SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

11. April 2013, 16:34 Uhr

Kinderlähmung

Polio-Virus soll bis 2018 ausgerottet sein

In sechs Jahren könnte die Welt vom Polio-Virus befreit sein. Laut der Polio Eradication Initiative wurden 2012 weltweit nur noch 223 Fälle von Kinderlähmung registriert. Für das ehrgeizige Ziel, Polio endgültig auszurotten, hat die Organisation jetzt einen vier Milliarden Euro teuren Plan vorgestellt.

Hamburg - Nigeria, Pakistan und Afghanistan. Das sind die drei letzten Länder der Erde, in denen die vom Polio-Virus übertragene Kinderlähmung noch nicht ausgerottet ist. Seit mehr als zwei Jahren schon hat die Global Polio Eradication Initiative keinen einzigen Fall mehr in Indien registriert, auch Angola und der Kongo gelten als frei von Polio. Falls es in den kommenden Jahren gelingt, die drei verbleibenden Staaten für mindestens drei Jahre von der Infektionskrankheit zu befreien, dann wäre die Kinderlähmung besiegt.

Für dieses ehrgeizige Ziel hat die Organisation jetzt einen Plan unter dem programmatischen Titel "Endgame Strategic Plan" vorgestellt, der die Polio-Freiheit aller Länder für das Jahr 2018 vorsieht. Mehr als vier Milliarden Euro sollen investiert werden, um in einem letzten Kraftakt dafür zu sorgen, dass sämtliche Polioviren aus der Wildbahn verschwinden - das schließt neben den natürlich vorkommenden Virusstämmen auch die abgeschwächten Viren ein, die für die Schluckimpfung eingesetzt werden.

Diese sogenannten attenuierten Viren können eine Impfkinderlähmung auslösen: Die abgeschwächten Viren vermehren sich, wodurch geimpfte Personen nichtgeimpfte anstecken können. Die Schluckimpfung mit dem Lebendimpfstoff wird vor allem in Entwicklungsländern immer noch angewandt, weil sie die günstigste und am wenigsten aufwendige Variante ist.

"Dem Ziel sehr nahe"

"Wir sind dem Ziel sehr nahe", sagte Steve Cochi von der US-Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bei der Vorstellung des Plans. "2012 gab es weltweit nur 223 registrierte Poliofälle, nach 650 Fällen 2011. Bis heute gibt es weltweit nur 18 berichtete Poliofälle im Jahr 2013."

Alle wilden Poliovirusstämme sollen bis 2014 durch Impfkampagnen unter Kontrolle gebracht werden. Dazu wollen die Aktivisten aus den Erfahrungen in Indien lernen. Zusätzlich zur Kontrolle der Wildtyp-Viren sollen auch die bei Impfstoffherstellern verwendeten Virusstämme besser kontrolliert werden.

Der Schutz vor der Kinderlähmung soll vor allem durch die Unterstützung routinemäßiger Impfkampagnen verbessert werden. Außerdem soll die Schluckimpfung mit abgeschwächten vermehrungsfähigen Viren so bald wie möglich weltweit durch Impfungen mit Totimpfstoffen ersetzt werden.

Bei der Finanzierung des mehr als vier Milliarden Euro teuren Plans sieht die Global Polio Eradication Initative vor allem die Industrienationen in der Pflicht. Die Initiative, eine Kooperation der WHO, der Serviceorganisation Rotary International, der CDC und Unicef, will die bei der Polio-Kampagne aufgebaute Infrastruktur auch nach der Ausrottung des Virus für andere Gesundheitsprogramme nutzen.

"Die wichtigste Errungenschaft der Polio-Ausrottung ist unser Erfolg, unterversorgte und nomadisch lebende Bevölkerungen zu erreichen, und das kontinuierlich", so Steve Cochi. Diese Fähigkeit gelte es, für die Zukunft und andere Krankheitsbilder zu bewahren.

dba

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung