Ironman in Frankfurt und die Hitze Große Gefahr für Sportler und Publikum

Am Wochenende sollen die Temperaturen in Frankfurt auf 40 Grad steigen - ein Risiko für Teilnehmer und Besucher des Ironman. Ärzte warnen, dass auch das Zuschauen bei großer Hitze gefährlich werden kann.

Extreme Anstrengung bei großer Hitze ist eine besondere Herausforderung für den Körper
Robert Daly/ Caiaimage/ Getty Images

Extreme Anstrengung bei großer Hitze ist eine besondere Herausforderung für den Körper


Wer bei 40 Grad im Schatten Extremsport machen will, muss einige Dinge beachten - und wer dabei zuschauen will, auch. "Das ist ein riesengroßes Problem. Die Sportler können wir gut vorbereiten, das Publikum erreichen wir nur schwer" sagt Michael Sroka vom Deutschen Roten Kreuz, ärztlicher Leiter des Ironman in Frankfurt, der diesen Sonntag stattfindet.

Rund 3000 Triathleten werden am Sonntag in Frankfurt am Main zum 17. Ironman antreten. Angekündigt sind Temperaturen von bis zu 40 Grad. Das Rennen beginnt um 6.25 Uhr mit 3,8 Kilometern Schwimmen, dann folgen 185 Kilometer auf dem Rad. Nachdem sie in der Mittagshitze laufend noch 42,195 Kilometer zurückgelegt haben, werden die ersten Sportler gegen 14.30 Uhr im Ziel erwartet.

Mehr Abbrecher und mehr Dehydrierungen

"Die Sportler haben sich im Training darauf vorbereitet, ihre Körperkerntemperatur auch bei hohen Temperaturen und großer Anstrengung konstant zu halten. An den Aid-Stations entlang der Strecke können sie sich mit Eis und Getränken versorgen", sagt Sroka. Trotzdem erwarten er und sein Team unter den Läufern bei diesen Temperaturen mehr Abbrecher und mehr Dehydrierungen.

Darauf sei sein Team aus 350 Helferinnen und Helfern, mit rund 35 Ärztinnen und Ärzten, aber sehr gut eingestellt. "Alles, was man vorbereiten kann, haben wir vorbereitet", meint Sroka - insgesamt habe er 2000 Infusionen bestellt.

Zwölf Tonnen Eis zum Kühlen

Sroka sorgt sich allerdings um die Zuschauer der Großveranstaltung: "Tragen Sie Sonnenschutz und Sonnencreme. Trinken Sie ausreichend, gehen Sie in den Schatten. Vergessen Sie auch die Schutzmaßnahmen bei Ihren Kindern nicht," appelliert er an alle Besucher.

Der Veranstalter hat auf die Wetterprognosen bereits reagiert. Laut dpa wird es zusätzlich zu 30.000 Litern Wasser an den Verpflegungsstellen für die Sportler zwölf Tonnen Eis zum Kühlen geben. Außerdem werden ein Drittel mehr Elektrolytgetränke zur Verfügung gestellt und die Laufstrecke am Mainufer hat sich demnach leicht verändert - sie bietet auf einer Länge von 2,8 Kilometern nun zusätzlich Schatten.

Arzt rät von Leitungswasser ab

Bei Hitze sei es besonders wichtig ausreichend Elektrolyte, also Mineralstoffe, zu sich zu nehmen, so Sroka, "Leitungswasser ist vor allem für die Sportler ein Kardinalfehler bei diesen Temperaturen." Bei starkem Schwitzen sinkt der Gehalt an Mineralien wie Natrium, Calcium oder Chlorid im Blut. Durch elektrolythaltige Getränke kann das ausgeglichen werden, in Leitungswasser sind hingegen wenige Mineralien enthalten.

Das zeigte auch ein Todesfall in Folge des Ironmans 2015 in Frankfurt auf, über den die Frankfurter Rundschau berichtete. Ein Läufer hatte bei ähnlichen Temperaturen während des Wettbewerbs sehr viel Leitungswasser getrunken. Durch das viele Schwitzen und die gleichzeitig hohe Flüssigkeitszufuhr war der Natriumgehalt seines Blutes deutlich gesunken. Der Brite brach nach dem Eintreffen ins Ziel zusammen und verstarb einige Tage danach an einem Hirnödem. Ärzte vermuten, dass dieses eine Folge des starken Natriummangels war.

hle/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zeisig 29.06.2019
1. Falsche Reihenfolge.
Zuerst am frühen Morgen Laufen, dann Radfahren und in der Mittagshitze schwimmen. So macht man das. Aber auf diese Idee kommen die Veranstalter anscheinend nicht. Mittags laufen bei dieser Hitze, was für eine Schnapsidee !
stedaros 29.06.2019
2. unsinn
Hitzetechnisch mag das vielleicht stimmen. wer aber einen Marathon läuft und dann noch 180 km Rad fährt läuft gefahr beim abschließenden Schwimmen bei Muskelkrämpfen zu ertinken. Und es wird viele Muskelkräpfe geben.
don_leonardo_al_dente 29.06.2019
3. Regeln,
Zitat von zeisigZuerst am frühen Morgen Laufen, dann Radfahren und in der Mittagshitze schwimmen. So macht man das. Aber auf diese Idee kommen die Veranstalter anscheinend nicht. Mittags laufen bei dieser Hitze, was für eine Schnapsidee !
sind Regeln, sind Regeln. Die Reihenfolge ist nun mal vorgeschrieben - sonst ist es kein iron(wo)man mehr. Zudem ist Schwimmen als Schlussdiziplin erst recht eine Schnapsidee. Einen entkräfteten Läufer kann man ohne Probleme leicht "auffangen", ein entkräfteter Schwimmer geht unter und ertrinkt womöglich - insbesonders im Meer vor Hawaii. Auch Radfahren als letzte Diziplin ist nicht optimal, da würden wohl einige Fahrer im Graben oder am Baum enden. Deshalb erst denken und dann Schnaps drinken!
zoon.politicon 29.06.2019
4. Richtig schwitzen, kühlen "von aussen"
Gerade beim Laufen bei Hitze und in der Sonne kann man evtl. nicht so viel trinken bzw. "Schwitzen", wie nötig wäre, um die Körpertemperatur niedrig zu halten. Da hat sich Kühlung von Aussen bewährt, indem man z.B.alle 2 km 2 Becher Wasser über sich schüttet, unter einer Dusche durchläuft o.ä., bewährt. Hitze-trainierte Ausdauersportler sparen übrigens beim Schwitzen Salz ein, indem sie weniger Salz beim Schwitzen über die Haut mit ausscheiden (nur ca. 1/4 soviel, wie nicht Hitze-Adaptierte). Einfacher Test: über die Stirn streichen: der Schweiss soll eher wie Wasser und mögl. wenig salzig schmecken, dann stimmts. Radprofis wissen auch: wenn sich beim Konkurrenten beim Schwitzen Salzränder am Trikot zeigen, schwitzt er zuviel Salz aus und ist bald platt.
gumbofroehn 29.06.2019
5.
Zitat von zeisigZuerst am frühen Morgen Laufen, dann Radfahren und in der Mittagshitze schwimmen. So macht man das. Aber auf diese Idee kommen die Veranstalter anscheinend nicht. Mittags laufen bei dieser Hitze, was für eine Schnapsidee !
Der war gut ... dann nehmen die Herren in der Leichtathletik beim Kugelstoßen ab 30 Grad die Juniorenkugel und ab 40 Grad die Damenkugel. Eine festgelegte Wettkampfform wie den Triathlon kann man nicht mal eben ändern und die Reihenfolge ist nun mal Schwimmen, Radfahren, Laufen. Das Einzige, was bei diesen Bedingungen bliebe, wäre die Absage. Allerdings sind Hitze, Schwüle und Wind beim Original auf Hawaii ständige Begleiter. Schlimmer werden die Bedingungen dieses Mal in Frankfurt in der Gesamtschau auch nicht. Wer so fit ist, eine Ironman-Distanz zu bewältigen, kann damit in der Regel umgehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.