Masern WHO erklärt Impfgegner zur globalen Bedrohung

Eigentlich sollten die Masern bald ausgerottet sein. Doch weil einige Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen wollen, breitet sich die gefährliche Krankheit weiter aus. Die WHO führt Impfgegner deshalb nun als Bedrohung.

Kind bei Impfung (Symbolbild)
Sergei Chuzavkov/AP

Kind bei Impfung (Symbolbild)


Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Vermeidung oder Verzögerung von Impfungen in die Liste der globalen Gesundheitsbedrohungen aufgenommen. Aus der Sicht der Experten geht von Impfgegnern damit ein ähnlich großes Risiko für die weltweite Gesundheit aus wie von Ebola, Antibiotikaresistenzen und Luftverschmutzung.

Das Problem: Je weniger Menschen geimpft sind, umso leichter breiten sich Krankheiten aus, die eigentlich ausgerottet werden könnten. Ein Beispiel dafür sind die Pocken. Durch konsequentes Impfen gibt es die Viren außerhalb von Laboren nicht mehr. Wer heute geboren wird, ist deshalb auch ohne Impfung geschützt.

Zahl der Masernfälle um 30 Prozent gestiegen

Auch die Masern sollten eigentlich bis 2020 ausgerottet werden. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Infektionen aber um bis zu 30 Prozent zugenommen, kritisiert die WHO. Ein Grund sei die wachsende Zahl der Impfgegner in Industrienationen und in arabischen Ländern.

Auch in Deutschland ist die Zahl der Masernerkrankungen angestiegen. Im Jahr 2017 wurden beispielsweise 929 Masernfälle gemeldet, 2016 dagegen nur 325. Um Ausbrüche zu verhindern, müssten 95 Prozent der Bevölkerung immunisiert sein. Doch in Deutschland wird diese Quote nicht in allen Altersgruppen erfüllt.

Die Masern sind extrem ansteckend und entgegen hartnäckiger Gerüchte keine unbedenkliche Kinderkrankheit. Die Viren werden beim Sprechen, Husten oder Niesen über kleine Tröpfchen in der Luft übertragen. Die Erkrankung geht zunächst mit grippeähnlichen Symptomen und später einem charakteristischen Hautausschlag einher. Die Infektion schwächt das Immunsystem immens, weitere Infektionen sind darum häufig.

Eine gefürchtete Folge ist eine Gehirnentzündung, die Masern-Enzephalitis, die tödlich oder mit bleibenden Schäden enden kann. Als Spätfolge einer Maserninfektion kann sich zudem nach Jahren eine sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) ausbilden, eine Entzündung der Nervenzellen des Gehirns und des Rückenmarks. Sie führt zum Ausfall von Gehirnfunktionen und schließlich zum Tod.

Eltern, die ihren Kinder den Pikser ersparen wollen oder vermeintliche Nebenwirkungen fürchten, könnten ihrem Nachwuchs deshalb schaden statt schützen. Außerdem bringen sie andere Kinder in Gefahr, die noch zu jung sind für eine Impfung. (Mehr über die Debatte zu vermeintlichen Impfrisiken lesen Sie hier). Einige Ärzte fordern deshalb eine Impfpflicht.

Im Video: Die bizarre Welt deutscher Impfgegner

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koe



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