Rein in die Sandalen So werden die Füße sommertauglich

Sommer bedeutet auch Luft und Freiheit für die Füße. Wären da nicht Hornhaut, eingewachsene Zehennägel und Hühneraugen. Ein paar Tipps helfen, die Ärgernisse zu beheben und ihnen vorzubeugen.
Schöne Füße: Im Sommer wird die am tiefsten liegende Problemzone sichtbar

Schöne Füße: Im Sommer wird die am tiefsten liegende Problemzone sichtbar

Foto: Ole Spata/ picture alliance / dpa

Wenn geschlossene Schuhe Flipflops und Sandalen Platz machen, rücken auf einmal die Füße in den Fokus. Der eine hat unschöne rissige Haut, den anderen plagt ein Hühnerauge, beim nächsten wächst gerade ein Zehennagel ein. Was auch immer das Problem ist, oft kann schon die richtige Pflege zu Hause weiterhelfen. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten.

Hornhaut: Kein Kahlschlag

"Wer im Sommer barfuß unterwegs ist, Flipflops oder Sandalen trägt, produziert mehr Hornhaut als mit geschlossenen Schuhen", sagt die Reutlinger Podologin Tatjana Pfersich. Damit steige auch der Pflegeaufwand. Denn ist die Hornhaut erst einmal zu dick, wird sie rissig und es kommt zu schmerzhaften Schrunden.

"Es ist möglich, die trockene Hornhaut zu Hause mit einem Bimsstein oder einer Hornhautfeile abzuschleifen", sagt Pfersich. Um die Hornhautproduktion nicht noch zusätzlich anzuheizen, sollte dabei allerdings nicht zu viel entfernt werden. "Die richtige Menge erreicht man, wenn die Oberflächenspannung des behandelten Bereichs genau so groß ist wie jene des unverhornten Fußbereichs", so Pfersich.

Dieser Zustand lässt sich mit einem einfachen Trick überprüfen: Wenn man mit der Hand über seine Ferse und Fußsohle streicht, sollten behandelte und unbehandelte Anteile eine Ebene bilden. "Wurde zu stark gerubbelt, ist die behandelte Haut weicher als die unbehandelte und schmerzt möglicherweise", sagt Pfersich.

Klaus Strömer, erster Vorsitzender des Bundesverbands der Deutschen Dermatologen, rät hingegen dazu, die Hornhaut aufzuweichen - beispielsweise mit Cremes, die 10 bis 20 Prozent Salicylsäure enthalten. Die aufgeweichte Hornhaut lässt sich dann mit einem Bimsstein entfernen. Beim Feilen ohne vorheriges Aufweichen der Hornhaut sieht er eine zu große Gefahr, die Hornhautproduktion anzuregen.

Ist die Hornhaut sehr stark ausgeprägt, kann der Podologe sie auch mit einem Skalpell entfernen. Ratsam ist zudem, Ferse und Fußsohle täglich einzucremen. Ob die Haut Feuchtigkeit oder Fett braucht, hängt von ihrer individuellen Struktur ab. Wer zur feuchtigkeitsspendenden Creme greift, sollte darauf achten, dass nicht mehr als 5 Prozent Urea (Harnstoff) enthalten ist. Ansonsten trocknet der Inhaltsstoff zusätzlich aus.

Glasige Hühneraugen

Die recht schmerzhaften Druckstellen befinden sich meistens an den Zehen, können aber auch in der Nagelfalz auftauchen. "Es handelt sich um eine Verhornung, die durch großen, langanhaltenden Druck entsteht, zumeist verursacht durch falsches Schuhwerk oder Fußfehlstellungen wie Plattfüße", sagt Strömer.

Fehlt etwa das Fußgewölbe, wie es beim Plattfuß der Fall ist, wird das Gelenk am Übergang zu den Zehen zu stark belastet. Hohe Schuhe können den Druck noch steigern, sodass sich Schwiele bilden, kegelförmige Verhornungen. Diese drücken anschließend ins Gewebe, wobei die Spitze direkt auf den Knochen trifft. Das schmerzt.

"Mitunter werden Hühneraugen mit Dornwarzen verwechselt", erklärt Podologin Pfersich. Beim Unterscheiden hilft es, die betroffene Stelle zu befeuchten. Zeigen sich kleine schwarze Punkte, handelt es sich um eine Dornwarze. Schimmert sie hingegen glasig, handelt es sich um ein Hühnerauge.

Betroffene können in der Apotheke selbstklebende Filzringe kaufen, die das Hühnerauge vor Druck schützen. "Damit ist das Problem aber nicht beseitigt", sagt Strömer. Er rät dazu, die harte Hornschwiele möglichst schnell mit einem salizylsäurehaltigen Pflaster oder einer salizylsäurehaltigen Creme aufzulösen.

Das Pflaster sollte jeweils zwei bis drei Tage auf dem Hühnerauge bleiben. Dann gilt es, die einfach zu entfernenden Teile abzutragen. "Es kann sein, dass diese Prozedur ein paarmal wiederholt werden muss", so Strömer. Treten wiederholt Hühneraugen auf, rät der Dermatologe zum Besuch beim Orthopäden. Fehlstellungen zum Beispiel in Knie und Rücken können zu Fehlbelastungen in den Füßen führen - und infolgedessen auch zu Hühneraugen.

Eingewachsener Zehennagel - Wie verhindern?

Eingewachsene Nägel sind oft die Folge einer falschen Nagelpflege. "Die Zehennägel sollten stets gerade und so abgeschnitten werden, dass Nägel und Zehenkuppe auf einer Linie liegen", sagt Pfersich. "Die Ecken nicht abrunden." Mitunter ist der Nagel für sein Bett aber auch einfach zu breit. Außerdem kann es sein, dass die Schuhe zu eng sind, sich der Nagel aufgrund einer Verletzung abgelöst hat oder abgebrochen ist.

Unabhängig von der Ursache gilt: Schon leichter Druck kann den Nagelrand ins Gewebe schieben. Aus diesem Grund ist es ratsam, bei einem einwachsenden Nagel breite Schuhe zu tragen. "Betroffene können außerdem erst einmal selbst aktiv werden und jeden Abend das Nagelbett mit einer Pinzette links und rechts etwas anheben", sagt Strömer. Die Prozedur verhindert, dass das Nageleck ins Fleisch einwächst. In der Regel ist sie ein bis zwei Wochen lang notwendig.

Ist der Nagel bereits geringfügig eingewachsen, kann es laut Störmer helfen, wenn der Podologe in den Ecken Watte darunter schiebt. "Eingewachsene Bereiche lassen sich zum Beispiel mit Schmierseifen- oder Schwarzteebädern aufweichen. Letztere enthalten viele Gerbstoffe, die desinfizierend wirken", sagt der Dermatologe. Dafür muss der Tee jedoch mindestens 15 Minuten lang ziehen. "Die Nagelecken können nach dem Bad vom Patienten mobilisiert oder entfernt werden. Sogenanntes 'wildes Fleisch' kann nur vom Arzt beseitigt werden."

Ist zu erwarten, dass der Nagel immer wieder einwächst, kann ihn ein Arzt auch unter lokaler Betäubung verkleinern. "Der seitliche Nagelwall und der störende Nagelanteil werden bis zur Nagelwurzel keilförmig weggeschnitten und der betroffene Nagelwurzelanteil wird verödet", erklärt Strömer. "Der Nagel wächst anschließend schmaler". Der Eingriff dauert etwa 15 Minuten.

Ein gesondertes Problem sind gewölbte Fußnägel, die manche Menschen anlage- oder altersbedingt entwickeln. Bei ihnen lässt sich der Nagel mit einer sogenannten Nagelkorrekturspange abflachen. Die Spange wird an den Nagelrändern befestigt und in der Nagelmitte fixiert. Anschließend zieht sie den eingewachsenen Zehennagel langsam aus der Tiefe des Nagelbettes nach oben. Die Therapie dauert etwa sechs bis acht Monate und die betroffene Zehe muss alle paar Wochen untersucht werden.

Zur Autorin

Gerlinde Gukelberger-Felix ist Diplom-Physikerin und studierte eine Zeit lang Medizin, bis sie sich ganz dem Journalismus verschrieb. Besonders interessant findet sie alle Überschneidungen zwischen Medizin, Physik, Biologie und Psychologie. Sie arbeitet als freie Medizin- und Wissenschaftsjournalistin.

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