"So okay" Spahn will Homöopathie auf Kassenkosten nicht antasten

Sollen Krankenkassen die Kosten für homöopathische Arzneien übernehmen? Gesundheitsminister Spahn beendet den Streit mit einer einfachen Rechnung.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
Tom Weller/dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will umstrittene Kostenübernahmen für homöopathische Arzneimittel durch die Krankenkassen nicht antasten. Er verwies am Dienstagabend in Berlin beim "Berliner Salon" des Redaktionsnetzwerks Deutschland darauf, dass die gesetzlichen Kassen bei Arznei-Ausgaben von rund 40 Milliarden Euro im Jahr etwa 20 Millionen für Homöopathie zahlten. Darüber könne man emotional diskutieren und dabei vielen vor den Kopf stoßen. Oder man könne sich fragen, ob es das angesichts der gesamten Größenordnung wert sei. Er habe sich entschlossen, es sei "so okay".

In Deutschland wird über das Thema heftig diskutiert. Wer solche Mittel haben wolle, solle sie erhalten, "aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft", hatte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, kürzlich gesagt. Er verwies auf nicht ausreichende wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit homöopathischer Mittel.

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach sieht es genauso: Er will gesetzlichen Krankenkassen die Kostenerstattung von Homöopathie untersagen. "Wir müssen in der GroKo darüber reden", sagte er.

Homöopathie gehört nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen. Allerdings erstatten viele Kassen Versicherten homöopathische Behandlungskosten, weil es eine Nachfrage gibt. Dies ist auch ein Instrument im Konkurrenzkampf.

In Frankreich ist eine andere Entscheidung gefallen: Dort sollen homöopathische Arzneimittel ab 2021 nicht mehr erstattet werden. Die Oberste Gesundheitsbehörde (HAS) hat nach eigenen Angaben neun Monate lang fast 1200 homöopathische Arzneimittel geprüft und mehr als 1000 wissenschaftliche Publikationen analysiert. Am Ende kam die Behörde zum Ergebnis, dass eine Wirksamkeit nicht nachgewiesen werden kann. Die HAS betonte außerdem, dass die Anwendung der Homöopathie bei schwerwiegenden fortschreitenden Krankheiten die medizinisch notwendige Behandlung nicht verzögern darf.

Die derzeitige Erstattung von 30 Prozent der Kosten in Frankreich wird zunächst zum Jahreswechsel auf 15 Prozent abgesenkt. 2021 soll es dann gar keine Kostenübernahme mehr geben. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn erklärte, die Übergangsphase solle sowohl den Patienten als auch der Industrie Zeit zur Vorbereitung geben.

Im Video: Sagenumwobene Globulis - Das Riesen-Geschäft mit der Homöopathie

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oka/dpa

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Dingens 17.09.2019
1. Feigling
eine sehr bedauerliche Entscheidung. Es geht nicht nur um das Geld, es geht vor allem um die Adelung der Homöopathie durch die Krankenkassen. Ein schlechtes Signal aus dem Gesundheitsministerium, dass Fakten nun auch hier nicht mehr zählen.
mucschwabe 17.09.2019
2.
Ein Todesurteil für viele Menschen, die diesem Humbug folgen. Warum wird dieser Betrug nicht verboten? Die Kostenübernahme legitimiert die Homöopathie. Das ist das fatale.
ralopf 17.09.2019
3. Keine Profis
Das reiht sich also ein in eine (politische) Welt, in der gefühlte Wahrheiten, Wunschvorstellungen und das Ignorieren von wissenschaftlichen Erkenntnissen über Fakten gestellt werden. Wenn aber nicht auf Profis, Experten, Wissenschaftler gehört wird, sondern den Illusionen, Wünschen und Träumen der (vermeintlichen) Masse nachgegeben wird, dann leitet das das Ende der Aufklärung, das Ende der Erkenntnis ein. Wenn er nicht schon begonnen hat, der Weg zurück zu Glauben statt Vernunft, Angst statt Mut zu Neuem, Abgrenzung statt Offenheit.
peter.eberl.pe 17.09.2019
4. Gute Entscheidung!
An anderer Stelle schon einmal gesagt: jahrzehntelange Arbeit mit Patienten mit chronischen Schmerzen lehrt eines - erlaubt ist alles, was dem Patienten hilft; und wenn's der Placeboeffekt ist, prima! Man sollte die aufgrund des Placeboeffekts eingesparten Krankenstandstage mal gegen die 20 Mio gegerechnen, die Bilanz fiele zugunsten der Homöopathie aus!
ClausB 17.09.2019
5. Eine schlechte,
eine ganz schlechte und nicht nachvollziehbare Entscheidung des Gesundheitsministers ! Auch wenn es sich "nur" um 20 Mio handelt, es geht um Mittelchen, denen der Wirksamkeitsnachweis fehlt und trotzdem sollen für diese Summe alle Versicherten aufkommen. Einfach nur absurd. Wenn einer an diese Paramedizin und ihre Methoden und Mittel glaubt: bitte aus eigener Tasche zahlen. " man [könne} emotional diskutieren und dabei vielen vor den Kopf stoßen." Was soll diese dumme Satz ? Natürlich spielen Emotionen eine Rolle wie bei (fast) jeder Diskussion, in Bezug auf Globuli usw liegen aber handfeste Untersuchungsergebnisse vor aus zig und mehr medizinischen und naturwissenschaftlichen Studien und Metastudien. Die kommen zu einem eindeutigen Resultat: völlige Wirkungslosigkeit bis auf den placeboeffekt. Von diesem Gesundheitsminister bin ich enttäuscht, habe mehr von Spahn erwartet. Wissenschaftsstandort Deutschland ? Haben denn die Hersteller der Globuli und die Heilpraktiker eine so einflußreiche Lobby in Berlin, dass die Kosten dieser an Scharlatanerie grenzenden Methoden und Mittel in Zukunft weiterhin von den Gesetzlichen Kassen bezahlt werden können ?
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