Vorschlag von Minister Spahn Ärzte sollen Apps verschreiben dürfen

Onlinetagebuch für Diabetiker oder digitale Hilfen für Schwangere: Krankenkassen könnten künftig die Kosten für bestimme Apps übernehmen. Zumindest wenn es nach Gesundheitsminister Jens Spahn geht.
Blutdruck checken: Krankenkassen sollen Kosten für bestimmte Apps übernehmen, fordert Jens Spahn

Blutdruck checken: Krankenkassen sollen Kosten für bestimmte Apps übernehmen, fordert Jens Spahn

Foto:

Uwe Umstaetter/ Westend61 / Getty Images

Verschreibt der Arzt bald nicht mehr nur Tabletten oder Krücken, sondern auch mobile Anwendungen für Smartphones, Smartwatches oder Tablets? Genau das sieht ein Entwurf für ein neues Digitalisierungsgesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor. Die Kosten sollen von den Krankenkassen übernommen werden. "Patienten sollen sich darauf verlassen können, dass sinnvolle digitale Anwendungen - z. B. Apps oder Diagnose-Tools - schnell in die Versorgung kommen", schreibt der CDU-Politiker auf Twitter.

Gemeint seien Gesundheits-Apps wie digitale Tagebücher für Diabetiker oder Apps für Menschen mit Bluthochdruck. Spahn will auch weitere digitale Angebote stärken. So sollen Patienten künftig leichter Arztpraxen finden können, die auch Videosprechstunden anbieten. "Der Patient von morgen wird immer noch einen Arzt brauchen", argumentiert Spahn. "Aber er wird keinen Arzt mehr ernst nehmen, der nur noch über Karteikarten arbeitet."

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Kostenübernahme soll nur für Anwendungen gelten, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Sicherheit, Datenschutz, Transparenz und Nutzerfreundlichkeit geprüft wurden, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" . Demnach sollen Hersteller die App ein Jahr lang anbieten und den Preis selbst bestimmen dürfen. Danach müssten sie nachweisen, dass die Anwendung die Versorgung verbessere. Erst dann sollen sie mit Krankenkassen über die Kostenübernahme verhandeln können.

Honorarkürzung für "Analog"-Ärzte?

Auch die elektronische Patientenakte soll dem Entwurf zufolge umfangreicher werden und auch Impfausweis, Mutterpass oder Zahn-Bonusheft umfassen. In einem bereits beschlossenen Gesetz ist geregelt, dass die Kassen ihren Versicherten spätestens ab 2021 eine elektronische Patientenakte anbieten müssen, auf die sie mit Smartphone oder Tablet zugreifen können.

Ärzten, die sich nicht an digitaler Patientenversorgung beteiligen, drohen von März 2020 an Honorarkürzungen um 2,5 Prozent, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Der Referentenentwurf geht nun in die Ressortabstimmung.

Längst nicht alle Ärzte sind von Spahns Digitalisierungsplänen begeistert. Anfang der Woche warnten Mediziner in einem offenen Brief an Spahn, Patientendaten seien nicht ausreichend vor Hackerangriffen geschützt.

"Es kann doch nicht sein, dass die zertifizierten Techniker die Geräte installieren und dabei teilweise Schutzsysteme der Praxis vor Hackerangriffen deaktiviert werden, damit die TI reibungslos funktioniert," sagte Bernhard Salomon der IG Med Deutsche Ärztegewerkschaft und forderte, Patientendaten nur im sogenannten Kiosk-Modus zu verarbeiten, wie es auch in Frankreich üblich sei. Also ohne Telematik oder den Austausch sensibler medizinischer Daten in einem unsicheren Netzwerk.

koe/dpa/AFp
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.