SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

28. Juli 2017, 15:32 Uhr

Masernausbruch

Italien beschließt Impfpflicht gegen zehn Krankheiten

Masern, Mumps, Polio, Keuchhusten: In Italien werden insgesamt zehn Impfungen für Kinder verpflichtend. Weigern sich Eltern, dürfen die Kleinen nicht in den Kindergarten und es drohen Geldbußen.

Italien hat nach einem Masernausbruch Pflichtimpfungen für alle Kinder und Jugendlichen unter 17 Jahren beschlossen. Das Parlament in Rom stimmte am Freitag mit 296 zu 92 Stimmen dafür. Impfgegner hatten vor dem Beschluss in ganz Italien zu Tausenden gegen das Gesetz demonstriert.

Bereits im Mai hatte die Regierung das Gesetz erlassen, nun folgte die nötige Abstimmung im Parlament.

Eltern müssen ihre Kinder nun gegen zehn Krankheiten impfen lassen. Laut einem Bericht von "Il Post" gilt dies für sechs Impfungen unbegrenzt: Diphterie, Hepatitis B, Haemophilus influenzae b (Hib), Keuchhusten, Polio und Tetanus. Weitere vier Impfungen sind bis zu einer Überprüfung in drei Jahren Pflicht - und zwar jene gegen Masern, Mumps, Röteln sowie Windpocken. Zwei weitere - gegen Meningokokken B und C - sind nun doch nicht wie zunächst geplant verpflichtend.

Weigern sich Eltern, dürfen sie ihre Kinder nicht mehr in den Kindergarten bringen und können mit einem Bußgeld von 500 bis 1000 Euro belegt werden. Die Impfungen dürfen nur verschoben oder ausgelassen werden, wenn medizinische Gründe vorliegen, die ein Arzt attestiert.

Die Masern-Epidemie hat seit Jahresbeginn in Italien bereits zu drei Toten geführt. 3672 Menschen steckten sich offiziellen Daten zufolge bis Mitte Juli an. Lediglich 87 Prozent der Italiener sind gegen Masern geimpft. Um eine Ausbreitung der hochansteckenden Erreger effektiv zu unterbinden, ist eine Impfquote von 95 Prozent nötig.

Kritiker befürchten Nebenwirkungen von Impfungen, die zu einem großen Teil nicht belegt sind. Italiens mittlerweile größte Oppositionspartei, die populistische Fünf-Sterne-Bewegung, machte sich die Kritik teilweise zu eigen.

wbr/dpa

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung