Spahns Gesetzentwurf "Therapien" gegen Homosexualität sollen verboten werden

"Diese angebliche Therapie macht krank und nicht gesund": Gesundheitsminister Jens Spahn will sogenannte Konversionstherapien verbieten - so weit wie möglich.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) legt Gesetzentwurf gegen Konversionstherapien vor
Tom Weller/dpa

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) legt Gesetzentwurf gegen Konversionstherapien vor


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat seine Pläne für ein gesetzliches Verbot von Behandlungen gegen Homosexualität konkretisiert.

Diese sogenannten Konversionstherapien sollen bei unter 18-Jährigen generell untersagt werden, zitierten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Montagsausgaben) aus einem Gesetzentwurf des Gesundheitsministeriums.

Bei 16- bis 18-Jährigen soll das Verbot nicht greifen, wenn der Behandelnde den Nachweis erbringt, dass sein Patient die notwendige Einsichtsfähigkeit besitzt, um Tragweite und Risiken der Behandlung einzuschätzen.

Bei einwilligungsfähigen Volljährigen wären diese Behandlungen jedoch grundsätzlich mit bestimmten Einschränkungen zulässig, heißt es weiter in dem Bericht. Dies gelte aber nicht, wenn Menschen bei ihrer Entscheidung einem "Willensmangel" unterlägen - bedingt etwa durch Täuschung, Irrtum, Zwang oder Drohung.

Verstöße gegen das neue Gesetz sollten mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder hohen Bußgeldern geahndet werden.

Minister Spahn sagte dem RND, sogenannte Konversionstherapien sollten soweit wie möglich verboten werden. "Wo sie durchgeführt werden, entsteht oft schweres körperliches und seelisches Leid", sagte er. "Diese angebliche Therapie macht krank und nicht gesund."

"Es ist okay, so wie du bist"

"Ein Verbot ist auch ein wichtiges gesellschaftliches Zeichen an alle, die mit ihrer Homosexualität hadern: Es ist okay, so wie du bist", sagt Spahn.

Spahn plant demnach, auch das Bewerben, Anbieten und Vermitteln solcher Behandlungen zu verbieten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sollen die Regelungen des Gesetzes auch für seelsorgerische und psychotherapeutische Gespräche zur Anwendung kommen: "Das Verbot gilt immer dann, wenn der Gesprächspartner unzulässig Einfluss zu nehmen versucht auf die sexuelle Orientierung oder die selbst empfundene geschlechtliche Identität eines Betroffenen", zitiert das RND das Ministerium.

Homosexualität ist keine Krankheit, es gibt deshalb auch keinen Anlass, sie zu therapieren, heißt es in einem vom Ministerium in Auftrag gegebenen Gutachten. Zusätzlich existieren nicht einmal Belege dafür, dass sich die sexuelle Orientierung durch die vermeintlichen Therapien überhaupt dauerhaft verändern lässt. Bekannt sind dagegen mögliche Folgen der Behandlungen - sie können schwerwiegende psychische Belastungen wie Depressionen, Angsterkrankungen und ein erhöhtes Suizidrisiko nach sich ziehen.

In Deutschland müsse von Tausenden Fällen pro Jahr ausgegangen werden, in denen versucht werde, homosexuelle Menschen durch fragwürdige Methoden umzuerziehen.

wbr/dpa/AFP



insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
Grünspahn 04.11.2019
1.
Ok, diese "Therapien" gibt es - aber wer bietet denn so was an? Warum wird überhaupt versucht an der sexuellem Orientierung herumzudoktern, wo es doch sehr starke Hinweise gibt, dass diese angeboren ist? Vielleicht weiß jemand was genaueres.
Björn L 04.11.2019
2. Es wird immer wen geben der sowas anbietet
Hier in Köln sind wir liberal und intressieren uns nicht dafür was die Leute daheim in ihren Schlafzimmer machen. Manche nennen das Aktzetanz, ander Toleranz. Die meisten uns bekannten Homosexuellen waren dies immer schon, andere kämpften mit sich bezüglich eines Outing, da die Gesellschaft dies als "anders sein" betitelt. Dabei ist dies derart normal und hat es immer gegeben -auch im Tierreich (mit Schmunzeln denke ich an ein schwules Pinguinpaar im Zoo, welche ein Nest bauten und von den Pflegern ein Ei untergejubelt bekommen haben und tolle Eltern wurden). Homos gibt es rund um den Globus nur die Aktzeptanz/Toleranz der Gesellschaft lässt diese sichtbar werden. Therapien sind vermutlich eher von beschämten Familienmitgliedern erbeten. Schwer vorstellbar, dass einer selbst danach fragt. Therapierbar ist das nicht und wird es auch nie sein. Dennoch glaube ich nicht, dass ein Verbot was bringt, es verlagert sich ins Ausland oder Untergrund. Eine Therapie verstärkt die Selbstzeifel und schadet mehr als es einfach anzunehmen, worauf es am Ende immer hinausläuft. Nebenbei verdienen Schmierlappen aller Art und machen Gesunde krank.
dasfred 04.11.2019
3. Sehr obskur
Der Behandelnde soll den Nachweis erbringen, dass ein Patient zwischen 16 und 18 die nötige Einsichtsfähig mitbringt? Wie kann man die mitbringen in eine Therapie, die nicht funktioniert? Es gibt keine Möglichkeit, Homoseuelle zu "heilen", da sie nicht krank sind. Ausgerechnet Herr Spahn sollte doch über diese Thematik die nötige Sachkenntnis besitzen. Statt Angebote auszubauen, junge Homoseuelle, Jungs uns Mädchen, in ihrem Selbstfindungsprozess zu stärken, auch ihrer Familie oder ihren Glaubensbrüdern gegenüber, wird im Grunde weiter gepfuscht wie bisher. Das Gesetz ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben steht. Hier wird künstlich Aktionismus signalisiert, ohne wirklich gegen diese Scharlatane zu handeln.
stolte-privat 04.11.2019
4. Wieso sind solche Praktiken...
...und die Werbung dafür nicht schon längst verboten? Homosexualität ist doch keine Krankheit und wir leben nicht im Mittelalter. Gerade in die sexuelle Entwicklung von Jugendlichen und Heranwachsenden einzugreifen sehe ich absolut kritisch. Das kann eigentlich nur nach hinten los gehen und diese jungen Menschen für den Rest ihres Lebens schädigen.
hrmblgrmpf 04.11.2019
5.
Zitat von GrünspahnOk, diese "Therapien" gibt es - aber wer bietet denn so was an? Warum wird überhaupt versucht an der sexuellem Orientierung herumzudoktern, wo es doch sehr starke Hinweise gibt, dass diese angeboren ist? Vielleicht weiß jemand was genaueres.
Im "verwandten Artikel" bei Spiegel Online ( https://www.spiegel.de/politik/deutschland/jens-spahn-gutachter-spricht-ueber-geplantes-verbot-von-konversionstherapien-a-1272485.html ) heißt es dazu: "Radikale christliche Gruppierungen, aber auch Ärzte und Psychotherapeuten, haben in der Vergangenheit immer wieder sogenannte Konversionstherapien angeboten." Oder kurz zusammengefasst - hauptsächlich religiöse Eiferer, welche homosexuellen Menschen einreden wollen, sie wären "unnormal" oder "bösartig" und müssten davon geheilt werden. Ob wir dann auch Therapien für religiöse Eiferer brauchen, um sie von ihrem Wahn zu heilen?
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