbieten, für Homöopathie zu zahlen. Doch die CDU hält dagegen.
Globuli: Die Zuckerkügelchen enthalten häufig nicht ein einziges Molekül des Wirkstoffs

Globuli: Die Zuckerkügelchen enthalten häufig nicht ein einziges Molekül des Wirkstoffs

Foto: totalpics/ iStockphoto/ Getty Images

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach will gesetzlichen Krankenkassen die Kostenerstattung von Homöopathie untersagen. "Wir müssen in der GroKo darüber reden", sagte er dem "Tagesspiegel" . Krankenkassen sind in Deutschland nicht dazu verpflichtet, die Kosten für homöopathische Behandlungen zu übernehmen. Sie können aber freiwillig dafür zahlen.

Auch freiwillige Leistungen der Krankenkassen müssten wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll sein, argumentiert Lauterbach und verweist auf einen ähnlichen Vorstoß in Frankreich. Nach Einschätzung der französischen Obersten Gesundheitsbehörde (HAS) wirken die Mittel wissenschaftlich gesehen nicht ausreichend. Das Gesundheitsministerium hatte die HAS zuvor mit der Prüfung beauftragt. Es gilt als wahrscheinlich, dass die französische Regierung die Kostenübernahme bald abschaffen wird.

"Im Sinne der Vernunft und der Aufklärung sowie des Patientenschutzes ist es auch in Deutschland falsch, dass Kassen aus Marketinggründen Homöopathie bezahlen", schrieb Lauterbach als Reaktion auf die Entscheidung in Frankreich auf Twitter. Neu ist seine Forderung nicht. Lauterbach hatte sich schon 2010 für ein Verbot der Kostenübernahme ausgesprochen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA), der über die Pflichtleistungen der gesetzlichen Kassen entscheidet, unterstützt seine Forderung. Behandlungsmethoden ohne klaren Beleg für Wirksamkeit und Nutzen sollten "nicht noch dadurch geadelt werden, dass sie von Kassen als Satzungsleistungen bezahlt werden", sagte der GBA-Vorsitzende Josef Hecken dem "Tagesspiegel" .

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Kritik an Lauterbachs Vorschlag kommt aus der Union. Deren gesundheitspolitische Sprecherin, Karin Maag, findet es falsch, die freiwilligen Leistungen der Versicherer zu beschränken. "Wir führen keinen Kreuzzug gegen Heilpraktiker und Naturheilverfahren", sagte sie dem "Tagesspiegel" . Sie halte es für richtig, die Entscheidungsfreiheit der Patienten zu wahren. Der heutige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich 2010 jedoch offen für den Vorschlag, die Kostenübernahme zu verbieten.

Im Video: Sagenumwobene Globuli - Das Riesen-Geschäft mit der Homöopathie

SPIEGEL TV
koe/dpa
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