Medizin Wann Ärzte auf Hypnose setzen

Ängste, Schlafstörungen, Schmerzen: Mediziner und Psychotherapeuten behandeln diese und andere Leiden auch per Hypnosetherapie. Was sie leisten kann, was sie kostet - und wann man sie nicht anwenden sollte.
Hypnose beim Zahnarzt

Hypnose beim Zahnarzt

Foto: Frank May/ dpa

"Hypnose ist nicht das, was sich die meisten Menschen darunter vorstellen", sagt Götz Renartz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Autosystemhypnose (DGSH). Es komme keine Schlange Kaa mit marmorierten Augen, die die Menschen verzaubere. Auch Pendel würden kaum verwendet - nicht weil es damit nicht funktioniere, sondern weil zu viel Esoterik damit verbunden sei. Um jemanden in die Hypnose zu versetzen, spricht der Arzt nur langsam und leiernd.

Wie viele Ärzte bieten Hypnose an?

Tausende Hypnotherapeuten sind in Deutschland organisiert. Dazu gehören viele Zahnärzte und Psychotherapeuten, aber auch Chirurgen und Unfallmediziner. Hinzu kommen Logopäden, Heilpraktiker und Hebammen. Die berufsbegleitende Ausbildung bis zum Zertifikat dauert mehrere Monate. "Es hypnotisieren mehr, als die meisten Menschen wissen", sagt Bernhard Trenkle, Mitglied im Vorstand der International Society of Hypnosis (ISH). Aber eine Hypnose-Ausbildung ist nicht Teil des Basis-Curriculums der ärztlichen Studiengänge.

Ist Hypnotherapie wirklich wissenschaftlich?

Seit 2006 ist sie vom wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie  in einigen wenigen Feldern anerkannt, etwa bei der Raucherentwöhnung. 2010 kamen Forscher der unabhängigen Cochrane Collaboration allerdings zu dem Ergebnis , dass die aktuelle Datenbasis nicht den Schluss zulasse, dass Hypnose helfe, von den Zigaretten loszukommen.

Ist Hypnose wie Meditation?

Beides sind bewusstseinsverändernde Zustände. Bei der Meditation aber wird der Einfluss der Umwelt auf das Ich möglichst ausgeschaltet, eine Leere erzeugt. Bei einer Hypnose fühlt der Mensch in sein Inneres vor und spaltet dort den Schmerz oder die Angst ab. Weil der Fokus ganz auf einem inneren Bild liegt - zum Beispiel auf einem Segelboot, das in der Sonne schaukeln oder einer entspannen Skiabfahrt im Tiefschnee - können störende Reize ausgeblendet werden.

Können Patienten gegen ihren Willen hypnotisiert werden?

Nein. Der Patient muss mitarbeiten. Die hypnotisierenden Ärzte und Therapeuten sind der Ansicht, dass die Patienten viele körperliche und seelische Probleme aus sich heraus behandeln können. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung gelten wissenschaftlich als nicht hypnotisierbar: Bei diesen Menschen klappt es einfach nicht.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Hypnose kann unerwünschte Effekte mit sich bringen. "Verwirrung, schwere Träume, Kopfschmerz oder Übelkeit kommen vor", berichtet der Psychologe Dirk Revenstorf auf der Info-Seite Hypnose.de . In seltenen Fällen könnten verdeckte Depressionen, Manie oder eine Psychose ausgelöst worden. Auch Re-Traumatisierungen seien möglich.

Wo setzen Zahnärzte die Hypnotherapie ein?

Bei den Zahnärzten gibt es nicht nur die Hypnose am Stuhl, etwa zur Schmerzlinderung beim Ziehen von Weisheitszähnen. "Die hypnotische Kommunikation kommt in jede Behandlung mit rein, ohne dass es der Patient bewusst mitbekommt", sagt Thomas Wolf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH). Schon vom ersten Anruf werde den Patienten vermittelt, dass die Praxis ein sicherer Raum sei, sie keine Angst haben müssten und sich dort wohlfühlen könnten.

Wie findet man einen Hypnose-Arzt?

Wichtig ist eine fundierte medizinische Grundausbildung. "Wenn jemand hochschwanger ist, ist eine Hebamme ohne hypnotherapeutische Ausbildung besser als ein Hypnotherapeut, der keine Ahnung von Entbindungen hat", sagt Trenkle von der ISH. Mit Vorsicht zu genießen seien auch Behandler, die meinen, mit Hypnose alle Krankheiten behandeln zu können. "Ich zum Beispiel bin auf Stottertherapie spezialisiert und mache fast nur das", sagt er. Zahlreiche wissenschaftlich fundierte deutschsprachige Hypnose-Gesellschaften haben das Portal Hypnose.de  eingerichtet. Auf den Webseiten der Gesellschaften finden sich Ärzteverzeichnisse.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie müssen Patienten die Behandlung meist selbst zahlen. Die gesetzlichen Krankenkassen würden die Hypnotherapie nur in Ausnahmefällen auf Antrag übernehmen. Bei den Privatkassen seien die Regelungen sehr unterschiedlich. Die Kosten liegen ihren Angaben zufolge zwischen 80 und 150 Euro für 50 Minuten Hypnosebehandlung.

Doreen Fiedler, dpa/wbr
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