Neue Studie Kaffee könnte das Darmkrebs-Risiko senken

Egal ob Espresso, koffeinfrei oder aus dem Filter: Wer Kaffee trinkt, erkrankt seltener an Darmkrebs. Zu dem Ergebnis kommt eine neue Studie. Eine ältere Untersuchung hatte keinen Zusammenhang gefunden.
Kaffee enthält mehr als tausend verschiedene Stoffe

Kaffee enthält mehr als tausend verschiedene Stoffe

Foto: Corbis

Kaffee riecht gut, schmeckt gut, tut gut - diese Aussagen verursachen bei vielen heftiges Kopfnicken. Möglicherweise kann Kaffee sogar noch mehr. Eine wachsende Zahl an Untersuchungen spricht dafür, dass die Bohnen nicht nur beim Start in den Tag helfen, sondern langfristig die Gesundheit schützen. Dort reiht sich auch eine neue Studie ein.

Den Daten zufolge erkranken Kaffeetrinker deutlich seltener an Darmkrebs - unabhängig davon, ob sie das Bohnengetränk mit oder ohne Koffein bevorzugen. Die US-amerikanischen und israelischen Forscher konnten jedoch nicht endgültig beweisen, dass wirklich der Kaffee hinter dem geringeren Erkrankungsrisiko steckt.

Je mehr, desto besser

Für ihre Untersuchung baten die Wissenschaftler 5100 Darmkrebs-Patienten darum, ihren Kaffeekonsum für das Jahr vor der Krebsdiagnose einzuschätzen. Außerdem befragten sie 4000 vergleichbare Teilnehmer, die keine Darmkrebs-Diagnose hatten, wie oft sie Kaffee tranken, wie sie diesen zubereiteten und ob sie ihn mit oder ohne Koffein bevorzugten.

Auch über ihr Rauchverhalten, die Einnahme von Medikamenten, Bewegung und Ernährung mussten die Teilnehmer Auskunft geben - alles Faktoren, die sich auf das Darmkrebsrisiko auswirken können. Rechneten die Wissenschaftler deren Einfluss heraus, blieb ein deutlicher Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Erkrankungsrisiko bestehen.

Schon ein bis zwei Tassen Kaffee am Tag waren mit einer um 26 Prozent niedrigeren Gefahr für Darmkrebs verbunden. Bei mehr als zweieinhalb Tassen täglich sank die Wahrscheinlichkeit um mehr als 50 Prozent, berichten die US-amerikanischen und israelischen Wissenschaftler im Fachblatt "Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention" .

Die Studie trage zu einer bislang umstrittenen Datenlage bei, sagt Krasimira Aleksandrova vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam, die an der Untersuchung nicht beteiligt war. So widersprechen sich die Ergebnisse etwa mit denen der europäischen Epic-Studie, die keinen klaren Zusammenhang zwischen Kaffee und dem Darmkrebsrisiko zeigen konnte - dafür aber ein geringeres Risiko von Kaffeetrinkern für Leberkrebs und Typ-2-Diabetes feststellte.

Mehr als tausend verschiedene Inhaltsstoffe

Das Problem der ganzen Studien ist, dass sie nur einen Zusammenhang zwischen zwei Dingen beobachten können. Sie können jedoch nicht nachweisen, dass wirklich das eine zum anderen führt. So ist zum Beispiel grundsätzlich denkbar, dass Menschen aufgrund von Verdauungsschwierigkeiten häufiger Kaffee meiden. Und Kaffee-Meider deshalb häufiger an Darmkrebs erkranken.

Andererseits enthält Kaffee laut Studienleiter Stephen Gruber von der University of Southern California auch viele Inhaltsstoffe, die zur Gesundheit des Darms beitragen könnten, etwa Antioxidantien, Melanoidine oder Diterpene. Wie viel davon in einer Tasse lande, sei je nach Bohnenart, Röstung und Brühweise unterschiedlich. In der Studie zeigte sich erst einmal für alle Arten der Zubereitung ein Zusammenhang mit einem niedrigeren Darmkrebs-Risiko.

Kaffee habe eine chemisch komplexe Struktur mit mehr als tausend Verbindungen, sagt auch Aleksandrova. "Wir können bisher nur spekulieren, welche davon für möglicherweise gesundheitsfördernde Effekte bei bestimmten Krankheiten wie Typ-2-Diabetes und Krebs verantwortlich sind." In vielen Untersuchungen habe Koffein eine Rolle gespielt. "Interessant ist, dass das in dieser Studie nicht so war", sagt sie.

"Wir brauchen noch mehr Forschung, bevor wir Kaffee als Vorsorgemaßnahme empfehlen können", schlussfolgert Gruber. Kaffee birgt jedoch nur wenige Risiken für die Gesundheit und bedeutet für viele sowieso Genuss. Wenn er dann auch noch wirklich vor Krebs, Diabetes oder anderen Krankheiten schützt - umso besser.

Die (Bio)-Chemie im Essen
irb/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.