Ein rätselhafter Patient Kommen drei Männer mit Schluckauf zum Arzt...

Normalerweise ist ein Schluckauf schnell vorbei und überhaupt kein Grund zur Sorge. Dauert er dagegen tagelang an, kann das ernste Ursachen haben.

Ein Patient wird im Krankenhaus auf einer Trage geschoben (Symbolbild)
Gorodenkoff Productions/ iStockphoto/ Getty Images

Ein Patient wird im Krankenhaus auf einer Trage geschoben (Symbolbild)

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Dass jemand wegen eines Schluckaufs die Notaufnahme aufsucht, klingt zunächst absurd. Ärzte mahnen, dass zu viele Patienten, bei denen gar kein Notfall vorliegt, die Notaufnahmen überfüllen. Wer geht also bitte mit einem Schluckauf in die Klinik?

Dass es bei einem andauernden Schluckauf im Einzelfall durchaus sinnvoll sein kann, mit einem Arzt zu sprechen - es muss ja nicht gleich die Notaufnahme - sein, zeigen drei Fälle, über die ein Ärzteteam aus Taiwan und Polen im "American Journal of Emergency Medicine" berichtet. Sie haben sich in den Jahren 2017 und 2018 ereignet.

  • Der erste Patient erträgt seinen Schluckauf ganze zwei Wochen lang, ehe er die Notaufnahme in Taipeh aufsucht. Der Mann ist 77 Jahre alt, hat Diabetes Typ-2. Seiner Beschreibung zufolge hat sich der Schluckauf in den vergangenen zwei Tagen verschlimmert. Davon abgesehen hat er keine Beschwerden.
  • Der zweite Patient hat nach einem Tag Schluckauf genug. Er sagt den Ärztinnen und Ärzten in der Notaufnahme, dass er an diesem Tag auch keinen richtigen Appetit hatte, weitere akute Beschwerden hat er nicht. Der Mann ist 64 Jahre alt, hat Diabetes Typ-2, Bluthochdruck. Er hat einen Schlaganfall hinter sich und eines seiner Herzkranzgefäße ist schon länger stark verengt.
  • Der dritte Patient leidet seit zwei Tagen an Schluckauf, als er die Notaufnahme aufsucht. Der 70-Jährige hat eine gutartige Prostatavergrößerung, weitere Beschwerden nennt das Ärzteteam um Yi-Tzu Lee vom Veteranenkrankenhaus in Taipeh nicht.

Was die Patienten neben dem Schluckauf verbindet, sind einige Risikofaktoren für Herzkreislaufleiden. Die Mediziner prüfen deshalb bei jedem von ihnen per EKG, ob das Herz in einem gesunden Rhythmus schlägt und pumpt. Zudem messen sie den Troponin-Wert im Blut: Ist er erhöht, deutet das auf einen Herzinfarkt.

Die typischen Symptome blieben aus

Welche weiteren Untersuchungen die Ärzte durchführen, erwähnen sie in ihrem Fallbericht nicht - denn mit diesen Tests waren sie bereits auf dem richtigen Weg.

Bei allen drei Patienten ist das EKG auffällig, das Troponin erhöht. Sie haben alle einen Herzinfarkt erlitten. Was ihre Fälle so ungewöhnlich macht: Keiner hat die typischen Infarktbeschwerden - starke Schmerzen im Brustkorb, die vielleicht sogar in den Arm strahlen oder ein enormes Enge- beziehungsweise Druckgefühl in der Brust.

Bekannt ist, dass Frauen seltener diesen Vernichtungsschmerz spüren, wenn sie einen Infarkt erleiden. Stattdessen plagen sie eher heftiges Bauchweh, Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche und Atemnot - alles Symptome, die auch bei anderen Krankheiten auftreten können. Manchmal haben auch Männer nur solche unspezifischen Symptome, was die Diagnose erschwert und verzögern kann. Doch die drei Patienten in Taiwan klagten nicht einmal über Bauchweh oder übermäßiges Schwitzen.

Wie ein Infarkt einen Schluckauf auslöst? Laut dem Fallbericht könnten bei dem Ereignis freigesetzte Substanzen auch auf den Zwerchfellnerv wirken und so den Dauerschluckauf provozieren.

Nachdem die Diagnose gestellt ist, werden die Männer entsprechend behandelt, alle drei erholen sich und können die Klinik nach einigen Tagen wieder verlassen. Auch der Schluckauf verschwindet bei allen drei Patienten wieder.

Trotz der Seriendiagnose weisen die Ärzte darauf hin, dass Mediziner sicher nicht bei jedem Patienten mit Schluckauf eine umfassende Diagnostik starten können. Aufmerksam werden sollten Ärzte aber, wenn bereits bestimmte Risikofaktoren für eine schwerwiegende Krankheit vorliegen, wie es bei den drei Männern der Fall war.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
MusaNana 24.11.2019
1. Andere Länder, andere Sitten
Sicherlich ist es richtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass man mit Bagatellen nichts in der deutschen Notaufnahme zu suchen hat. Dafür aber mit dem Finger auf Taiwanesen zu zeigen, klingt nach gutem altem Kolonialismus. Taiwan hat ein anderes Gesundheitssystem, und dort sind Kliniken Anlaufstelle für alle Art von Erkrankungen, auch die, mit denen wir zum Hausarzt gehen. Die Kliniken sind auch darauf eingerichtet und haben dafür extra Bereiche. Mit dem Vorteil, auch direkt auf Klinikequipment zugreifen zu können. Und am Ende bekommt man dann noch die verschriebenen Medikamente passend abgezählt an dem klinikeigenen Ausgabeschalter. Und super organisiert, die Diagnose und Behandlung inkl. Röntgen der Lunge bei einer fetten Bronchitis hat eine gute halbe Stunde gedauert, inkl. Wartezeit. Also: Wer geht mit einem Schluckauf in die Klinik? Die Taiwanesen, aber zu Recht.
CancunMM 24.11.2019
2.
Zitat von MusaNanaSicherlich ist es richtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass man mit Bagatellen nichts in der deutschen Notaufnahme zu suchen hat. Dafür aber mit dem Finger auf Taiwanesen zu zeigen, klingt nach gutem altem Kolonialismus. Taiwan hat ein anderes Gesundheitssystem, und dort sind Kliniken Anlaufstelle für alle Art von Erkrankungen, auch die, mit denen wir zum Hausarzt gehen. Die Kliniken sind auch darauf eingerichtet und haben dafür extra Bereiche. Mit dem Vorteil, auch direkt auf Klinikequipment zugreifen zu können. Und am Ende bekommt man dann noch die verschriebenen Medikamente passend abgezählt an dem klinikeigenen Ausgabeschalter. Und super organisiert, die Diagnose und Behandlung inkl. Röntgen der Lunge bei einer fetten Bronchitis hat eine gute halbe Stunde gedauert, inkl. Wartezeit. Also: Wer geht mit einem Schluckauf in die Klinik? Die Taiwanesen, aber zu Recht.
Sorry, aber aus diesem Artikel Rassismus oder Kollonalismus herauszulesen...Chapeau ! Ich dachte nur Deutsche empören sich ständig. Und zu Ihrem Rö. der Lunge bei Bronchitis: Untersuchung war überflüssig.
Newspeak 24.11.2019
3. ....
Es wäre völlig egal, ob jeder direkt in die Notaufnahme ginge, wenn man in Deutschland ein funktionierendes Triagesystem am Eingang hätte. Ein Dutzend Fragen zu den Beschwerden würde ausreichen, um einzuteilen, Bagatellfälle würde man nach zwei Minuten nach Hause schicken, schwerer Kranke zu einem angeschlossenen Allgemeinarzt, der sie behandelt, echte Notfälle bekämen Zugang zur Notaufnahme. Aber in Deutschland denkt man nicht praktisch, sondern bürokratisch, nämlich, wie kann man es möglichst kompliziert, unfreundlich und ineffizient machen.
fritzstark 24.11.2019
4. Keine Bagatelle
Wurde 4 tage von Schluckauf geplagt. In Folge konnte ich 3 Nächte nicht schlafen. Allgemeinarzt und Pneumologe konnten nicht helfen. Nach einem verzweifelten Gebet war der Schluckauf weg.
Weltbuerger-21 25.11.2019
5. Na endlich!
Zitat von fritzstarkWurde 4 tage von Schluckauf geplagt. In Folge konnte ich 3 Nächte nicht schlafen. Allgemeinarzt und Pneumologe konnten nicht helfen. Nach einem verzweifelten Gebet war der Schluckauf weg.
Seit Jahrtausenden gesucht - und hier ist er, der belastbare Gottesbeweis!
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