Gesundheitsminister für Widerspruchslösung Spahn will jeden zum Organspender machen

Die Entnahme von Organen ist in Deutschland bisher nur möglich, wenn jemand ausdrücklich zustimmt. Geht es nach dem Gesundheitsminister, soll sich das ändern.
Jens Spahn

Jens Spahn

Foto: Michele Tantussi/ Getty Images

In der Debatte um weniger Organspender in Deutschland hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für eine sogenannte Widerspruchslösung ausgesprochen. "Nur so kann die Organspende zum Normalfall werden", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung.

Widerspruchslösung bedeutet, dass jeder automatisch als Organspender gilt - außer man selbst oder Angehörige widersprechen ausdrücklich. Bisher sind Entnahmen in Deutschland nur möglich, wenn jemand ausdrücklich zustimmt.

Spahn sagte nun, eine solche Neuregelung stelle zwar einen Eingriff des Staates in die Freiheit des Einzelnen dar. Doch alle bisherigen Versuche der Politik, die Zahl der Organspender zu steigern, seien leider ohne Erfolg geblieben. "Deshalb brauchen wir eine breite gesellschaftliche Debatte über die Widerspruchslösung."

Einen Gesetzentwurf werde er dazu aber nicht in den Bundestag einbringen, sagte Spahn. Er wolle, dass im Bundestag zunächst über das Thema diskutiert werde.

Zur Steigerung der Spendenzahlen hatte Spahn bereits vor wenigen Tagen angekündigt, dass Transplantationsbeauftragte in Krankenhäusern mehr Zeit für diese Aufgabe bekommen und die Vergütung der Einrichtungen für den ganzen Prozess einer Organspende verbessert werden sollen (die Kernpunkte seines Gesetzentwurfs können Sie hier nachlesen).

Die Zahl der Organspender hatte nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation im vergangenen Jahr mit 797 einen Tiefpunkt erreicht. Im ersten Halbjahr 2018 gab es eine Zunahme. Ende August hatte Spahn gesagt, dass 10.000 Menschen in Deutschland auf ein Spendeorgan warten.

aar/dpa/AFP
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