"Handelsblatt"-Bericht Justiz ermittelt nach Todesfall in Zusammenhang mit Iberogast

Ein Bestandteil von Iberogast kann die Leber schädigen. Ist das Magenmittel für einen Todesfall verantwortlich? Und hätte das durch frühere Warnungen verhindert werden können? Die Justiz in Köln ermittelt.

Iberogast
imago/eckphoto

Iberogast


Laut "Handelsblatt" ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln derzeit im Umfeld des Konzerns Bayer. Es geht demnach um einen Todesfall, der möglicherweise hätte vermieden werden können, wenn das Unternehmen früher vor Nebenwirkungen der Arznei Iberogast gewarnt hätte.

"Mit der Kraft der Natur gegen Magen- und Darm-Beschwerden": So bewirbt Bayer Iberogast. Das Mittel enthält Bestandteile aus neun Pflanzen. Viele Menschen nehmen an, pflanzliche Arzneimitteln seien generell gut verträglich und nebenwirkungsarm. Doch eine der Pflanzen in Iberogast, das Schöllkraut, kann in seltenen Fällen Leberschäden verursachen - das ist schon lange bekannt.

Bereits im Jahr 2008 forderte das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) den damaligen Hersteller Steigerwald auf, den Beipackzettel mit entsprechenden Warnhinweisen zu versehen. Steigerwald weigerte sich. Auf dieser Linie blieb auch Bayer, als der Konzern das Mittel übernahm.

Beipackzettel erst 2018 ergänzt

Erst 2018 wurde der Beipackzettel um die Warnungen ergänzt. Hintergrund seien neue Meldungen von Leberschädigungen im Zusammenhang mit der Anwendung der Arznei, hieß es von der Behörde. Darunter befinde sich ein im Juli 2018 bekanntgewordener zweiter Fall von Leberversagen mit Lebertransplantation, der letztlich tödlich endete.

Das Geschäft mit der Pharmawerbung

Wie das "Handelsblatt" jetzt berichtet, hat die Staatsanwaltschaft ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, ob die Einnahme von Iberogast mit dem Todesfall zusammenhängt. Die Zeitung schreibt, das Verfahren richte sich gegen unbekannt und ein Sprecher der Staatsanwaltschaft habe eine Stellungnahme dazu abgelehnt. Bei Bayer heiße es, man wisse nichts von einem Ermittlungsverfahren.

Iberogast zählt für Bayer zu den umsatzstärksten rezeptfreien Arzneimitteln.

Nach der Änderung steht jetzt im Beipackzettel: "Bei der Anwendung von Schöllkraut-haltigen Arzneimitteln sind Fälle von Leberschädigungen (Anstieg der Leberenzymwerte, des Bilirubins bis hin zu arzneimittelbedingter Gelbsucht (medikamentöstoxischer Hepatitis) sowie Fälle von Leberversagen) aufgetreten."

Menschen mit einer Lebererkrankung sollen das Mittel nicht einnehmen. Das gilt auch für Schwangere und Stillende sowie für Kinder unter drei Jahren.

wbr

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