Institutsbericht Experten raten vom PSA-Screening für Prostatakrebs ab

Mehr Schaden als Nutzen: Laut einem aktuellen Bericht sollte die Prostatakrebs-Früherkennung mittels PSA-Wert nicht von den Kassen gezahlt werden. Was für die Untersuchung spricht - und was dagegen.
Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist nicht nur bei Prostatakrebs erhöht

Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist nicht nur bei Prostatakrebs erhöht

Foto: iStockphoto/ Getty Images

Etwa 57.000 Männer erkranken in Deutschland binnen eines Jahres an Prostatakrebs, es ist damit die häufigste Tumorerkrankung bei ihnen. Knapp 14.000 sterben jährlich an den Folgen. Der sogenannte PSA-Test verspricht, die Krankheit früh zu entdecken und so Männern durch eine rechtzeitige Therapie die Chance zu geben, den Krebs zu überleben. In einigen Fällen gelingt dies tatsächlich.

Ist es also sinnvoll, den Tests allen Männern ab einem bestimmten Alter anzubieten, und nicht nur jenen, bei denen bereits ein Verdacht auf die Krebserkrankung besteht oder die ein erhöhtes Risiko haben?

Nein, urteilt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem aktuellen Vorbericht . Denn der Test richtet insgesamt so viel Schaden an, so die Beurteilung des IQWiG, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten nicht tragen sollten.

Studien, die das IQWiG ausgewertet hat, sprechen dafür, dass der Schaden größer ist als der Nutzen. Wer denkt, ein Krebstest könne nur positive Folgen haben und keine negativen, irrt.

In insgesamt elf Studien mit mehr als 400.000 Teilnehmern, die entweder regelmäßig zu PSA-Tests eingeladen wurden oder nicht, hat sich folgendes herausgestellt.

Die Vorteile des PSA-Screenings:

  • Von 1000 Männern, die zur Krebsfrüherkennung eingeladen werden, werden im Laufe von zwölf Jahren etwa drei vor einem metastasierenden Krebs bewahrt.
  • Über einen Zeitraum von 16 Jahren sterben von 1000 Männern drei weniger an Prostatakrebs. Allerdings sinkt die sogenannte Gesamtsterblichkeit nicht. Im Schnitt sind Patienten 72 Jahre alt, wenn sie an Prostatakrebs erkranken. Viele Betroffene sterben deshalb nicht an Prostatakrebs, sondern an etwas anderem.

Die Nachteile des PSA-Screenings:

  • Bei mehr als 200 von 1000 Teilnehmern der Früherkennung entsteht aufgrund eines erhöhten PSA-Werts der Verdacht, dass sie an Krebs erkrankt sind, was sich aber im Nachhinein nicht bestätigt. Die Menge des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut ist nämlich nicht nur bei Prostatakrebs erhöht. Diese Befunde sind für die Männer belastend; die zur Abklärung durchgeführte Entnahme von Gewebe (Biopsie) kann außerdem zu Infektionen führen.
  • Etwa 35 bis 60 von 1000 Männern erhalten die Diagnose Prostatakrebs, obwohl bei ihnen der Krebs nie ein Problem geworden wäre; man spricht von Überdiagnosen. Die folgende - eigentlich unnötige - Krebstherapie kann bei diesen Männern dauerhaften Schaden anrichten.

"Screeningmaßnahmen können erhebliche Schäden nach sich ziehen", sagt IQWiG-Leiter Jürgen Windeler. "Beim PSA-Screening kommt es insbesondere zu einer beträchtlichen Zahl von Überdiagnosen, die an sich belastend sind, vor allem aber Übertherapien nach sich ziehen und letztlich zu schwerwiegenden und langanhaltenden Komplikationen wie Inkontinenz und Impotenz führen können."

Das Screening würde deshalb deutlich mehr Männern schaden als nutzen, ist das Fazit des Instituts.

Erst kürzlich hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin in einer neuen Leitlinie eine ähnliche Empfehlung gegeben: Die Früherkennung mittels PSA-Wert solle Männern nicht aktiv angeboten werden. Falls Patienten von sich aus fragen, sollten sie über Vor- und Nachteile aufgeklärt werden. Das Ziel dabei sei, Männer vor Überdiagnostik und Übertherapie zu schützen.

Während die Kassen die Kosten des PSA-Tests nicht übernehmen, zahlen sie eine andere Prostatakrebs-Früherkennung: das Abtasten der Prostata durch einen Arzt. Wie das Verhältnis von Nutzen und Schaden bei dieser Untersuchung ist, hat das IQWiG nicht untersucht, das aktuell nur den Auftrag hatte, den PSA-Test zu prüfen. Es gebe allerdings keinen Grund, anzunehmen, dass sie in einer Bewertung besser abschneiden würde, schreibt das Institut.

wbr