Verdacht auf Krankenhauskeim Staatsanwaltschaft ermittelt nach Todesfall in Kölner Klinik

In einer Kölner Praxis haben sich einem Medienbericht zufolge mindestens 28 Patienten mit gefährlichen Bakterien infiziert. Einer starb, nun untersuchen Behörden die Todesursache.

Illustration eines Pseudomonas aeruginosa Bakteriums: Der Erreger ist gegen mehrere Antibiotika resistent
Kateryna Kon/ Science Photo Library/ Getty Images

Illustration eines Pseudomonas aeruginosa Bakteriums: Der Erreger ist gegen mehrere Antibiotika resistent


Sie kamen mit Rückenschmerzen und gingen offenbar mit einem gefährlichen Krankenhauskeim: In einem medizinischen Versorgungszentrum in Köln haben sich mindestens 28 Menschen mit Bakterien infiziert, nachdem sie Spritzen in den Rücken bekommen hatten. "Im Rahmen von CT-gesteuerten periduralen Infiltrations-Therapien ist es in einem Zeitraum von zirka zweieinhalb Wochen zu Infektionen mit einem pansensiblen Erreger Pseudomonas aeruginosa gekommen", zitiert der "Kölner-Stadtanzeiger" den ärztlichen Geschäftsführer des MVZ, Michael Herbrik. Eine Anfrage des SPIEGEL blieb bisher unbeantwortet.

Der Eingriff gilt eigentlich als risikoarm. In seltenen Fällen kann es jedoch zu einem sogenannten Spritzenabszess kommen, wenn beispielsweise die Haut des Patienten nicht ordnungsgemäß desinfiziert wird und dadurch Krankheitserreger in den Körper eindringen können. Ob das bei dem aktuellen Ausbruch in Köln eine Rolle gespielt haben könnte, ist jedoch noch völlig unklar.

Der Erreger Pseudomonas aeruginosa ist ein bekannter Krankenhauskeim. Weil er verschiedene antibiotische Wirkstoffe unschädlich machen kann, sind Infektionen mit dem Erreger oft schwer behandelbar. Laut Robert Koch-Institut kann das Bakterium eine Sepsis, auch bekannt als Blutvergiftung, Lungenentzündungen und Harnwegsinfektionen verursachen. Laut "Kölner Stadtanzeiger" erlitten mehrere Patienten, die in der Kölner Praxis für Radiologie behandelt wurden, zudem eine Hirnhautentzündung.

84-Jähriger starb 36 Stunden nach Spritze in den Rücken

Bereits im Januar waren bei einem Patienten Komplikationen aufgetreten, nachdem er eine Spritze in den Rücken erhalten hatte. Der 84-Jährige starb anderthalb Tage nach dem Eingriff an Multiorganversagen. Die Kölner Staatsanwaltschaft prüft nun, ob sein Tod auf eine Infektion mit Pseudomonas aeruginosa zurückzuführen ist.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene handelt es sich um den schwersten Ausbruch mit diesem Erreger in einer ambulanten medizinischen Einrichtung in Europa. Allerdings werden längst nicht alle solcher Fälle dokumentiert.

Laut "Kölner Stadtanzeiger" hat die Klinik selbst die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Zwischen dem 2. Januar und dem 1. März waren 297 Patienten mit der Therapie behandelt worden, einige von ihnen mehrfach. Sie wurden bereits über die möglichen Risiken informiert. Die Spritzen wurden demnach von fünf Ärzten gesetzt. Der Eingriff wird vorerst nicht mehr vorgenommen.

Im Video: Die tödlichen Feinde - Kampf gegen Killerkeime

NZZ Format

koe/dpa

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