Allergieschock nach Hyposensibilisierung Wie Elvis im Endstadium

Eine Hyposensibilisierung soll eigentlich Allergien bekämpfen. Frederik Jötten bekam davon Hitzewallungen und rote Flecken - und landete im Schockzustand.
Allergietest: "Heuschnupfen ist mit Sicherheit das gefährlichste, was Sie haben."

Allergietest: "Heuschnupfen ist mit Sicherheit das gefährlichste, was Sie haben."

Foto: Peter Roggenthin/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Wenn Ärzte anrufen, ist das meistens kein gutes Zeichen. Ich hatte nicht mit dem Hautarzt gerechnet, als ich um 18:20 an einem Freitag ans Telefon ging - und ich habe es selten so bereut, dass ich einen Anruf entgegen genommen habe. "Wollten Sie nicht heute kommen?", fragte er mich. Tja, da hatte er Recht, ich hatte mich angekündigt, um mir meine wöchentliche Spritze abzuholen. Der Inhalt: Pollen-Allergene. Eine Hyposensibilisierung, um meinen Heuschnupfen im Frühjahr loszuwerden und vor allem das Risiko zu verringern, dass daraus Asthma werden könnte.

Ständig diese Spritzen - nervig, und heute hatte ich den Termin tatsächlich vergessen. Aber als der Arzt mich anrief, ließ ich mich überreden, in die Praxis zu kommen. Überhaupt war ich zu der ganzen Therapie überredet worden, denn eigentlich war ich nur zum Dermatologen gegangen, um meine Muttermale kontrollieren zu lassen.

Auf die Frage nach Allergien sagte ich: "Ich habe Heuschnupfen." Seine Antwort: "Die meisten Menschen halten das für harmlos, aber das ist mit Sicherheit das gefährlichste, was Sie haben." Er sprach vom Etagenwechsel, die Allergie könne sich von der Nase in die Lunge verlagern - Asthma statt Heuschnupfen. Keine Sekunde zweifelte ich mehr daran, dass ich dringend die Hyposensibilisierung machen sollte, die der Arzt mir vorschlug.

Der Arzt machte einen Allergietest und fing eine Woche später an, mir in geringer Dosis Allergene zu spritzen, die bei mir in hoher Konzentration zu Niesattacken, Husten und juckenden Augen führen. Mein Immunsystem sollte sich so daran gewöhnen, dass die Allergene meinem Körper nicht schaden. "Eigentlich sollten Sie nach der Injektion noch eine halbe Stunde in der Praxis bleiben, aber das ist ein bisschen übervorsichtig", sagt der Arzt.

Abseits am Bahnsteig

Anfangs spürte ich kaum etwas. Er steigerte die Dosis, es juckte wie ein Mückenstich. Beim nächsten Mal wurde mein Arm dick - kein Grund zur Beunruhigung, sagte der Experte. An dem Freitagabend, an dem er mich telefonisch noch in seine Praxis gebeten hatte, injizierte er mir wiederum eine höhere Dosis Allergene in die Haut als zuvor. Direkt danach verließ der Arzt mit mir die Praxis und machte Feierabend.

Zuhause begann meine Kopfhaut zu jucken. Mir wurde heiß, sehr heiß, obwohl es ziemlich kühl war in meiner Wohnung. Fieber hatte ich nicht. Ich sah mich im Spiegel an und war schockiert. Das war Elvis im Endstadium, nur krebsrot. Meine Nase, ohnehin nicht zierlich, war ein Ballon, die Wangen geschwollen. Der Oberkörper war übersät mit roten Flecken.

Der Hautarzt und jeder normale Arzt hatten Feierabend. Sollte ich einen Notarzt rufen? Ich entschied mich, zum ärztlichen Notdienst zu fahren. Am Bahnsteig hielt ich Abstand von anderen Menschen. Wofür sollte man mich halten? Einen Alkoholiker, der im Suff auf der Sonnenbank eingeschlafen war? Einen Menschen mit einer heftigen Ganzkörper-Pilzinfektion? Mir reichte schon die Vorstellung, dass Menschen bei meinem Anblick viele Fragen durch den Kopf gehen würden. Ich bekam eine Idee davon, wie es sein muss, entstellt zu sein.

In der Notaufnahme bat mich der Arzt, mich auf die Pritsche zu legen. Seine schnelle Diagnose: "Sie haben einen allergischen Schock!" Ich bekam eine Infusion mit einem Cortison-Präparat und einem Antihistaminikum. Es ging mir schnell besser, Hitzewallungen und Juckreiz ließen nach. Zwei Stunden sollte ich dort liegen bleiben. Der Abend war gelaufen - und die Hyposensibilisierung auch, das schwor ich mir in diesem Moment.

HYPOSENSIBILISIERUNG - FRAGEN AN DEN EXPERTEN

Wie gut funktioniert die Allergie-Therapie?Müssen die Allergene immer gespritzt werden?Welche Gefahren drohen?

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