Krebsprävention Spahn unterstützt Zigarettenwerbeverbot

Nirgends in der EU dürfen Zigarettenhersteller so ungehemmt für ihre Produkte werben wie in Deutschland - vor allem dank der CDU. Gesundheitsminister Spahn will nach SPIEGEL-Informationen gegensteuern.

Jens Spahn am 6. Februar in Berlin
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Jens Spahn am 6. Februar in Berlin


Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant, sich für ein weitreichendes Werbeverbot für Zigaretten einzusetzen. "Die Zahlen sprechen für sich: Ein Fünftel aller neuen Krebserkrankungen lassen sich allein aufs Rauchen zurückführen", sagte Spahn dem SPIEGEL. "Als Gesundheitsminister unterstütze ich deshalb Vorschläge, die Tabakwerbung weiter einzuschränken."

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Vor allem junge Menschen müssten davon überzeugt werden, "dass Rauchen überhaupt nicht cool, sondern sehr schädlich ist". Bislang haben vor allem Unionspolitiker ein Verbot blockiert.

Deutschland ist der einzige Mitgliedstaat in der EU, in dem es der Industrie noch gestattet ist, an Litfaßsäulen, Bushaltestellen oder Hauswänden für Zigaretten zu werben. In der vorigen Legislaturperiode hatte sich das Kabinett auf einen Gesetzentwurf geeinigt, der Tabakwerbung an Außenflächen von 2020 an verbieten sollte. Doch das Gesetz wurde nie beschlossen.

Union diskutiert über Kompromiss beim Werbeverbot

Eine erneute Festlegung auf ein Verbot ließ die Unionsfraktionsspitze aus einem Entwurf des aktuellen Koalitionsvertrags streichen. Hinter den Kulissen führen Fachpolitiker der Union derzeit Gespräche, um einen Kompromiss zu finden. Denkbar wäre es demnach, neuartige Verdampfer vom Werbeverbot auszunehmen.

Eigentlich hatten sich Bundesregierung und Bundestag schon 2004 gegenüber der Weltgesundheitsorganisation verpflichtet, ein "umfassendes Verbot aller Formen von Tabakwerbung" zu erlassen, spätestens bis 2010. Alle anderen EU-Staaten haben die Plakatreklame für Tabakprodukte daraufhin verboten, zuletzt Bulgarien.

Spahn hatte in dieser Woche mit einem Tweet für Aufregung gesorgt, in dem er für "nicht (mehr) rauchen" warb, um Tumoren vorzubeugen. Nach Kritik von Krebskranken hatte er sich via Twitter entschuldigt.

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insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
Fuscipes 08.02.2019
1.
Als süchtiger Raucher kann ich mich hier ausnahmsweise mal Span anschliessen. Die Bildchen auf den Packungen sollten ebenfalls verboten werden.
biesi61 08.02.2019
2. Wieso muss man da wieder einen Kompromiss suchen?
Tabakwerbung gehört verboten und ist es inzwischen auch in fast allen zivilisierten Staaten der Welt. Punkt!
spon_12 08.02.2019
3.
Zitat von FuscipesAls süchtiger Raucher kann ich mich hier ausnahmsweise mal Span anschliessen. Die Bildchen auf den Packungen sollten ebenfalls verboten werden.
Warum? Find ich nur fair, dass den Leuten gesagt wird, was ihnen und teilweise auch anderen droht.
krautrockfreak 08.02.2019
4. Auch hier kann man wieder gut sehen, wie unsere Politiker die
Wirtschaft hofieren und nichts tun, was gegen ihre Interssen ist. Überall Lobbyismus dank Heerscharen von Politikern, die nur daran denken, möglichst schnell in irgendeinen Aufsichtsrat eines Unternehmens zu kommen. Wir brauchen endlich reinrassige Berufspolitiker, die nur in Rente gehen können, aber nicht in die Wirtschaft wechseln dürfen.
seikor 08.02.2019
5. aber...
.... aber der "gesunde Menschenverstand" sagt einem doch, dass es überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Rauchwerbung und Krebstoten geben kann. Die Leute sterben doch mit oder ohne Rauchen doch alle /ironieAus. Morgen gibts dann wohl wieder so ein Pamphlet von 100 Lungenfachärzten, die erzählen, dass in ihren Praxen noch niemand während des Rauchens gestorben sei... Weg mit der Werbung! Schützt das Leben und den Geldbeutel unserer Kinder!
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