Deutlich mehr Fälle Die Grippewelle hat begonnen

Zwei Saisons fiel die Influenzawelle in Deutschland weitgehend aus – jetzt erkranken relativ viele Menschen zu einem ungewöhnlich frühen Zeitpunkt. Was ist zu erwarten, wer sollte sich impfen lassen? Der Überblick.
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Zwei Saisons fiel die Grippewelle in Deutschland weitgehend aus – seit einigen Wochen aber, und damit vergleichsweise früh, werden nun vermehrt Fälle gemeldet. Ein Überblick.

Wann hat die Grippewelle begonnen?

Wann man von einer Grippewelle spricht, legt das Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland fest. Es hat nun rückwirkend den Start der Welle in der Woche ab dem 24. Oktober verkündet. Das geht aus dem wöchentlichen Bericht  zu akuten Atemwegserkrankungen vom Mittwochabend hervor.

Diese Einschätzung des RKI beruht aus Daten aus einem Überwachungssystem, bei dem Proben von Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen untersucht werden. Routinemäßig wird dabei nach verschiedenen Erregern gesucht, etwa Rhinoviren, Sars-CoV-2, RSV und Grippe (Influenza). Die Grippewelle beginnt laut Definition des RKI – vereinfacht gesagt –, wenn in mindestens 20 Prozent der Fälle, in denen ein Virus entdeckt wird, dies ein Influenzavirus ist.

In der Woche ab dem 31. Oktober war dies bei 17 Prozent der Fall, in der Woche zuvor bei 23 Prozent. Aktuell werden etwa 100 bis 150 sogenannte Sentintelproben pro Woche geprüft.

Aktuell gehen Atemwegserkrankungen auf die gleichzeitige Verbreitung verschiedener Erreger zurück, so das RKI. Neben Grippeviren sind dies Rhinoviren, Respiratorische Synzytialviren (RSV), Parainfluenzaviren und Sars-CoV-2.

Was ist dieses Jahr ungewöhnlich?

»Während der letzten Monate wurden deutlich mehr Influenzameldungen an das RKI übermittelt als in den vorpandemischen Saisons um diese Zeit«, heißt es im Bericht. Wahrscheinlich beruhe dies unter anderem auch auf der Empfehlung seit der Coronapandemie, dass bei Atemwegssymptomen auch auf Influenzaviren getestet werden sollte.

Für vergangene Woche seien bislang mehr als 2100 Grippefälle übermittelt worden – und seit Saisonbeginn im Oktober insgesamt rund 8330. Besonders viele Meldungen kamen demnach aus Bayern und Nordrhein-Westfalen. Berichtet wird zudem über 13 Ausbrüche mit mindestens fünf Fällen, etwa an Schulen und Kindergärten.

Die jährliche Grippewelle begann in den Jahren vor Corona laut RKI meist im Januar und dauerte drei bis vier Monate. In den vergangenen beiden Saisons veränderten die Pandemie und die dagegen getroffenen Maßnahmen den gewohnten Verlauf jedoch stark: 2020/21 fiel die Grippewelle weltweit aus. Und auch 2021/22 kam es in Deutschland nicht zu einer Welle im gewohnten Maßstab, die Meldezahlen gingen erst nach den Osterferien und damit sehr spät etwas in die Höhe.

Wie schwer wird die Grippewelle?

Grippewellen sind immer sehr unterschiedlich stark ausgefallen – und waren schwer vorhersagbar. Deshalb ist unklar, was dieses Jahr zu erwarten ist.

Allerdings ist laut RKI »denkbar«, dass die Bevölkerung in erhöhtem Maß und/oder ein erhöhter Anteil der Bevölkerung anfällig ist für die Erreger. Fachleute hatten von zu erwartenden Nachholeffekten gesprochen. Das heißt: Wer länger keine echte Grippe hatte, könnte nun wieder erkranken. In Australien gab es eine relativ heftige Grippewelle mit vielen Erkrankungen.

Erwachsene machten die Grippe in der Regel ohnehin nur alle paar Jahre durch, hatte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, kürzlich gesagt: »Das, was umgangssprachlich als Grippe bezeichnet wird, ist ja meist nur eine Erkältung. Bei Influenza kann man schon mal eine Woche flachliegen.«

Anzunehmen sei, dass mehr kleinere Kinder als üblich keinen optimalen Immunschutz gegen die Grippe haben, weil ihnen ihre ersten Grippeinfektionen jetzt erst bevorstehen. Bei ihnen verlaufe die Krankheit in der Regel aber nicht schwer.

Die Meldezahlen zur Grippe sind nur ein Ausschnitt der tatsächlichen Lage: Die Zahl der Infektionen während einer Grippewelle wird nach RKI-Angaben auf 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung geschätzt, was in Deutschland etwa 4 bis 16 Millionen Menschen entspreche.

Nicht jeder Infizierte erkrankt. Die Zahl der Todesfälle durch die Grippe wird in Nachhinein geschätzt, sie schwankt zwischen mehreren hundert und 25.000 Todesfällen in einer Saison.

Wem wird eine Grippeimpfung empfohlen?

Eine Grippeschutzimpfung wird in Deutschland unter anderem Menschen ab 60, Schwangeren, chronisch Kranken, Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen und Menschen mit erhöhtem beruflichen Risiko empfohlen. Menschen ab 60 wird zu einem sogenannten Hochdosis-Impfstoff geraten, der eine deutlich höhere Menge an Antigengen enthält. Für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 2 und 17 Jahren gibt es einen Lebendimpfstoff, der als Nasenspray verabreicht wird. Es dauert etwa 10 bis 14 Tage, bis das Immunsystem nach einer Impfung den vollen Schutz aufgebaut hat.

wbr/dpa

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