Gesundheitstipps So wird man Kopfläuse wieder los

Kopfläuse sind Meister der Tarnung - wird eine entdeckt, krabbelt mit Sicherheit schon ein Dutzend durchs Haar. Einmal enttarnt, lassen sich die Insekten aber effektiv bekämpfen: mit dem altbewährten Läusekamm. Auch Nervengifte oder Öle helfen. Die Methoden der Wahl im Überblick.
Arzt mit Lupe: Läusekämme sind ein bewährtes Mittel gegen Kopfläuse

Arzt mit Lupe: Läusekämme sind ein bewährtes Mittel gegen Kopfläuse

Foto: Corbis

1. Der Läusekamm

Pediculus humanus capitis lässt sich durchaus mit einem konventionellen, seit Jahrhunderten bewährten Mittel bekämpfen: dem Läusekamm. Immer wieder finden Archäologen Läusekämme, die sich von herkömmlichen Haarkämmen durch ihre engstehenden Zinken unterscheiden. Hat man einmal die Haare durchgearbeitet und alle adulten Läuse ausgekämmt, kann so lange nichts passieren, bis die nächste Generation aus den Eiern geschlüpft und geschlechtsreif ist.

Erwischt man diese ebenfalls mit dem Kamm, bevor sie Eier gelegt hat - und nach ihnen die nächste und die übernächste Generation -, ist man die Läuse irgendwann los. Über einen Zeitraum von zwei Wochen angewendet ist die Methode zwar sicher, sie erfordert aber auch, dass man mit dem Auskämmen extrem diszipliniert ist und konsequent den Kopfkontakt zu anderen Personen meidet. In der Praxis lässt sich das nur schwer bewerkstelligen. In einer Studie aus dem Jahr 2005 waren nach einer derartigen manuellen Läuseentfernung nur 57 Prozent der behandelten Kinder nach zwei Wochen läusefrei.

2. Neurotoxische Chemikalien oder Naturprodukte

Die zweite Technik ist der Einsatz von neurotoxisch wirkenden Pedikuloziden - Mitteln, die das Nervensystem der Läuse angreifen. Die meisten davon wurden ursprünglich entwickelt, um Schädlinge auf den Feldern zu vernichten. Auch hier reicht eine einmalige Anwendung nicht aus, denn erst nach vier Tagen bilden die Eier überhaupt ein Nervensystem, das angegriffen werden kann - die Embryonen bleiben also unversehrt. Das größte Problem aber ist, dass viele Läusepopulationen mittlerweile Resistenzen gegen die handelsüblichen Mittel entwickelt haben.

Durch vorzeitig abgebrochene Behandlungen oder falsche Dosierungen waren bei einer Studie in Dänemark 70 Prozent der untersuchten Kopfläuse resistent gegen das Mittel Permethrin. Für Deutschland gibt es noch keine repräsentativen wissenschaftlichen Untersuchungen. Nur die Vermutung, dass sich deutsche Exemplare von Pediculus humanus capitis nicht wesentlich von denen unserer Nachbarländer unterscheiden - und die Erfahrungswerte genervter Mütter.



DIE KOPFLAUS IM PORTRÄT

Pediculus humanus capitis ist ein blutsaugendes, flügelloses Insekt. Es hat sechs Beine mit Haken an den Enden. Damit kann es sich hervorragend an Haaren festkrallen, auf glatten Oberflächen dagegen rutscht es nur herum. Hat es Hunger, ritzt es mit einer dolchartigen Verlängerung seines Kopfes die Haut des Wirts auf. Damit es dann ungestört genießen kann, spuckt es einen Stoff in die Wunde, der die Blutgerinnung verhindert. Drei bis vier Wochen dauert das Leben einer Kopflaus. In dieser Zeit legt ein Weibchen 150 bis 300 Eier. Damit die auch bei heftiger Bewegung oder unter Einwirkung von Wasser und Shampoo nicht vom Kopf fallen, klebt sie sie mit einer zementartigen Masse an den Haaren fest - dicht an der Kopfhaut, der Nahrungsquelle. Nach etwa sieben bis acht Tagen schlüpfen aus den Eiern zwar noch winzige aber bereits völlig fertige, hungrige Läuse, die nach wiederum neun bis zwölf Tagen geschlechtsreif werden.



Pedikulozide müssen nicht chemisch hergestellt sein, sie kommen durchaus auch in der Natur vor. Kokos-, Neem-, Teebaum- oder Anisöl beispielsweise sollten Läuse besser meiden. Allein diese Tatsache zeigt allerdings, dass Naturprodukte durchaus toxische Wirkungen haben können. Und die sind, anders als bei ihren chemischen Verwandten, für den Menschen kaum untersucht. Die Zeitschrift Ökotest bemängelte außerdem, dass in verschiedenen Produkten bedenkliche oder umstrittene Hilfsstoffe wie Formaldehydabspalter oder Cinnamylalkohol vorhanden sind. Hinzu kommt, dass die Anwendung bei den pflanzlichen Mitteln oft erheblich komplizierter ist. Mitunter werden bis zu fünf Applikationen über drei Tage verlangt, die für einen Erfolg strikt eingehalten werden sollen.

3. Dimeticone

Eine attraktive Alternative zum Läusekamm und den Pedikuloziden sind Dimeticone - synthetische Silikonöle. Sie packen die Kopfläuse sozusagen an deren Achillesferse, dem Atmungsorgan. Luft bekommen die Tiere über 14 winzige Atemöffnungen, von denen jeweils sechs am Rand jeder Körperseite und je eines an den Seiten des Kopfes liegen. Diese sogenannten Stigmen sind so klein, dass gewöhnliche Flüssigkeiten eine viel zu hohe Oberflächenspannung haben, um in sie eindringen zu können. Nicht aber einige Dimeticone. Sie kommen hinein und verkleben die Öffnung. Die Laus erstickt.

Für den Menschen dagegen gelten sie als vollkommen ungefährlich. Wir können sie weder verstoffwechseln noch über die Haut oder die Darmschleimhaut aufnehmen. Selbst wenn ein Kind versehentlich einen Schluck aus der Flasche nimmt, passiert nichts. Das gilt übrigens auch für die Läuse: Werden sie mit den Dimeticonen nur gefüttert statt betropft, leben sie weiter. Da auch die Läuseembryonen in den Eiern schon atmen müssen und Dimeticone auch die Atemlöcher der Eier verkleben, erwischt man bei der Behandlung tatsächlich alle Entwicklungsstadien. Sicherheitshalber sollte man trotzdem zwei Anwendungen im Abstand von acht bis zehn Tagen durchführen - falls man beim ersten Mal die Lösung nicht überall gleichmäßig im Haar verteilt hatte.

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