Selbstzahler-Leistungen Krankenkassen warnen vor Abzocke beim Arzt

Augeninnendruck messen oder ein Ultraschall der Eierstöcke: Ärzte bieten Patienten häufig kostenpflichtige Zusatzuntersuchungen an. Dabei können manche den Patienten sogar schaden, kritisieren die Krankenkassen.
Ultraschalluntersuchung (Symbolbild)

Ultraschalluntersuchung (Symbolbild)

Foto: Angelika Warmuth/ dpa

Patienten geben in Deutschland jährlich etwa eine Milliarde Euro für Leistungen beim Arzt aus, die sie selbst bezahlen müssen. Krankenkassen warnen jedoch davor, dass viele der angebotenen Untersuchungen nutzlos seien oder sogar der Gesundheit schaden könnten.

Unter Individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) fallen alle Therapien, für die Krankenkassen nicht aufkommen. Das Angebot reicht von der professionellen Zahnreinigung über die Laserbehandlung von Krampfadern und Reiseimpfungen bis zur Augeninnendruckmessung zur Früherkennung des grünen Stars.

Mehrere der angebotenen Untersuchungen widersprächen den Empfehlungen von Berufsverbänden, teilte der Medizinische Dienst des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen mit. Die Angebote orientierten sich häufig nicht am nachgewiesenen Nutzen, sondern an Vorlieben von Arztgruppen und Umsatzinteressen der Praxen, sagte Geschäftsführer Peter Pick. "Zum Teil werden Patienten unter Druck gesetzt, damit sie solche Leistungen annehmen. Das ist nicht hinnehmbar."

"Kunstfehler"

Das von Ärzten am häufigsten verkaufte Angebot war laut einer Umfrage unter 2000 gesetzlich Versicherten eine Messung des Augeninnendrucks zur Früherkennung des grünen Stars. Eine alleinige Messung ohne eine Augenspiegelung werde vom Berufsverband aber als "Kunstfehler" eingestuft, kritisiert der Medizinische Dienst.

Frauen werde am häufigsten eine Ultraschall-Untersuchung der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung angeboten. Dabei sei seit Langem bekannt, dass die Untersuchung in der Regel nur einen kleinen Nutzen hat und das Risiko einer falschen Diagnose steigt, die den Patientinnen erheblich schaden kann.

Zudem gaben nur vier Prozent der befragten Patienten an, selbst nach den zusätzlichen Leistungen gefragt zu haben. Jeder Dritte fühlte sich demnach sogar von einem Arzt bedrängt oder unter Druck gesetzt. "Wir sehen ein großes Potenzial zur Bereinigung des Igel-Marktes und zum Schutz der Patienten vor unnötigen und schädlichen Leistungen", sagte Pick.

Der Berufsverband der Frauenärzte weist die Vorwürfe entschieden zurück. Die Kritik diene vor allem dazu, zusätzliche Leistungen in Misskredit zu bringen und das Misstrauen gegenüber Ärzten zu schüren. Dabei seien viele Igel-Angebote so sinnvoll, dass sie eigentlich Kassenleistungen sein sollten.

Der Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, Christian Albring, räumt beispielsweise ein, dass ein Ultraschall allein zum Screening auf Eierstockkrebs ungeeignet sei. Allerdings ließen sich dadurch gewebliche Veränderungen besser beurteilen. "Es scheint, dass die Krankenkassen diese Untersuchung so massiv kritisieren, um möglichst lange zu verhindern, den Ultraschall als Screeningmethode in die Regelversorgung aufzunehmen", glaubt Albring.

koe/dpa/AFP
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