Karies Wann eine Wurzelbehandlung nötig ist

Wenn Bakterien ins Zahninnere vordringen, ist der Nerv in Gefahr. Eine Wurzelbehandlung kann dann die letzte Rettung sein - eine Erfolgsgarantie gibt es aber nicht.
Foto: TMN/ Markus Scholz

Plaque, Bakterien und Säure - auf der Zahnoberfläche tummelt sich so einiges. Wer sich regelmäßig die Zähne putzt und die Zwischenräume mit Zahnseide reinigt, muss sich in aller Regel zwar keine Sorgen machen. Nachlässigkeiten bei der Mundhygiene können aber unangenehme Folgen haben, ebenso wie wenn man nicht zweimal im Jahr zum Zahnarzt geht.

Denn Bakterien können sich einen Weg in das Innere des Zahns bahnen und sich dort ausbreiten. Karies sorgt dann für eine unumkehrbare Schädigung der Pulpa, also des Nervs sowie der Blut- und Lymphgefäße im Zahninneren. "Bemerkbar macht sich das durch akute und meist stechende Schmerzen", sagt Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer in Berlin.

Dicke Backe

Der betroffene Zahn reagiert zudem überaus empfindlich auf Kälte, später auch auf Wärme. Beim Fortschreiten der Entzündung kann die Wange anschwellen, weil Bakterien über den Zahn hinaus bis tief in die Kieferknochen eindringen. Über den Blutkreislauf kann es so zu einer manchmal lebensbedrohlichen Entzündung im Körper kommen.

Mit einer Wurzelbehandlung kann das verhindert werden. Zunächst wird betäubt. "Dann bohrt der Zahnarzt ein Loch in den Zahn und ortet die Hauptkanäle der einzelnen Wurzel", erläutert Zahnarzt Joachim Hoffmann, Vorstandsvorsitzender der Initiative proDente in Köln. Dann wird mit winzigen Instrumenten ein Großteil der entzündeten Pulpa aus dem Inneren der Wurzel entfernt. "Das ist mitunter kompliziert, da die Wurzelkanäle stark gebogen sein können", betont Hoffmann. Anschließend werden die Hohlräume desinfiziert, damit keine Bakterien in den Kieferknochen vordringen können.

Später kommt in die Wurzelkanäle eine Füllung. Die Behandlung kann mehr als eine Sitzung erfordern. Dabei ist es mitunter notwendig, eine medikamentöse Einlage in den Wurzelkanal einzubringen, um ihn zu desinfizieren. Ist der Zahn schmerzfrei und das Röntgenbild in Ordnung, kann der Wurzelkanal endgültig gefüllt werden. Möglichst zeitnah sollte der Zahn - abhängig von der Größe des Defekts - mit einer Krone oder Teilkrone versorgt werden. Dies stabilisiert und stellt auch die Ästhetik wieder her.

Keine Erfolgsgarantie

Der wurzelbehandelte Zahn muss regelmäßig vom behandelnden Arzt kontrolliert werden. Das geschieht in größeren zeitlichen Abständen über Röntgenaufnahmen. So soll ausgeschlossen werden, dass sich der Knochen unbemerkt entzündet.

"Grundsätzlich gibt es keine Erfolgsgarantie bei einer Wurzelbehandlung", betont Hoffmann, denn nicht auf alle Faktoren habe der Zahnarzt Einfluss. Eine Rolle spielt etwa, wie stark der Zahn bereits im Vorfeld geschädigt war. Über mögliche Komplikationen sollte der Patient vorab aufgeklärt werden. Eine Alternative zur Wurzelbehandlung wäre, den Zahn zu ziehen. Dann wird gegebenenfalls kostspieliger Zahnersatz fällig.

"Nach einer Wurzelbehandlung können im Schnitt mehr als 90 Prozent der behandelten Zähne auch nach zehn Jahren noch funktionsfähig in der Mundhöhle erhalten werden", weiß Christian Gernhardt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET) in Leipzig.

Was zahlt die Kasse?

Nicht alle Wurzelbehandlungen werden von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt. In solchen Fällen sollten Patienten vor Beginn der Behandlung schriftlich von ihrem Zahnarzt über die Kosten aufgeklärt werden. Die Entscheidung, ob eine Wurzelbehandlung von der Kasse übernommen wird, erfolgt auf Basis von festen Kriterien. Für die Behandlung der Frontzähne sowie von kleinen Backenzähnen kommen die Kassen in der Regel auf. Bei großen Backenzähnen gibt es indes Einschränkungen. "Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen eine Wurzelbehandlung in der Regel dann, wenn abzusehen ist, dass der Zahn auch tatsächlich erhalten werden kann", erklärt Oesterreich.

Die Kosten lassen sich aber im Vorfeld nicht immer genau kalkulieren. So kann sich etwa ein Wurzelkanal weiter verzweigt sein, als ursprünglich im Röntgenbild zu sehen war. Patienten müssen laut Oesterreich in solchen Fällen pro Zahn unter Umständen mit mehreren hundert Euro rechnen.

Auch Verletzungen beim Sport können eine Wurzelkanalbehandlung nötig machen. Wer eine Wurzelbehandlung vermeiden will, sollte zum Schutz seiner Zähne bei Risikosportarten wie etwa Boxen oder Eishockey daher immer einen Mundschutz tragen. Ansonsten gilt: die tägliche Mundhygiene ernst nehmen und regelmäßig seine Zähne auf Karies untersuchen lassen. "Je früher Karies erkannt und behandelt wird, desto besser", sagt Gernhardt.

hei/dpa
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