Knoten in der Brust Oft ist es eine Zyste

Wenn Frauen einen Knoten in der Brust tasten, heißt das nicht, dass sie Brustkrebs haben. Oft handelt es sich um harmlose Zysten. Die Gebilde können allerdings Schmerzen verursachen.
Früherkennung durch Abstasten: Unregelmäßigkeiten sollten von einem Arzt abgeklärt werden

Früherkennung durch Abstasten: Unregelmäßigkeiten sollten von einem Arzt abgeklärt werden

Foto: Corbis

Die Angst vor Brustkrebs sitzt bei vielen Frauen tief. Entsprechend groß ist der Schock, wenn sich plötzlich ein Knoten in der Brust tasten lässt. Dies muss jedoch keine bösartige Veränderung sein, unabhängig davon, ob das Gebilde Schmerzen verursacht. Im Brustgewebe bilden sich auch flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, genannt Zysten. Sie sind zu mehr als 99 Prozent gutartig und erhöhen nicht das Brustkrebsrisiko.

"Viele Frauen vor allem zwischen 30 und 60 Jahren haben eine Zyste und mitunter sogar veranlagungsbedingt gleich mehrere in einer Brust", beruhigt Michael Golatta, Oberarzt und Leiter der Brustsprechstunde an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. Schätzungen zufolge hat jede zweite bis dritte Frau eine Zyste in der Brust.

Die auftretenden Beschwerden sagen nichts über die Zystengröße aus. Eine kleine Zyste kann laut Golatta, wenn sie direkt unter der Haut liegt, genauso Schmerzen verursachen wie eine größere Zyste mitten im Brustgewebe.

Tasten allein reicht nicht

Zysten bilden sich meist in den Milchgängen und im Drüsenläppchen der Brustdrüse. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der abführende Gang des Läppchens verschlossen ist. Durch ihn soll das von der Brustdrüse gebildete Sekret eigentlich aus der Brust ausgeleitet werden - durch den Verschluss füllt es die Zyste. Eine zweite mögliche Ursache ist, dass von dem in den Milchgängen gebildeten Sekret mehr ausgeschüttet wird, als das Gewebe anschließend wieder aufnimmt. Und Zysten können ebenso wie eventuelle Schmerzen hormonell getriggert sein. "Aber letztendlich kennen wir die Ursachen für Zysten in der Brust noch nicht genau", so Golatta.

Für eine Frau, die soeben etwas in ihrer Brust ertastet hat, steht jedoch nicht die Frage nach den Ursachen an erster Stelle, sondern vielmehr die, was sie als nächstes tun sollte. Die eindeutige Antwort des Mediziners: zum Gynäkologen gehen. Dieser wird zunächst die Brust abtasten. "Tasten allein reicht jedoch nicht, er sollte zusätzlich einen Ultraschall machen", rät Golatta. Im Ultraschall ist eine Zyste sehr gut sichtbar. Am besten lässt eine Frau den Ultraschall bei einem Gynäkologen machen, der entsprechende Erfahrung für die Ultraschalluntersuchung der Brust, der Mammasonografie, besitzt. Ein möglicher Qualitätsnachweis ist eine Degum-Zertifizierung (Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin) mit der der Arzt seine Erfahrung belegen kann. Es gibt auch Radiologen, die einen Brustultraschall anbieten.

Flüssigkeit herausziehen

Ist eine Zyste gutartig, verursacht aber Schmerzen oder ist psychisch belastend, kann sie unter Ultraschall-Kontrolle punktiert werden. Dabei wird die Flüssigkeit aus der Zyste herausgezogen, so dass sich der Hohlraum stark verkleinert und die Zystenwände schließlich kollabieren. "Bei jungen Frauen ohne Beschwerden, mit der Zysten-Einstufung BI-RADS2, das heißt auffällige, aber gutartige und glatt berandete Zyste, und ohne erhöhtes Brustkrebsrisiko muss keine regelmäßige Kontrolluntersuchung erfolgen", sagt Golatta. Trotzdem ist es sinnvoll, weiter regelmäßig zur Früherkennung zu gehen.

In den seltenen Fällen, in denen Zysten nicht gutartig sind, haben sich bösartige Veränderungen an der Zysteninnenwand gebildet. Sie sind im Ultraschall erkennbar. Der Mediziner spricht von unklaren Raumforderungen. "Mit Ultraschall sind diese Veränderungen sogar dann zu sehen, wenn die Flüssigkeit trübe ist. Gegebenenfalls können wir mit einem speziellen Ultraschallverfahren feststellen, ob Teile der Zystenwand oder Gewebe innerhalb der Zyste im besonderen Maße mit Blut versorgt sind. Dies wäre dann ein Hinweis auf das Vorhandensein einer unklaren oder auffälligen Raumforderung", sagt Golatta. Im Verdachtsfall muss das Gewebe untersucht werden.

Gründliche Diagnose wichtig

Dafür nimmt der Arzt eine kleine Probe aus dem auffälligen Areal, eine sogenannte Stanzbiopsie. Dies ist insbesondere bei kleinen Zysten mit dem Risiko verbunden, dass der Arzt den Hohlraum verfehlt oder dass die Zyste kollabiert, wodurch sie später nicht mehr zu entdecken ist. "Handelt es sich um einen bösartigen Befund, werden die Zyste und das umliegende Gewebe herausoperiert. Ohne histologische Untersuchung sollte jedoch in der Regel nicht operiert werden. Leider wird dies aber mitunter gemacht", warnt der Heidelberger Brustexperte.

Wichtig ist, dass Zysten und sonstige Veränderungen, die nach dem Abschluss der Wechseljahre, also ohne Hormoneinfluss, neu entstehen, besonders gründlich abgeklärt werden sollten. "Hier gehört zur Untersuchung auf jeden Fall eine Mammografie, die in Deutschland ab dem 50. Lebensjahr jeder Frau im Rahmen des Mammografie-Screenings alle zwei Jahre empfohlen wird", so Golatta.